Über besondere Gewohnheiten der Nilotenfrauen ([Abbild. 114] und [115]) aus Anlaß von Schwangerschaft, Niederkunft und Wochenbett wissen wir so gut wie nichts. Die Nubaweiber in den südlichen Bergen Kordofans tragen auf dem Kopfe einen Stein ([Abb. 106]), um in andere Umstände zu kommen.
Ebensowenig ist uns etwas Näheres über die Kindheit und Erziehung dieser Stämme bekannt. Bei den Dinka geht die Namengebung ohne besondere Förmlichkeiten vor sich. Der erste Knabe wird gewöhnlich nach dem Großvater väterlicherseits, entsprechend das erste Mädchen nach der Großmutter genannt. Spätere Kinder kann man nach den Namen der Kühe benennen, die für den Brautpreis der Mutter gezahlt wurden. Die Dinka formen als Spielzeug für ihre Kleinen ungeschlachte Lehmfiguren, die Rinder vorstellen, ein deutlicher Beweis für die große Wichtigkeit, die sie der Viehzucht beimessen.
Aufnahmezeremonien scheinen zu fehlen, aber alle Dinka und auch Schilluk lassen ihren Kindern die unteren Schneidezähne ausbrechen. Hübsch ist der Zug dieser Stämme, daß sie alle Knaben, die sich zu derselben Zeit der Prozedur unterworfen haben, als Gefährten ansehen und es ihnen zur Pflicht machen, sich gegenseitig das ganze Leben lang beizustehen. Den Prinzen bei den Schilluk dagegen läßt man die Zähne stehen, wohl in dem Gedanken, dadurch jene Sitte, die alle Menschen gleich macht, zu umgehen und den Unterschied zwischen einem Königsohn und dem gewöhnlichen Volke zum Ausdruck zu bringen.
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 107. Nubafrau vom Dschebel Ehri
mit Tatauierung.
Phot. R. v. Goldsmidt Rothschild.
Abb. 108. Baggaraaraber aus Südkordofan,