Bei den Serben geht der Vater eines Jünglings, der sich verheiraten will, mit zwei Personen, meist Verwandten, auf die Freite. Sie bringen einen flachen, weichen Kuchen und einen Strauß Blumen mit; einer von ihnen ist auch mit einer Flinte oder Pistole ausgestattet, um das freudige Ereignis, wie es bei den Slawen vielfach Sitte ist, sogleich mit Schießen zu feiern. Die Brautwerber richten es so ein, daß sie zum Abendbrot dableiben. Während des Essens setzt einer von ihnen in passender Weise den Grund ihres Besuches auseinander. Darauf bringt der Vater des jungen Mannes den mitgebrachten Kuchen zum Vorschein und legt ihn auf den Tisch, daneben den Blumenstrauß und etwas Geld. Der Vater des Mädchens geht hinaus, um sich angeblich mit seiner Frau und Tochter zu besprechen, meistens haben aber schon vorher Unterredungen darüber zwischen ihnen stattgefunden. Nach einem Weilchen kehrt er zurück, gefolgt von seiner durch einen ihrer Brüder oder nächsten männlichen Verwandten hereingeführten Tochter. Diese geht zuerst zu ihrem zukünftigen Schwiegervater, verbeugt sich vor dem Tisch und küßt jenem die rechte Hand, worauf sie gegenüber den anderen Anwesenden ebenso verfährt. Darauf händigt ihr der Vater des Bewerbers den Blumenstrauß nebst den Münzen aus, indem er zugleich seinen Glückwunsch darbringt. Das Mädchen verbeugt sich zum Dank noch einmal vor ihm und küßt ihm wieder die Hand. Von diesem Augenblick an gilt es für die Verlobte des jungen Mannes. Schließlich legt der Schwiegervater noch ein Geldstück auf den Kuchen, das gleichsam den Brautpreis („das Geschenk für das Haus“) versinnbildlichen soll.
Verlag von R. Promberger, Olmütz.
Braut und Bräutigam aus Wltschnov bei Ungarisch-Brod.
Nach Aquarellen von M. Gardavski.
Phot. P. Postel.
Abb. 422. Ruthenisches Brautpaar (Tyszkowce bei Horodenka).
Die Kopfbedeckungen sind mit einem Kranz aus vergoldeten Immergrünblättern und vier Troddeln aus roter Wolle geschmückt.