Von Ludwig dem Eisernen, zweitem Landgraf von Thüringen (1140-72), erzählt die "Düringische Chronik" von Joh. Rothe (hrsg. von R. von Liliencron, Jena 1859, S. 292), er wäre im Anfang seiner Regierung so milde und gut gewesen, dass der Übermut der Mächtigen zunahm und das Volk hart bedrückt wurde. Da habe er sich einst im Thüringer Walde auf der Jagd verirrt und habe beim Schmied von Ruhla, der ihn nicht kannte, nächtliche Unterkunft gefunden. Die Nacht durch habe der Schmied emsig gearbeitet, und wenn er mit dem Hammer auf das Eisen schlug, so habe er dabei auf den Landgrafen und seine Lässigkeit fluchend und scheltend gerufen: "Nun werde hart", was einen so tiefen Eindruck auf den Fürsten machte, dass er von Stunde an nach dem Rechten sah und wieder Zucht und Ordnung im Lande herstellte ( Otho Melander "Joco-Seria" 1603, No. 328). Diese Sage bearbeitete Wilh. Gerhard (Gedichte, B. 2, S. 24, Leipz. 1826) im Gedichte: "Der Edelacker", aus dem die Worte des Schmieds in der Form:
Landgraf! werde hart!
zum Citate geworden sind.—
Das Wort:
Caesar non supra grammaticos, Der Kaiser hat über Grammatiker nicht zu gebieten,
welches durch das von Burchard Waldis in der Fabel "Wie ein Sauhirt zum Abt wird" mitgeteilte Sprichwort: "Die Schreibfeder muss Kaiserin bleiben" wiedergegeben und von Molière "Les Femmes savantes" 2, 6 zu:
La grammaire qui sait régenter jusqu'aux rois Die Grammatik, welche sogar die Könige zu beherrschen weiss,
verarbeitet wird, bezieht sich auf Kaiser Sigismund, der nach des Cuspinianus Kaiserchronik (unter "Sigismund") auf dem Kostnitzer Konzil (1414-18) "Schisma" als männliches Hauptwort brauchte und, deswegen vom Erzbischof Placentinus gerügt, lateinisch ausrief: "Placentinus, Placentinus, wenn du auch Allen gefallen solltest, gefällst Du uns keineswegs, da Du meinst, dass wir weniger Autorität besitzen als der Grammatiker Priscianus, den, wie Du behauptest, ich verletzt habe"; vrgl. Zincgref "Apophth.", Strassb. 1626, S. 60.[75] — Menzel "Geschichte der Deutschen", 3. Aufl., Kap. 325: "Konzilium zu Konstanz", lässt ohne Angabe der Quelle den Kaiser sagen: "Ego sum rex Romanus et supra grammaticam" (Ich bin Römischer König und über der Grammatik).—
[75] Sueton "Über berühmte Grammatiker" 22 und Cassius Dio 57, 17 erzählen: Als Tiberius sich eines unlateinisohen Wortes bedient und Atteius Capito geäussert hatte, wenn es auch kein lateinisches Wort sei, so würde es von nun an eins werden, sagte Marcellus: "Menschen, o Kaiser, kannst Du das Bürgerrecht wohl geben, aber nicht Wörtern".
O sancta simplicitas! O heilige Einfalt!