Eratosthenes ("Katast." 27) meldet vom Pan, er habe durch Blasen auf einer Seemuschel die Titanen in die Flucht gejagt, und Hygin ("Poet. Astr." 2, 28) lässt ihn dasselbe durch Werfen mit Muscheln erreichen. Valerius Flaccus (3, 46) hingegen besingt den nächtlichen Schrecken, den Pans Stimme verbreitet, und Plutarch ("Is. u. Osir." 14) erwähnt die durch Pane und Satyrn in Ägypten erregten "panischen Schrecken" ("ταραχὰς πανικάς"); während Polyaenus ("Strateg." 1, 2) die Feinde des bacchischen Heeres durch Pans wildes, vom Echo vermehrtes Geschrei in die Flucht treiben lässt (vrgl. Auct. "de incredibilibus" 11, ed. Teucher 1796). Die 11. " orphische Hymne " nennt Pan (7):

"φαντασιῶν ἐπαρωγέ, φόβων ἔκπαγλε βροτείων", "Bringer der Schreckphantasie'n, Erreger der menschlichen Ängste",

(23)

"Πανικὸν ἐκπέμπων οἶστρον ἐπὶ τέρματα γαίης", "Bis zu den Grenzen der Erd' entsendend das panische Rasen".

Und nicht allein Dichter und Mythographen, auch Geschichtsschreiber wissen davon zu erzählen.

Xenophon ("Anab." 2, 2) und Aeneas Tacticus (27) geben verschiedene Mittel an, nachts im Lager die Mannszucht aufrecht zu erhalten, damit nicht der "panische Schrecken" um sich greife. Dies muss sehr nötig gewesen sein; denn Pausanias (10, 23) berichtet über die von den Macedoniern geschlagenen Gallier unter Brennus: "In der Nacht befiel sie ein panischer Schrecken ("φόβος Πανικὸς") . . . sie glaubten Pferdegetrappel zu hören und den Feind zu sehen und huben an, sich in ihrer Verblendung untereinander anzugreifen und zu töten".

Die Römer schrieben nach Dionys von Halikarnass (5, 16) dem Faunus die Eigenschaften Pans zu, Phantome, seltsame Geräusche und Schrecken ("τὰ Πανικά") nachts im Heerlager hervorzurufen. Cicero bringt das Wort stets in griechischer Form ("πανικός" sc. "φόβος" u. "πανικά" sc. "δείματα") und bezieht es einmal ("Att." 5, 20) auf den Kriegsschrecken, sonst ("Att." 14, 3; 16, 1; "Ad. fam." 16, 23) auf leere Schreckversuche oder Schreckensgerüchte anderer Art. In Hirts "Bilderbuch" (II, S. 160, Vign. 4) findet sich die Abbildung eines antiken Terracottareliefs, das den "panischen Schrecken" darstellt.—

Aus der alten, im pseudoplatonischen "Axiochus" (371 e) und in des Aeschines "Dialogen" (3, 21) flüchtig berührten, uns erst von Hyginus (168) erzählten Mythe, dass die Töchter des Danaus, ausgenommen Hypermnestra, zur Strafe des Gattenmordes verdammt waren, in der Unterwelt beständig Wasser in ein leckes Fass zu schöpfen, entwickelte sich das sprichwörtliche Bild für Verschwendung "ὁ τετρημένος πίθος", "das durchlöcherte Fass" (s. Aristoteles "Oekon." 1, 6) und für vergebliche Arbeit "εἰς τὸν τετρημένον πίθον ἀντλεῖν", "in das durchlöcherte Fass schöpfen" (s. Xenophon "Oekon." 7, 40). Lucian nennt dieses Fass zuerst ("Hermot." 61): "ὁ τῶν Δαναίδων πίθος".

Das Fass der Danaïden

füllen zu wollen, ist uns daher ein Bild bodenloser Anstrengung und Vergeudung.—