Die romanischen Völker.

Unter den romanischen Völkern wird, ganz allgemein gesagt, die Bevölkerung der westlichen Mittelmeerländer verstanden, also die Franzosen — in einem großen Teile Nordfrankreichs überwiegt allerdings das nordeuropäische, germanische Blut —, die Spanier, Portugiesen und die Italiener. Rassenanthropologisch betrachtet, gehören zu ihnen die Vertreter des brünetten mediterranen Typus ([Abb. 362] und [398]), der, wie schon oben gezeigt wurde, vielfach Kreuzungen mit der nordischen und der alpinen Rasse eingegangen ist, sich aber immerhin verhältnismäßig rein in den südlichsten Gebieten der Mittelmeergestade erhalten hat. Unter den Romanen begegnet man vielfach recht schönen Gestalten und ansprechenden Gesichtern, besonders in der Frauenwelt. In Frankreich haben die Frauen von Arles wegen ihrer großen Schönheit eine gewisse Berühmtheit erlangt, deren sie sich übrigens schon zur Römerzeit erfreuten. Die Schönheit der romanischen Frauen wird vielfach noch durch ihre malerische Tracht erhöht, die man hier viel häufiger als in Nord- und Mitteleuropa noch zu tragen pflegt, besonders in ländlichen Bezirken.

Die einzelnen Trachten hier zu schildern, ist ganz unmöglich; es muß genügen, einige wenige im Bilde vorzuführen, denn es herrscht eine große Mannigfaltigkeit in dieser Hinsicht ([Abb. 361], [363] und [365]). Im allgemeinen sind bunte, leuchtende Farben in geschmackvoller Zusammenstellung für die südeuropäischen Trachten bezeichnend, neben denen in manchen anderen Gegenden aber auch weniger farbenfreudige Stoffe bevorzugt werden. Mit vielem Geschmack und vielem Geschick verstehen die Romaninnen sich darauf, ihre körperlichen Reize durch allerlei Beigaben, besonders in der Kleidung, zu erhöhen. Ein ständig wiederkehrendes Stück der Tracht, das seine größte Verbreitung unter den Spanierinnen ([Abb. 366]) hat und die anmutigen Gestalten außerordentlich vorteilhaft kleidet, ist das Spitzenschleiertuch (Mantille, Fichu).

Phot. Prof. Petrucci.

Abb. 361. Bretonische Frauen in Festtracht.

Bezeichnend sind die Hauben, die flügelähnlichen Besätze auf den Schultern und die reichgestickten Schürzen, oft alte, von Geschlecht zu Geschlecht vererbte Stücke.

Phot. Alinari.

Abb. 362. Italienische Ziegenhirten,