Auf der Brust hängt ein Köcher aus rotem Holz mit vergifteten Pfeilen. Das lange Haar ist von einem Bastband zusammengehalten.

Eine unter den südamerikanischen Indianern ziemlich verbreitete Sitte ist das Männerkindbett. Während die Frau, oft genug sogleich nach ihrer Niederkunft, ihren häuslichen Pflichten nachgeht, zieht sich der Mann für einige Tage in den Raum zurück, wo die Geburt erfolgte, legt sich nieder, wartet und besorgt das Kind und beobachtet für seine eigene Person eine strenge Wöchnerinnenernährung oder fastet auch vollständig, all dies aus Furcht, bei Verletzung dieser Vorschriften könnte das Kind sterben oder wenigstens schweren Schaden nehmen. So glauben die Indianer von Britisch-Guyana, daß das Kind, wenn der Vater ein Nagetier mit stark vorspringenden scharfen Zähnen äße, ein ebensolches Gebiß bekäme, oder wenn er von dem Fleisch eines gefleckten Tieres nähme, das Kind eine scheckige Haut erhielte. Er darf auch nicht rauchen, sich nicht waschen, vor allem auch keine Waffe berühren, nicht einmal sich mit den Fingernägeln kratzen, wenn ihn jucken sollte; er muß in diesem Fall ein Stückchen von einem Blatt oder einen Halm benutzen, die man ihm eigens zu diesem Zweck vor sein Ruhelager legt. Bei den Passé in Ecuador färbt sich der Mann während der Zeit seines Kindbettes schwarz, und seine Frau hält sich einen Monat lang im Dunkeln auf.

Zwillinge werden meistens als ein böses Zeichen aufgefaßt, als Beweis für Untreue der Frau oder Besessenheit von einem bösen Geiste, der mit ihr Verkehr hatte, und daher getötet; manchmal tötet man auch nur einen der Zwillinge. Die Saliva züchtigen ihre Frauen bei einem solchen Vorkommnis auch noch für ihr vermeintliches Vergehen. Im alten Peru legte man den Eltern nach einer Zwillingsgeburt strenge Fasten auf, während deren sie abwechselnd mit je einem gebeugten Knie daliegen mußten, so lange, bis eine in die Kniekehle gelegte Bohne infolge der Wärme zu keimen begann. Darauf führte man das Paar noch an einem Stricke um den Hals öffentlich herum. Damit die vermeintliche Untreue nicht ans Tageslicht komme, begräbt eine Frau der Campa und Anti im heutigen Peru, die Zwillinge geboren hat, verstohlenerweise das zweite Kind lebendig; nur das erste gilt als das wahre Kind des Gatten.

Phot. Sir Everard Im Thurn.

Abb. 232. Schildspiel der Warau

(an der Mündung des Barimaflusses in Britisch-Guyana), die auf diese Weise Streitigkeiten zum Austrag zu bringen pflegen. Dabei sind sie am Oberkörper mit Pflanzenfasern behängt und mit gefärbter Erde bestrichen. Die Spieler stemmen die Schilde gegeneinander und bemühen sich, einander zurückzudrängen.

In Nordwestbrasilien nehmen nach der Geburt beide Eltern und das Kind, wenn die fünf Tage der Abgeschlossenheit vorüber sind, unter ganz seltsamen Förmlichkeiten ein gemeinsames Bad im Flusse. Bei einigen Stämmen Brasiliens (Guarani, Tupinimba) pflegt der Vater seinem Neugeborenen, wenn es ein Knabe ist, unter Ermahnungen zur Tapferkeit kleine Waffen (Bogen und Pfeile) zu übergeben. Einige Tage nach der Geburt gibt der Großvater, seltener der Vater dem Kinde den Namen; bei den Stämmen am oberen Negro ist dieser Vorgang mit einem großen Zechgelage verbunden, zu dem alle Verwandten eingeladen werden. Die Knaben erhalten fast alle zwei Namen, die Mädchen nur einen. Die Namen beziehen sich meistens auf Tiere oder Pflanzen, Flüsse, Gliedmaßen, merkwürdige Ereignisse und Orte oder auf die Namen von Vorfahren oder Paten. Bei einigen Stämmen wird die Mutter des Kindes vor der Namengebung durchgeräuchert.

Abb. 233. Präparierter Jivarokopf (Siegeszeichen).