Abb. 100. Der Fürstensitz des Königs der Schilluk
auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel. Der König, der sich der größten Achtung erfreut, geht nie ohne eine Leibgarde von zwölf bis zwanzig Mann aus.
Phot. C. G. Seligmann.
Abb 101. Heiligtum des Nyakang,
des ersten Schillukkönigs, der zwischen dem Volk und dem höchsten Gotte, Jüok, vermittelt, um von diesem Regen und sonstige Wohltaten zu erlangen. Vor der Tür sind Elefantenzähne in die Erde gesteckt.
Ein großer und mächtiger Ahnengeist ist Lerpiu; er soll bereits seit acht Menschenaltern in dem jedesmaligen Regenmacher sich verkörpert haben und augenblicklich von Biyordit, dem Regenmacher des Vorstammes, Besitz ergriffen haben. Man betet ihn in einer Hütte an, die seinen Heiligenschrein vorstellt ([Abb. 102]). In ihr bewahrt man einen besonders heiligen Speer auf, und draußen am Pfosten vor ihr hat man die Hörner vieler Ochsen, die dem Lerpiu geopfert wurden, aufgehängt; hinter der Hütte endlich steht noch ein geweihter Strauch, in dem die Jok während der großen Zeremonie des Regenmachens verweilen sollen. Diese Zeremonie, die im Frühjahr, ein paar Tage nach Neumond, abgehalten wird, besteht in einem Opfer an Lerpiu, damit dieser Dengdit bewege, Regen zu senden. Zwei Ochsen werden morgens zum Schrein geführt, worauf Biyordit sie an die Pfosten bindet und sämtliche Männer, Frauen, Knaben und Mädchen unter Trommelbegleitung um den Schrein herumtanzen. Nach einiger Zeit verlassen ihn alle mit Ausnahme der alten Leute. Biyordit spießt die Ochsen auf und schneidet ihnen die Kehle durch; während das Opfer zubereitet wird, singen die alten Leute: „Lerpiu, unser Vorfahr, wir haben dir ein Opfer gebracht; sei so gut und laß Regen fallen.“ Das Blut des einen Tieres wird in einem Kürbis aufgefangen, gekocht und von den angesehenen alten Männern des Klans genossen. Etwas von dem Fleisch, das mit sehr viel Fett gekocht wurde, bleibt ein paar Monate in der Nähe des heiligen Busches für die Jok übrig und wird schließlich von denjenigen aufgezehrt, die kein eigenes Vieh besitzen. Das Fleisch des anderen Ochsen wird sofort ganz verzehrt; seine Knochen werden fortgeworfen, die Hörner aber zu denen, die bereits den Pfosten zieren, hinzugefügt.
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 102. Ein Heiligtum des Lerpiu,