Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 241. Maskentanz der Káuaindianer vom Rio Aiary.

Der Tanz soll den Riesen Kohako versöhnen.

Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 242. Schmetterlingstanz der Káuaindianer.

Im großen und ganzen währt die Freiheit für die jungen Mädchen nicht lange, denn im allgemeinen werden sie schon sehr früh verheiratet. Koch-Grünberg sah unter den Indianerinnen von Britisch-Guyana elf- bis zwölfjährige Weiber, die schon Mütter waren. Bei vielen Stämmen besteht noch heutigestags die Sitte des Frauenkaufs, so bei den Toba, gewissen Stämmen von Guyana, Kolumbia und einigen anderen. Der Vater des Mädchens, um das der Jüngling wirbt, bestimmt den Preis; er besteht für gewöhnlich aus einer gewissen Menge Vieh. Sobald der Jüngling diese Summe glatt erlegt hat, erhält er die Frau, die mit diesem Augenblick sein Eigentum wird. Eigenartig ist die Werbung eines Chané- und Chiriguanojünglings. Hat er ein Auge auf ein Mädchen geworfen, so sendet er den Eltern allerlei Jagdbeute oder er trägt vor ihrem Hause Holz als Geschenk zusammen. Nehmen sie es an und verwenden es, dann bedeutet dies, daß die Eltern einverstanden sind; bleibt das Holz aber unberührt, dann ersieht der junge Mann daraus, daß er abschlägig beschieden werden würde, falls er des Mädchens wegen persönlich anfragen sollte. Hat er mit seinem Geschenk Glück gehabt, dann hält er bei der Mutter des Mädchens um dieses an. Sie antwortet ihm, daß sie ja nicht wissen könne, ob er ein guter Mann und imstande sei, seine Frau geziemend zu versorgen. Um dafür den Beweis zu erbringen, tritt er bei seinen zukünftigen Schwiegereltern für ein ganzes Jahr in Dienst. Die Ehe ist also auch hier eine Art Kaufehe. Übrigens begegnen wir bei den verschiedensten Stämmen der Forderung, daß der Jüngling, bevor er die Einwilligung seiner zukünftigen Schwiegereltern erhält, Proben dafür beizubringen hat, daß er seine Frau auch zu ernähren, das heißt daß er aus Jagd und Fischfang genügende Erträge zu erzielen vermag. Bringt er reichliche Beute von seinen Zügen heim, dann zögert ein Jivarovater, besonders wenn der Freier kräftig und besonders geschickt ist, nicht, ihm wohl auch zwei oder drei seiner Töchter anzuvertrauen. Ist der Bewerber willkommen, so bindet der künftige Schwiegervater um die Arme des jungen Paares ein etwa zollbreites Baumwollband von brauner Farbe, das das Mädchen selbst gewebt hat; der Bräutigam bohrt sich zwischen Lippe und Kinn ein kleines Loch, in das er einen Zierat aus bunten Federn steckt, und bietet seiner Versprochenen ein Tarachi (Stück baumwollenen Stoffes zu einem Kleid) und einige andere weibliche Schmucksachen an. Das Paar malt sich schließlich noch an und putzt sich aus, so gut es kann. Ein alter Mann des Stammes, der anscheinend das Amt des Priesters versieht, gibt ihm noch einen Tabakaufguß zu trinken; die Feierlichkeit endigt mit einem Tanz, Gesängen und einem Zechgelage von zwei bis drei Tagen. Es ist dies die einzige Gelegenheit, bei der Männlein und Weiblein zusammen tanzen. Bevor der junge Mann heiratet, hat er noch ein Stück Boden urbar zu machen, Bananen oder Yukka anzupflanzen sowie eine Hütte zu bauen und einzurichten. In der Ehe hat er dann nur nötig, durch Jagd oder Fischerei für den Lebensunterhalt zu sorgen.

Phot. Th. Koch-Grünberg.