Abb. 98. Barikrieger beim Kungutanz.
Sie tragen Leopardenhäute um die Schultern, Straußenfedern in den Haaren und haben das Gesicht bemalt.
Trotz der großen Ehrfurcht, die den Totemtieren von den Dinka erwiesen wird, kann man nicht behaupten, daß sie solche regelrecht anbeten. Es scheint, daß man die Totemtiere vielfach mit den Ahnengeistern, den Jok, zusammenwirft, deren Kultus besonders entwickelt ist. Daher mag es kommen, daß man den Totemtieren gelegentlich wohl auch Opfer darbringt. In einem Dorfe befindet sich ein Schrein, der aus dem Stamm eines kleinen Baumes angefertigt und in die Erde geschlagen ist; ein Stück Wirbelsäule und die Hörner einer Ziege hängen an seinen Ästestümpfen, desgleichen ein paar Enden Tau und mehrere kleine Kürbisse, während Knochenreste vom Nilpferd am Fuß des Stammes aufgestapelt liegen. Dieser Schrein ist nach Seligmann folgendermaßen entstanden. Als vor ungefähr vier Jahren die Kinder des Dorfoberhauptes erkrankten und nicht besser wurden, erschien nach einigen Monaten der Geist des Ahnen, der die Krankheit gesandt hatte, einem Manne im Traum und forderte eine Ziege. Dieser trug dem Vater auf, er solle einen Pfosten einschlagen und einen fetten Ziegenbock opfern. Der Stamm wurde hergerichtet und ein Loch gegraben, darauf die Ziege geschlachtet und das Blut wie auch der Inhalt des Darmes in das Loch geschüttet, darauf der Pfosten in dasselbe hineingestampft. Das Fleisch der Ziege aß man, ihre Knochen mit Ausnahme der Wirbelsäule und der Hörner, die man an dem Stamme aufhängte, zerbrach man und warf sie zusammen mit einem eisernen Armband in den Fluß, weil der Vater des Ahnen, der die betreffende Krankheit geschickt hatte, der Zwillingsbruder eines bestimmten Fisches war; damit sollte er beschwichtigt werden. Nachdem noch Fleischstücke in die vier Himmelsrichtungen geworfen worden waren, wurden solche auch auf die Erde vor den Baumstamm gelegt und folgendes Gebet gesprochen: „O mein Großvater, ich habe dir ein Opfer gebracht; laß meine Kinder nicht länger krank sein.“
Phot. F. Spire.
Abb. 99. Regenmacher der Bari
mit den für die Zeremonie erforderlichen Werkzeugen (Gneisblöcken mit einigen Stücken Bergkristall oder Granit, irdenen Töpfen mit Wasser und einer großen Menge Eisenstäbe). Jeder der beiden Leute trägt außerdem einen geweihten Speer.
Eine besondere Art von Götterschrein pflegt eine Dinkawitwe zu Ehren und zur Versöhnung ihres Gatten aufzustellen. In die Erde werden ein paar Ochsenhörner eingepflanzt und über der Stelle ein kleiner runder Erdhügel geformt, aus dem die Hörner hervorragen; für gewöhnlich steckt man noch einen Stock oder einen jungen Schößling in den Hügel, hängt an den Hörnern auch wohl einen Viehstrick auf. Die Ochsen dazu stellen die Söhne; wie sie auch den Schrein selbst für die Mutter herrichten.
Phot. C. G. Seligmann.