Die übrigen in Europa vertretenen Stämme:
Lappen, Finnen, Basken, Zigeuner.
Die Lappen. Das Gebiet, das wir als Lappland bezeichnen, liegt über den nördlichen Polarkreis hinaus, teils in Rußland, teils in Norwegen und Schweden. Seine Bewohner sind wahrscheinlich mongolischer Herkunft; sie zeichnen sich durch eine äußerst kleine Gestalt — beim Manne geht sie kaum über hundertfünfzig Zentimeter hinaus —, im Verhältnis zum übrigen Körper kurze, meist krumme Beine und lange Arme, breite Backenknochen, breite, platte Nase, schiefstehende Augen, schwarze Haare und schmutziggelbe Gesichtsfarbe aus. Im allgemeinen kann man sie als äußerst häßlich bezeichnen. Doch begegnet man unter ihnen hin und wieder auch Personen, besonders Mädchen, mit hellblauen Augen, blonden Haaren, schöner Gesichtsfarbe und edleren, europäisch anmutenden Zügen. Es handelt sich da um eine Folge der zahlreichen Mischungen zwischen Lappen und Norwegerinnen. Nicht selten nämlich gehen norwegische Mädchen armer Herkunft Ehen mit reichen Lappen ein. Es gibt unter diesen manche wohlhabende; einige Familien nennen gegen fünftausend Renntiere ihr Eigentum. Der umgekehrte Fall, daß ein norwegischer Bursche eine Lappin heiratet, dürfte äußerst selten eintreten, da die lappischen Mädchen gewiß nichts Verlockendes an sich haben.
Männer und Frauen sind fast gleich gekleidet ([Abb. 448]). Sie tragen Beinkleider aus Fell, die in hohen Pelzstiefeln stecken, ein Wams und eine mit einer Troddel geschmückte Spitzmütze. Die Küstenlappen pflegen während des Sommers an Stelle der sonst üblichen Gewänder aus Renntierfellen solche aus blauem Tuch von demselben Schnitt zu tragen, die meist mit reicher roter Stickerei versehen sind.
Ebenso einfach wie ihre Kleidung ist die Behausung der Lappen. Sie leben in Zelten ([Abb. 445] und [447]), die im Innern des Landes im Winter mit dicken Renntierfellen behängt werden, im Sommer dagegen nur aus einem leichten Stangengerüst aufgebaut und mit Birkenrinde oder Rasenstücken bedeckt sind. Oben an der Spitze des Zeltes befindet sich ein Abzugsloch für den Rauch, unten in der Mitte die Feuerstätte. Um sie herum lagert sich auf Renntierfellen als Bettstatt die ganze Familie; Eltern, Kinder und Verwandte schlafen sämtlich gemeinsam in diesem einzigen Raum.
Die Nahrung der Lappen besteht in der Hauptsache aus der Milch der Renntiere, der sie eine Art Brot aus Sauerampfer beimengen. Der Sauerampfer wird im Sommer gesammelt, breiartig eingekocht, in flachen, fladenartigen Broten getrocknet und für den Winterbedarf aufbewahrt. Renntierfleisch wird nur sehr selten genossen, meistens nur, wenn ein verunglücktes Tier geschlachtet werden muß. Die Renntiere machen den ganzen Reichtum der Lappen aus und bilden ihren wertvollen Handelsartikel, den sie bei ihrem Aufenthalt an der Küste gegen mancherlei Bedarfsgegenstände austauschen. — Männer und Frauen sind eifrig dem Genusse des Tabakrauchens ergeben.
Phot. Borg Mesch.
Abb. 446. Lappe auf der Reise.
Die Lappen führen alle ein äußerst bescheidenes Leben. Zum größten Teile sind sie Jäger und Fischer. Die umherziehenden Lappenstämme wohnen im Winter am Saume der großen Wälder und sorgen hier für ihre Herden. Kommt der Sommer, dann verlassen sie ihre kegelförmigen Fellzelte und ziehen in die Berge, den Renntieren nach, die frei umherlaufen. Bei der Rückkehr in die Zelte fangen sie ein Tier aus der Herde ein und hängen ihm eine Glocke um den Hals; durch diese werden die übrigen Tiere herbeigelockt und dann durch Hunde zusammengetrieben und zusammengehalten. Die Hunde spielen im Leben der Lappen eine wichtige Rolle als Haustiere; sie sind die ständigen Begleiter ihrer Herren, gehen sogar in die Kirche mit ihnen und halten sich während des Gottesdienstes bei ihnen auf; teils liegen sie dann still, teils balgen sie sich auch miteinander herum. Sie dienen zur Bewachung der Renntierherden. Auf ihren Reisen ziehen die Lappen in Schlitten ([Abb. 455]) oder auf Skiern ([Abb. 446]) umher und führen spatenähnliche Stöcke mit sich, um mit ihnen das Moos unter dem Schnee für die Renntiere auszugraben, die es sich übrigens auch selbst mit den Vorderhufen hervorholen. — Die Küstenlappen leben ausschließlich vom Fischfang, bei dem sie eine überraschende Geschicklichkeit bekunden.