Phot. The Farringdon Photo Company.

Abb. 394. Pilgerzug zu der heiligen Grotte in Lourdes,

wo die Jungfrau Maria erschienen sein soll.

Zum Schluß wollen wir noch des Heiratsmarktes zu Ecaussines-Lélaing in Südfrankreich gedenken. Früher war es hier Sitte, daß die jungen Burschen dem von ihnen verehrten Mädchen in der Walpurgisnacht eine grüne Birke, den Maibaum, mitunter mit der Inschrift „Honneur à la jeunesse“ (Ehre der Jugend), vor das Haus pflanzten, um dadurch ihre Zuneigung zu erkennen zu geben. Zum Zeichen, daß der Jüngling ihm genehm sei, lud das Mädchen ihn nebst seinen Freunden dann zu Kaffee und Kuchen ein. Dieser schöne Brauch geriet allmählich in Vergessenheit, und damit nahm auch die Heiratslust der jungen Männer ab. Um diesem Übelstande abzuhelfen, hat man seit einer Reihe von Jahren einen Heiratsmarkt eingerichtet, der am zweiten Pfingstfeiertage abgehalten wird. Die jungen Burschen kommen dazu in großen Scharen zusammen und werden von den Mädchen bewirtet; man plaudert, scherzt, schäkert, singt und tanzt, und die dabei angeknüpften Bekanntschaften pflegen sich auch meistens zur Heirat zu verdichten.

Phot. The London Electrotype Agency.

Abb. 395. Ein eigenartiger Karfreitagsbrauch in Belleguardo.

Die Bürger wählen einen aus ihrer Mitte, der Christus darzustellen und als solcher den ganzen Tag mit seitlich erhobenen Armen auf dem Altar zu stehen hat, wobei er ein großes, von seinem Halse vorn herabhängendes Kreuz trägt. Die Andächtigen knien vor ihm nieder, singen geistliche Lieder und legen Geld in die vor dem Altar aufgestellten Opferschalen. Das auf diese Weise zusammenkommende Geld verteilt der „Christus“ zu Ostern an Kranke und Arme.

In Spanien, im besonderen in Valencia und Andalusien, ist als Werbeversuch noch die Serenade sehr beliebt. Der Liebhaber erscheint spät abends in Begleitung zweier Musikanten unter dem Balkon seiner Angebeteten und bekennt ihr seine Liebe durch den Mund eines Trovador, der sehr geschickt darin ist, Liebeslieder aus dem Stegreif abzufassen und vorzutragen. Nach vielem Bitten läßt sich das junge Mädchen endlich bewegen, anscheinend widerwillig auf dem Balkon zu erscheinen, um dem Bewerber eine Blume aus ihrem Haar hinabzuwerfen, als Zeichen, daß sie ihm gewogen sei. Dies alles ist aber nur Spiel, denn der Liebhaber hat bereits lange vor dieser öffentlichen Werbung die Zusage der Eltern und des Mädchens erhalten. — Wenn die Eltern der Auserwählten dem Freier ihre Einwilligung etwa hartnäckig verweigern sollten, dann wählt dieser ein durchgreifendes Mittel, indem er die Hilfe der Obrigkeit anruft. Der Alkalde in seiner Staatsuniform fährt bei den Eltern vor und fragt den Vater in seiner amtlichen Eigenschaft, ob er gewillt sei, seine Tochter dem Betreffenden zur Frau zu geben, vorausgesetzt, daß keine Gründe ernsterer Natur dagegen vorliegen. Beharrt der Vater trotzdem noch weiter auf seiner Weigerung, dann nimmt der Alkalde die Tochter einfach mit sich und bringt sie bis zur Hochzeit in einer angesehenen Familie unter. — In Kastilien trägt die Braut bei der Hochzeit eine weiße Blume an der Brust, in Andalusien einen Kranz von Nelken und roten Rosen im Haar. In Cadix kennt man keine Trauringe, die verheiratete Frau unterscheidet man dadurch von den unverheirateten Mädchen, daß jene rechts im Haar stets eine Blume trägt. — In der Umgebung von Madrid besteht ein ganz eigentümlicher Hochzeitsbrauch. Am Tage der Hochzeit stellen sich zwei Burschen vor der Haustüre der angehenden Frau auf und fangen, wenn sich genügend Volk versammelt hat, einen Wortwechsel über die Fehler und Mängel der Braut auf der einen Seite, ihre Tugenden und Vorzüge auf der anderen an; sie können dabei unter Umständen so in Erregung geraten, daß sie schließlich einander beschimpfen und selbst handgemein werden.