Phot. Diego Gonzalez.
Abb. 369. Szene vom Stierkampf.
Der bereits von den Speeren der Bandilleras getroffene Stier wird von dem Matador zum neuen und wohl letzten Angriff gereizt.
Auch Frankreich kennt Stierkämpfe; so finden solche in der Stadt Arles statt, aber hier sind es nicht wie bei der spanischen Corrida blutrünstige Metzeleien, an denen das Volk seine Freude hat, sondern die heiteren naiven Spiele, in denen die Gewandtheit des Menschen gegen die Stärke des Stiers zum Auftrag gebracht wird. Der Kämpfende muß nämlich dem Stier eine Kokarde, die er zwischen den Hörnern trägt, fortzureißen versuchen.
In Italien huldigt man mit Vorliebe dem Glückspiel. Dieser Sport ist über die ganze Halbinsel verbreitet und bildet die Haupteinnahmequelle für den Staat. Jede Woche finden in allen bedeutenderen Städten Lotterieziehungen statt, so daß für die Italiener, die schon seit Jahrhunderten einem süßen Nichtstun ergeben sind, das Spiel das sicherste Mittel ist, um noch immer ärmer zu werden. Die Gewinnaussichten sind nämlich recht gering, da die Regierung den Löwenanteil an den Einnahmen nimmt, indem sie den Wert der Gewinne nie den dritten Teil der Summe übersteigen läßt, die sich nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung aus den Einnahmen ergibt; auf diese Weise bringt sie es fertig, sich eine dauernde, freiwillig gespeiste Geldquelle zu verschaffen. Denn das Volk ist auf das Spielen, wie gesagt, rein versessen. Bei der Auswahl der zu spielenden Nummern spricht der Aberglaube viel mit. Das in Italien am meisten gelesene Buch ist das Traumbuch, eine alte, alphabetisch angeordnete Liste von Wörtern, deren jedem eine aufs Geratewohl zwischen eins und neunzig ausgewählte Zahl zugeordnet ist. Irgendein Ereignis oder ein Traum, der auf eins der dort verzeichneten Wörter anspielt, gibt den Ausschlag für die damit verbundene Zahl, und diese wird zur Nummer des zu spielenden Lotterieloses. Auch die Mönche werden nicht selten um Nennung einer glückbringenden Nummer angesprochen. Da sie in großem Ansehen stehen und auch eine gewisse Bildung besitzen, so meint das abergläubische Volk, daß sie auch mit der Gabe ausgestattet seien, vorauszusehen, welches Schicksal einem bevorsteht, was ein Traum bedeutet, welche Nummern in der Lotterie Erfolg haben werden und so fort. Es kann unter Umständen auch geschehen, daß ein solcher „Onkel“ Mönch, wenn er sich weigert, Auskunft zu erteilen, unbarmherzig durchgeprügelt wird.
Phot. Clarke & Hyde.
Abb. 370. Duell mittels Stoßdegen,
wie es in Frankreich bei Beleidigungen üblich ist.