Schöne Seele

und der Goethe sche Vers (1823. "Zahme Xenien". Bd. 3):

Wär' nicht das Auge sonnenhaft,

Die Sonne könnt' es nie erblicken.

Mit diesem Gedanken lehnte Plotin sich an Plato an, der in seinem "Staat" p. 508 sagt: "Das Gesicht ist nicht die Sonne . . . aber das sonnenähnlichste . . . unter allen Werkzeugen der Wahrnehmung", und der ebenda weiter unten "Erkenntnis und Wahrheit, wie Licht und Gesicht, für sonnenartig" erklärt.—

Julianus Apostata (331-363 n. Chr.) meint (oratio VI ed. Ez. Spanhemius, 1696, p. 184), "es dürfe nicht Wunder nehmen, dass wir zu der, gleich der Wahrheit, einen und einzigen Philosophie auf den verschiedensten Wegen gelangen. Denn auch wenn Einer nach Athen reisen wolle, so könne er dahin segeln oder gehen und zwar könne er als Wanderer die Heerstrassen benutzen oder die Fusssteige und Richtwege und als Schiffer könne er die Küsten entlang fahren oder wie Nestor das Meer durchschneiden". Damals galt noch Athen als Ziel der Gebildeten, später wurde es Rom. "Es führen viele Wege nach Athen" liegt im obigen Satz und mochte sich in das uns geläufige Wort verwandeln:

Es führen viele Wege nach Rom,

wofür jedoch sichere Belege noch zu suchen sind.—

Proclus (412, 485 n. Chr.) nennt in seinem Commentar zu Platos "Timaeus" (154c) den "οὐρανός" (Himmel) die

πέμπτη οὐσία Quintessenz (Das fünfte Seiende)