De mortuis nil nisi bene, Über die Toten (sprich) nur gut,

ist wahrscheinlich eine Übersetzung des von Diogenes Laërtius (I, 3 n. 2, 70) überlieferten Wortes des Chilon:

τὸν τεθνηκότα μὴ κακολογεῖν.

Doch führt Plutarch "Solon", c. 21 (Anfang) den Spruch in etwas anderer Form auf Solon zurück. Thucydides sagt II, 45: "τὸν γὰρ οὐκ ὄντα ἅπας εἴωθεν ἐπαινεῖν", "Den, der nicht mehr ist, pflegt Jeder zu loben".—

Epimenides aus Kreta (um 596 v. Chr.) galt den Alten als der Verfasser des Verses:

"Κρῆτες ἀεὶ ψεῦσται, κακὰ θηρία, γαστέρες, ἀργαί",

den Luther in der "Epistel S. Pauli an Titum" (1, 12) also übersetzt: "Die Creter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche". Danach sagen wir von einem trägen Schlemmer, er sei ein

fauler Bauch.—

In Äsop s (6. Jahrh. v. Chr.)[61] Fabel 27: "Der flöteblasende Fischer" (citiert wird hier stets die Halmsche Ausgabe) versucht ein Fischer erst vergeblich durch Flötenspiel die Fische an sich zu locken: dann greift er zum Netz und spricht, als sie nun vor ihm auf dem Strande hüpfen: "ὦ κάκιστα ζῶα, ὑμεῖς, ὅτε μὲν ηὔλουν, οὐκ ὠρχεῖσθε, νῦν δὲ ὅτε πέπαυμαι, τοῦτο πράττετε"—"O ihr schlechtes Getier, als ich flötete, wolltet ihr nicht tanzen, nun ich aber aufhöre, thut ihr's!" Diese Fabel erzählte Cyrus in Sardes höhnend den Gesandten der Ioner und Äoler, weil die Ioner, als er sie bitten liess, vom Krösus abzufallen, nicht auf ihn hörten, nun aber, da er die Herrschaft erlangt, gehorsamst bereit waren. Er schliesst: "Παύεσθέ μοι ὀρχεόμενοι, ἐπεὶ οὐδ' ἐμέο αὐλέοντος ἠθέλετε ἐκβαίνειν ὀρχεόμενοι"—"Höret auf vor mir zu tanzen, denn als ich euch flötete, da wolltet ihr nicht herauskommen und tanzen!" (Herodot I, 141.) Der Evangelist Matthäus (11, 17; vrgl. Luk. 7, 32) kürzt das äsopische Wort also: "ηὐλήσαμεν ὑμῖν καὶ οὐκ ὠρχήσασθε." Und wir entnehmen aus Luthers Übersetzung "Wir haben euch gepfiffen und ihr wolltet nicht tanzen" unser:

Nach Jemandes Pfeife tanzen sollen.—