Samuel Richardson (1689-1761) gab uns das Muster eines Damenhelden in

Lovelace,

einer Figur seines Romans "Clarissa Harlowe" (1749), und ist für uns der Urheber des Wortes

sentimental,

denn "sentimental" wird in seinem Romane "Sir Charles Grandison" (1753. Bd. 6, Brief 52) durch liegende Schrift als neu und ungewöhnlich bezeichnet und im Index angeführt. Zwölf Jahre später erschien Sternes Buch "Yorick's sentimental journey", dessen Verdeutscher J. J. Ch. Bode (1768) den Titel auf Lessings Rat mit "Yoricks empfindsame Reise" wiedergab. In der Vorrede führt Bode Lessings eigene Worte also an:

"Es kommt darauf an, Wort durch Wort zu übersetzen, nicht eines durch mehrere zu umschreiben. Bemerken Sie sodann, dass "sentimental" ein neues Wort ist. War es Sterne erlaubt, sich ein neues Wort zu bilden, so muss es eben darum auch seinem Übersetzer erlaubt sein. Die Engländer hatten gar kein Adjectivum von 'sentiment', wir haben von 'Empfindung' mehr als eines: 'empfindlich, empfindbar, empfindungsreich', aber diese sagen alle etwas anderes. Wagen Sie 'empfindsam'! wenn eine mühsame Reise heisst, bei der viel Mühe ist, so kann ja auch eine empfindsame Reise heissen, bei der viel Empfindung war; ich will nicht sagen, dass Sie die Analogie ganz auf Ihrer Seite haben dürften. Aber was sich die Leser vor's erste bei dem Worte noch nicht denken, mögen sie sich nach und nach dabei zu denken gewöhnen".

Lessing bildete also das Wort:

empfindsam

nach "sentimental", das er irrtümlich für eine Erfindung Sternes hielt. Noch 1769 braucht Herder in seinen "Kritischen Wäldern" stets "Empfindbarkeit".—

Aus Benjamin Franklins (1706-90) "Weg zum Reichtum" ist: