Phot. Underwood & Underwood.
Abb. 381. Einsegnung des Viehs
die durch den Geistlichen in der Kirche vorgenommen wird.
Auf Sizilien, besonders in dem Städtchen Prizzi, finden am Palmsonntag Aufzüge statt, die den Einzug Christi in Jerusalem zur Darstellung bringen. Einer der Geistlichen stellt Christus vor; er reitet auf einer reich mit Blumen geschmückten Eselin, neben der ein Füllen einhertrabt, wie die Überlieferung es berichtet. Ihm folgen als die zwölf Apostel ebensoviel Geistliche mit Palmzweigen in den Händen; einer von ihnen stellt Judas dar und ist an einer Laterne als solcher kenntlich, die er in der Hand hält. An die Priester schließt sich eine große Volksmenge an; alles trägt Palm- oder Ölzweige. Am Tor der Stadt begrüßt der Bürgermeister den Zug und führt das Reittier Christi am Zügel weiter bis zum Altar der Kirche. Hier wird der Zug von dem Hosianna des Chors empfangen, worauf Christus absteigt und das Zeichen zur Palmenweihe gibt. Die gesegneten Zweige nimmt man nach Hause mit und befestigt sie hier als Abwehrmittel gegen alle möglichen bösen Einflüsse. — Die Stadt San Remo in Norditalien hat das Vorrecht, am Palmsonntag Palmzweige nach Rom zu senden.
Abb. 382. Das Fest der „Fallas“ von Sankt Joseph zu Valencia in Spanien.
Der große aus Leinwand und Holz in der Straße aufgebaute Katafalk trägt Figuren, die auf die wichtigsten auf der Iberischen Halbinsel sich abspielenden Ereignisse Bezug nehmen, zum Beispiel das auf einen Bienenschwarm losschlagende Portugal (oben), das schlafende Spanien, das von einem Riffkabylen geneckt wird (Mitte), eine portugiesische Familie, die sich zum Auswandern anschickt.
In Neapel bietet Pfingsten (Pentecoste oder vom Volke lieber L’altra Pasqua, das zweite Ostern, oder auch Pasqua dei fiori, Blumenostern, genannt) Anlaß zu einem großartigen Pilgerzug, der sich am Pfingstnachmittag vom Monte Vergine zur Stadt ergießt. Schon am vorangehenden Donnerstag sind die Pilger zum Berge hinaufgestiegen, haben hier zu der braunen Madonna gebetet, reichlich der Kirche geopfert und sind in jeder Weise fromm gewesen. Nach drei Tagen kehren sie zurück, machen aber keineswegs den Eindruck von Büßenden im Pilgergewand und mit Pilgerstab, sondern von überaus lustigen Gesellen. Unter Gesang, Evvivarufen und Schreien, begleitet von den Tönen der Mandoline und Gitarre sowie dem Schall von Pfeifen, Trommeln und anderen Lärminstrumenten, bekränzt mit Blumengirlanden, die einen auf Karren, die anderen im Ein- oder Zweispänner oder auch in vornehmen Vierspännern, andere wieder hoch zu Roß — so erscheinen sie am Pfingstnachmittage in der Stadt, wo die zurückgebliebenen Neapolitaner, aufs festlichste geschmückt, sie mit Jubel begrüßen.