Phot. Rudolf Jobst, Wien.
Abb. 286. Tiroler Tanz (Schuhplattler)
auf einem Tanzboden im Freien (Zillertal).
Das heilige Tier der Ostara war der Hase, ihr Lieblingsopfer waren Eier; beide galten als Sinnbilder der wiedererwachenden Natur und der Fruchtbarkeit, die im besonderen der Frühling mit sich bringt. Osterhase und Ostereier sind daher eng mit den deutschen Ostergebräuchen verknüpft. Lange vor dem Fest sammelt die Hausfrau möglichst viel Eier an, färbt und bemalt sie mit schönen Mustern ([Abb. 305]) und versteckt sie am Ostermorgen, in kleine Nestchen gelegt, auf die wiederum ein Osterhäschen gesetzt wird, im Haus, im Garten oder auf der Wiese, wo die Kinder sie dann suchen. Auch Erwachsene beschenken sich gegenseitig mit Ostereiern, wie die heidnischen Altvordern es bereits taten; indessen sind an Stelle der ursprünglichen Hühnereier jetzt zumeist Schokolade- oder Zuckereier, auch wohl Eier aus Porzellan oder Metall getreten, die die auserlesensten Erzeugnisse des Zuckerbäckers, in wohlhabenden Kreisen unter Umständen auch Gegenstände kostbarerer Natur, Goldsachen und Juwelen, als Inhalt in sich bergen. Mit den Ostereiern wird von den Kindern mancherlei Kurzweil getrieben. Sehr verbreitet ist das Eierpicken ([Abb. 306]). Zwei Spieler verbergen in der hohlen Hand ein Ei, so daß nur die Spitze hervorsieht, und picken, das heißt stoßen die beiden Eierspitzen aneinander; wessen Ei dabei unversehrt bleibt, der erhält das seines Gegners. Ein anderes am Ostertage sehr beliebtes Volksspiel ist das Eierkullern oder Eierwalen ([Abb. 309]). Auf einem Hügelabhang oder einer kleinen, besonders dazu hergerichteten und geglätteten schrägen Bahn lassen die Spieler die Eier hinabrollen; wessen Ei die der anderen trifft oder überholt, der hat gewonnen. Vielfach sind die Eier außer Gebrauch gekommen; an ihre Stelle sind Äpfel, Pfefferkuchen, sogar Würste getreten, die man den Abhang hinabwirft, worauf sich die zahlreich unten versammelten Kinder um sie balgen. In Süddeutschland wie auch in der Schweiz betreibt man das Eierlaufen. Auf einer abgesteckten Bahn, am besten auf einer Wiese, werden ein paar hundert Eier in Abständen von je einem Meter verteilt und am Anfang derselben ein Korb aufgestellt. Ein Teilnehmer an dem Spiel muß nun jedes Ei einzeln aufheben, zum Korbe zurückgehen und das Ei hineinlegen. Währenddessen läuft ein anderer zu einem etwa eine halbe Stunde entfernten Nachbardorf, um sich hier zu melden, und begibt sich ebenso schnell wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück ([Abb. 308]). Wer nun seine Aufgabe zuerst gelöst hat, gilt für den „König“. Allerlei Lustbarkeiten schließen sich an dieses Eierlaufen an.
Phot. Wilhelm Müller, Bozen.
Abb. 287. Inneres einer Pustertaler Hütte mit Hausweberei.
Die am Gründonnerstag gelegten Eier schätzt das Volk besonders hoch ein. In Süddeutschland behauptet man, daß diese bereits in der Henne geweiht seien, ehe das Tier sie legt, und am Ostertage durch den Priester eine zweite Weihe erhalten, so daß sie nunmehr eine besondere Wirksamkeit besitzen. Am Ostersonntag nüchtern getrunken, verleihen sie außergewöhnliche Kräfte, schützen vor Blitzgefahr, machen stichfest und so weiter. In der Oberpfalz und in Oberfranken vergißt der Hausherr niemals, ein Gründonnerstagsei zu essen, um gegen allerlei Krankheit gefeit zu sein. Er gibt ein an diesem Tage gelegtes Ei sogar dem Vieh zu fressen oder teilt ein solches in zwei Hälften, von denen er die eine, in ein Läppchen eingewickelt, im Pferde-, die andere im Kuhstall aufhängt, um dadurch Viehseuchen fernzuhalten. In Pommern steckt der Bauer jedem Stück Vieh vor dem ersten Austreiben ein Ei ins Maul und zwingt es, dasselbe hinunterzuschlucken; dadurch sollen die Kühe so rund wie die Eier werden. In anderen Gegenden werden bei dem Beginn der Feldarbeit zahlreiche Gründonnerstagseier über den Acker verstreut oder unter das Korn gemischt, um große Fruchtbarkeit zu erzielen oder die Saat vor Hagel zu schützen. Auch wirft man bei einem losbrechenden Gewitter ein solches Ei über das Dach des Hauses, um dieses vor Blitz zu schützen. Sieht man in der Kirche bei Sonnenschein durch ein solches Ei, dann vermag man die in der Gemeinde vorhandenen Hexen zu erkennen; überhaupt kann jeder, der ein solches Gründonnerstagsei bei sich trägt, vieles erkennen, das anderen Menschen verborgen bleibt.