Abb. 243. Eulentanz der Káuaindianer.
Der Tänzer bewegt sich ähnlich einer Eule in kurzen Sätzen von Baum zu Baum, wobei er den Eulenruf nachzuahmen sucht.
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 244. Schmetterlingstanz bei den Kobéua- und Káuaindianern.
Die Schmetterlinge gelten als die Dämonen der Malaria.
Sehr oft versprechen die südamerikanischen Indianer ihre Kinder bereits, wenn sie noch sehr jung sind. Bei den Jivaro geschieht dies schon, wenn die Kinder noch an der Brust liegen. Mit sechs Jahren sind dort die Mädchen bereits heiratsfähig und werden dann in das Haus des ihnen zugesagten Gatten übergeführt; manchmal schickt man ein solches Kind auch in noch jüngerem Alter dorthin. Dann nehmen die älteren Frauen des Mannes sich desselben an, pflegen es und ziehen es nach dem Geschmack des Gatten auf, bis es das heiratsfähige Alter erreicht hat. Einige Stämme bestimmen das letztere in eigenartiger Weise. Sie pflanzen bei der Geburt eines Mädchens drei bis vier Chontarurustämme (eine Palmenart) um ihr Haus und pflegen diese aufs sorgsamste. Sobald die Bäume die ersten Früchte tragen, gilt das Mädchen für reif zum Heiraten. In Britisch-Guyana ist indessen kein junger Mann, wenn er von seinen Eltern schon im Kindesalter verlobt worden sein sollte, an dieses Versprechen gebunden; er bittet dann einfach darum, daß seine Versprochene ihm alle ihr gemachten Geschenke, wie Perlen und andere Schmuckgegenstände, zurückerstatte, und ist dann wieder frei. — Bei den Cordado haben die zukünftigen Verwandten der kindlichen Braut die Pflicht, für diese zu sorgen. Stirbt ihr Vater oder verläßt er die Mutter, dann zieht das Mädchen zu ihren zukünftigen Verwandten, die fortan für seinen Unterhalt aufkommen. — Wenn bei den Aruaken von Guyana das Mädchen noch nicht das zur Heirat erforderliche Alter erreicht hat, dann gibt sein Vater dem jungen Manne, dem es versprochen wurde, entweder eine Witwe oder ein älteres unverheiratetes weibliches Wesen aus der Familie zur Frau, die dann später die Dienerin der eigentlichen Gattin wird. — Bei den Mura, einem noch sehr tiefstehenden Volkstamme, fechten die Anbeter eines jungen Mädchens die Entscheidung, wer sie bekommen soll, durch einen Faustkampf unter sich aus. — Bei den Aruaken besteht ferner eine eigentümliche Art der Werbung. Ein junger Mann, der ein Mädchen gern heiraten möchte, begibt sich zu dessen Vater und beginnt ihm sein Leid zu klagen, wie schlimm es einem Burschen gehe, der noch keine Frau habe. Der Vater pflichtet dem mit allerlei schönen Redensarten bei, überläßt aber seiner Tochter die Entscheidung, ob sie den Jüngling will. Setzt sie ihm Fleisch und Getränke vor, dann weiß er, woran er ist, daß nämlich seine Werbung ihre und ihres Vaters Zustimmung findet. Er ißt, was aufgetragen ist, und der Ehebund ist damit geschlossen. Unter den südamerikanischen Indianern fehlt es vielfach an einer Hochzeitszeremonie; doch wird die Eheschließung meistens mit Trinkgelagen und Tänzen festlich begangen. Bei den Tacuna am oberen Amazonenstrom führt man bei der Feier einer Hochzeit, aber auch bei der Reife der Mädchen und anderen Familienfestlichkeiten Maskentänze auf, die die Teufel zur Darstellung bringen sollen. Bei den Carajá trennen die jungen Eheleute als Zeichen der vollzogenen Ehe in der Hochzeitsnacht ihre langgefransten Kniebänder und Manschetten auf, die, solange die Ehe bestehen bleibt, nie wieder angelegt werden.
Phot. E. Nordenskjöld.
Abb. 245. Musikanten der Quichuaindianer