Nach dem Eintritt des Todes wird die Leiche mit Salzwasser gewaschen. Mit diesem Abwaschwasser tränkt man später das Vieh, damit es gut gedeihe. Nach dem Waschen wird die Leiche ins Freie geschafft, falls dies nicht schon vorher geschehen sein sollte. Der Weg wird dabei aber nicht durch die übliche Eingangstür genommen, sondern an einer anderen Stelle nach Aufheben der Zeltwand oder durch die Fensteröffnung. Im Freien erfolgt dann die Aufbahrung der Leiche. Gleichzeitig stimmen die Weiber Klagelieder an, die je nach dem Geschlecht des Verstorbenen verschieden ausfallen und eines poetischen Schwunges nicht entbehren. Neben die aufgebahrte Leiche setzen die Stammesgenossen Speisen und Getränke, die später von ihnen verzehrt werden. Bei dieser Totenfeier kommt es vielfach zu wüsten Orgien (siehe die [Kunstbeilage]).
Phot. Hauser y Menet, Madrid.
Abb. 476. Baskischer Ochsenkarren (San Sebastian).
Nach dreitägiger Aufbahrung wird der Tote außerhalb der Ansiedlung beerdigt. Sobald das Grab zugeworfen ist, häufen die Frauen alle von dem Verschiedenen benutzten Sachen um den Grabhügel auf und verbrennen dieselben; anderenfalls würde die Seele des Toten wiederkehren, um dessen Verwandte zu quälen und sein Eigentum von ihnen zurückzufordern. Außerdem soll das Feuer die Seele bei ihrer Wanderung durch kalte Gegenden ins Totenreich erwärmen. Ehe nicht das Fleisch von den Knochen abgefault ist, kann die irrende Seele dieses nicht finden. Auf dem Wege dorthin, der recht beschwerlich und gefährlich ist, muß sie unter anderem an sieben Bergen vorbeiziehen, die miteinander streiten, gegen eine den Weg verteidigende Schlange ankämpfen und gegen einen eisigen, schneidenden Wind marschieren. Um die Lebenden gegen den etwa zurückkehrenden Geist zu schützen, umgab man früher das Grab noch mit Dornen.
Phot. Dr. Buschan.
Abb. 477. Bosnisches Zigeunermädchen.
Den Namen eines Verstorbenen nennt man nur noch einmal, und zwar am siebenten Tage nach der Beerdigung. An diesem entfernen sich nämlich die nächsten Anverwandten des Verstorbenen mit Einbruch der Nacht von den Zelten, rufen den Toten mit Namen und machen ihm klar, daß er für ewige Zeiten aus der Welt geschieden und kein Mensch mehr sei; er möge daher mit seinem Schicksal zufrieden sein und nicht mehr daran denken, zu seinen Angehörigen zurückzukehren oder als Geist sein Unwesen zu treiben.
Von da an wagt man den Namen eines Verstorbenen nicht mehr auszusprechen.