Die gewöhnlichen Waffen sind Bogen und Pfeile, seltener Wurfspeere und Spieße. Bei festlichen Anlässen werden die Zähne oder Federn erlegter Tiere als Schmuck angelegt.
Die Niederkunft der Indianerin geht entweder im Hause der Eltern oder in einer von den übrigen abgesonderten Hütte, auch wohl im Freien im Busche vor sich. In Nordwestbrasilien und Guyana, wo man in größeren Sippenhäusern wohnt, wird der Teil des Hauses, der der in Frage kommenden Familie gehört, von den Wohnungen der übrigen durch Matten abgetrennt. Die Mutter des Mannes leistet bei der Geburt hilfreiche Hand, sofern die Kreißende nicht auf sich selbst angewiesen ist; oft spielt sich der ganze Vorgang in Anwesenheit aller verheirateten Frauen des Dorfes ab. Männer dürfen meistens nicht zugegen sein, nicht einmal der Vater des zu erwartenden Kindes. Verzögert sich die Geburt, dann eilen bei den Payagua und Mbaya die Nachbarinnen mit kleinen Kürbisschalen oder Klappern herbei und schütteln sie eine Zeitlang möglichst kräftig, worauf sie sich wieder entfernen. — Die Nabelschnur wird entweder mit den Zähnen abgebissen, zumal wenn die Frau in ihrer einsamen Gebärhütte niemand zur Hilfeleistung hat, oder mit einem scharfen Steinmesser, einem Bambusspan, einer Muschelschale durchgeschnitten, auch wohl zwischen zwei Steinen zerquetscht, wodurch gleichzeitig die Blutung zum Stillstand gebracht wird. Bei den Macusi von Britisch-Guyana liegt die Durchtrennung der Nabelschnur der Mutter oder der Schwester der Gebärenden ob. Je nach dem Geschlecht des zur Welt gekommenen Kindes wird ein anderes Werkzeug dazu benutzt, bei Knaben ein scharf geschliffener Bambusspan, bei Mädchen ein Stück Pfeifenrohr. Von den Frauen verschiedener Stämme wird berichtet, daß sie früher die Nabelschnur beziehungsweise die Nachgeburt verzehrten.
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 230. Ein Tukanoindianer vom Uaupé beim Rauchen.
Als Halter für die große Zigarre dient eine schön geschnitzte Holzgabel, die am unteren Ende mit einer Spitze versehen ist, so daß der Halter in die Erde gesteckt werden kann. Die Zauberdoktoren gebrauchen solche Riesenzigarren auch bei der Krankenheilung.
Auch nach der Geburt setzen die Eltern meistens ihre streng geregelte Lebensweise fort. Zunächst halten sie sich wieder an eine bestimmte Ernährungsart oder fasten auch wohl für einige Tage ganz. Bei den Uaupé und Isana besteht ihre Nahrung ausschließlich aus Maniokwurzelmehl und gebackenen Ameisen. Die junge Mutter muß etwa fünf bis zehn Tage lang abgeschlossen in ihrer Hütte verbleiben; ihr Mann leistet ihr dabei Gesellschaft. Keines von beiden darf während einer gewissen Zeit eine Arbeit vornehmen. Bei den Taulipang erstreckt sich der Zeitraum, während dessen die Eltern nicht arbeiten dürfen, auf drei bis vier Monate. Die Frau darf wohl Wasser holen, aber nicht kochen; dies besorgt die Großmutter. Sie darf auch nicht auf dem Felde arbeiten. Ihr Mann darf kein Beil oder Messer anfassen, auch keine Pfeile zurechtmachen, ebensowenig mit einem Bogen schießen, damit er nicht „das Kind am Kopfe schneide, stoße oder treffe“. Jede Übertretung dieser und ähnlicher Verbote, die sich bezüglich der Nahrung für den Vater bei manchen Stämmen auf mehrere Monate, bei den Ipurina sogar auf ein ganzes Jahr erstrecken, würde dem neugeborenen Kinde Unheil bringen.
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 231. Buhaganaindianer vom Rio Apaporis mit einem drei bis vier Meter langen Blasrohr.