Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.

Abb. 295. Eine Maske in Appenzell,

wie sie am St. Nikolaustage unter Begleitung der Einwohner durch die Straßen laufen.

Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.

Abb. 296. Teilnehmer an einer Maskerade am Nikolaustage zu Appenzell.

Die Ketten, die sie sich umgehängt haben, bestehen aus großen Glocken.

An den Karfreitag oder Stillen Freitag knüpfen sich allerhand abergläubische Vorstellungen. In Deutschland herrscht durchweg die Meinung, daß man an diesem Tage, wie in manchen Gegenden in der Stillen oder Marterwoche überhaupt — in Flandern führt sie die Bezeichnung „Teufelswoche“ —, keine gewöhnlichen Arbeiten vornehmen, also nicht waschen und im Freien trocknen, nicht zimmern, schneidern, schustern, weben, keinen Dünger aufs Feld fahren, keine Reise unternehmen dürfe und so fort, da sonst Unglück heraufbeschworen werde; so wird beispielsweise auch selten ein Dienstmädchen am Karfreitag seine Stelle wechseln. Ferner knüpfen sich an diesen Tag verschiedene Gebräuche, durch die man allem Unheil vorbeugen und vor allem sich vor Krankheit schützen zu können meint. So glaubt man in England, daß am Karfreitag zu Pulver zerriebenes Brot ein Allheilmittel gegen alle möglichen Gebrechen sei, in Ungarn, daß das Abschneiden der Haare an diesem Tage den Träger ein ganzes Jahr lang vor Kopfschmerzen bewahre, sowie daß am Karfreitag aus dem Strom geschöpftes Wasser sich gegen Augenleiden heilsam erweise. Auch übernatürliche Kräfte kann man sich am Karfreitag aneignen, die übrigens ein an diesem Tage Geborener von vornherein besitzt. In Schwaben ist der Glaube verbreitet, daß man in der Abendstunde des Stillen Freitags imstande sei, verborgene Schätze zu entdecken, die Schlüssel zur Hölle zu schmieden, um damit den Fürsten der Unterwelt zu bannen, und dergleichen.