"L'un tout esprit et tout céleste,

Veut, qu'au ciel sans cesse attaché,

Et des biens éternels touché,

Je compte pour rien tout le reste,

Et l'autre par son poids funeste

Me tient vers la terre penché". etc.

Wieland und Goethe setzten für "deux hommes" unwillkürlich "deux âmes" als den üblichen Begriff. Sie kannten wohl die Lehre des Mani (3. Jahrh. n. Chr.), von deren Anhängern Balthasar Bekker ("Bezauberte Welt" I. Buch, XVIII. Hauptstück § 7; holländ. 1691, deutsch 1693 Amsterd.) sagt: "Sie halten gar dafür, dass jeder Mensch zwo Seelen habe, deren eine allezeit wider die andere streite". Und Beide hatten gewiss in Xenophons "Cyropaedie" VI, 41 des wider Willen sündhaft verliebten Araspes Vermuthung gelesen, "er müsse ohne Frage zwei Seelen haben (δύο γὰρ, ἔφη, ὦ Κῦρε, σαφῶς ἔχω ψυχάς), denn eine Seele könne nicht böse und gut sein, noch zugleich etwas wollen und es auch nicht wollen." Bereits in den "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1793-1795) lässt Goethe den "Alten" von "Ferdinand" sagen, er habe seiner Eltern grundverschiedene Gemüthsarten in sich vereinigt, so dass "seine Freunde zu der Hypothese ihre Zuflucht nehmen mussten, dass der junge Mann wohl zwei Seelen haben mochte"; und weiterhin heisst es da "die gute Seele schien die Oberhand zu gewinnen". Hierzu brauchte Goethe Racine nicht; seine Faustworte aber strömen klar aus jener Quelle.—

Faust: ( Du hast wohl recht: ) ich finde nicht die Spur

Von einem Geist, und alles ist Dressur.

Studierzimmer. Faust: mein geliebtes Deutsch. Mephist.: Wozu der Lärm? was steht dem Herrn zu Diensten? Faust: Das also war des Pudels Kern! Faust: Der Kasus macht mich lachen. Mephist.: der Geist, der stets verneint! Mephist.: Beisammen sind wir, fanget an! Mephist.: Du bist noch nicht der Mann, den Teufel fest zu halten!— Studierzimmer. Mephist.: Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewusst. Faust: Was willst du armer Teufel geben? Faust: Verweile doch! Du bist so schön!