[61] Die "geflügelten Worte" aus griechischen Fabeln sind zwar dem 6. Jahrh. unter Äsop eingereiht, aber es ist wohl möglich, dass keines von ihnen dem Fabelerzähler Äsop sein Dasein verdankt, da die auf uns gekommene Sammlung "äsopischer" Fabeln diesen Namen mit keinem besseren Rechte führt, als die der "anakreontischen" Gedichte den des Anakreon.

Wie der Fuchs in Äsops Fabel (33 u. 33b) "Der Fuchs und die Trauben" sagen wir, das Misslingen unserer Pläne nicht der eigenen Unzulänglichkeit, sondern den Umständen zuschreibend:

Die Trauben sind sauer, (ῥᾷγες ὀμφακίζουσι μάλα)

wenn sie für uns zu hoch hängen.—

Aus Äsops Fabel 97 "Der Bauer und die Schlange" und 97b "Der Wanderer und die Natter" entlehnen wir:

Eine Schlange am Busen nähren;

(vrgl. Petron. 77: "tu viperam sub ala nutricas").—

Zu den äsopischen Fabeln (158) wird auch eine Erzählung des Sophisten Prodikus (bl. um 430 v. Chr.) in seinen "Horen" gerechnet, die wir in Xenophons "Denkwürdigkeiten" (2, 1, 21) durch den Mund des Sokrates erfahren, wonach Herkules als Jüngling in der Einöde zwei Wege vor sich sah, den zur Wollust und den zur Tugend, und lange zweifelte, welchen er einschlagen solle (vrgl. Cicero "de off." 1, 32). Wir citieren danach:

Herkules am Scheidewege.—

Aus Äsops Fabel (200) "Die Dohle und die Eule" und 200b "Die Dohle und die Vögel" stammt: