In England soll man einem Säugling nicht die Handflächen waschen, weil man ihm sonst sein Glück damit fortwischen würde, und in Nord- und Westengland bleibt überhaupt die ganze rechte Hand ungewaschen, damit sie Reichtümer einsammle. Auch das Haarabschneiden ist eine bedeutungsvolle Sache. In manchen Gegenden Irlands nimmt der Vater dies zuerst vor. Die Nägel pflegt man im ersten Jahre nicht zu beschneiden, sondern die Mutter oder die Pflegerin beißt sie dem Kindchen ab. Wollte man sie mit einem scharfen Gegenstande kürzen, dann würde das Kind „lange Finger machen“, das heißt stehlen. Auch dürfen Kinder niemals gewogen oder gemessen werden.
Die herangewachsene Jugend beschäftigt sich schon frühzeitig mit der Frage nach der Person des zukünftigen Ehegenossen und dem Zeitpunkt der Vermählung. Um zu erfahren, ob ein Freier zu erwarten stehe und wann dies der Fall sein dürfte, sind allerlei abergläubische Gebräuche und Liebesorakel im Schwange.
Phot. B. Balasse.
Abb. 325. Szene aus der „Parade du Lumeçon“ zu Mons,
die am Trinitatissonntag in Erinnerung an den Kampf des Ritters Sankt Georg mit dem Drachen abgehalten wird. Heute heißt der Held Gilles de Chin, und die Heldin ist eine Prinzessin, die von einem im Walde bei der Stadt hausenden Ungeheuer gefangengenommen wurde.
Phot. Clive Holland.
Abb. 326. Tanzende Kinder auf einem Platze von Antwerpen
während der Kirmes.