Die Slawen sind ein tanz-, gesang- und liederfrohes Volk ([Abb. 420]). Verschiedentlich, besonders in Bosnien, durchziehen noch heutzutage Sänger das Land, um nach Art der alten Barden in halb singendem, halb rezitierendem Ton die Heldentaten der Väter zu preisen ([Abb. 401]). — In wenigen Ländern dürfte auch das Tanzen eine solche Verbreitung gefunden haben, wie in den slawischen und vor allem in Rußland. Lieder melancholischen Charakters werden fast ausschließlich gesungen, hingegen solche heiteren Inhalts durch Tänze begleitet. Urplötzlich springt einer aus dem Chor auf, ein zweiter, dritter und noch andere folgen, und schließlich tanzt die ganze Gesellschaft unter dem einförmigen Klang der Ziehharmonika in merkwürdigen Verrenkungen ([Abb. 410]). Der russische Tanz besteht nämlich in einem Wechsel von Kniebeugen und Vorwärtsschleudern der Beine. Die Frauen nehmen daran nur geringen Anteil, insofern sie an der Hand ihres Tänzers ruhig dahinschweben, also die Sprünge der Männer nicht mitmachen. Bei den Kleinrussen ist der Tanz durch viel größere Grazie ausgezeichnet; die Liebeswerbung liegt ihm zugrunde: das begehrte Weib macht von seiner freien Entschließung Gebrauch, indem es bald diesem, bald jenem Tänzer folgt. — Die Südslawen haben als Nationaltanz den Kolo, einen Reigentanz, bei dem die Teilnehmer eine geschlossene Kette bilden ([Abbildung 416]). Unter stetem Gesang der Tanzenden setzt sich der Kreis in Bewegung, langsam und mehr schwermütig beginnend, dann schneller und lustiger werdend und schließlich in einen leidenschaftlichen Wirbel ausklingend. Natürlich kommen hierbei die verzehrende Sehnsucht und die glühende Leidenschaft so recht zum Ausdruck. Die Serben kennen noch einen besonderen Kriegstanz, bei dem sie mit Schwertern in der Luft umherfuchteln.
Phot. Alinari.
Abb. 403. Rumänin in Landestracht.
Diese besteht aus einem langen, weißen Hemd mit weiten, bauschigen Ärmeln, die ebenso wie die Vorderseite des Hemdes mit Stickereien besetzt sind, zwei vorn und hinten von der Hüfte herabhängenden Tüchern (foça), einer dunklen, mit hellfarbigen Stickereien besetzten Schürze und einem bunten, mehrfach um die Taille gelegten Gürtel.
Phot. The London Electrotype Agency.
Abb. 404. Ein montenegrinischer Osterbrauch.
Man trinkt auf das Wohl der Heiligen Dreieinigkeit und pickt mit Ostereiern (vgl. [Abb. 306]), was Glück bringen soll.