Abb. 123. Krieger vom Ntumbasee.
Dieser Stamm ist einer der wenigen, die noch Bogen und Pfeile gebrauchen. Der kleinere der beiden Krieger hält in der Rechten eine Galaaxt, wie sie Häuptlinge bei Besuchen mit sich führen; der größere trägt ein Messer und einen Fliegenwedel unterm Arm sowie drei Medizinhörner auf der Brust.
Ein interessantes Gebiet ist die Religion der Kongovölker. In allen Kongosprachen kommt wohl ein Name für ein höheres Wesen vor, aber die Vorstellungen von ihm sind ganz unklar. Es wird als der hauptsächlichste Schöpfer aller Dinge angesehen, gilt für besonders stark, reich und gut, ja für so mild und gütig, daß es niemand etwas zuleide tut. Aus diesem Grunde hält man es auch nicht für nötig, diesem höchsten Wesen Opfer darzubringen oder Gebete an dasselbe zu richten. Dafür aber befassen sich die Eingeborenen um so mehr mit den zahlreichen Geistern, von denen sie sich umgeben glauben. An sie wenden sie sich, wenn sie etwas erreichen wollen, sei es, daß sie den Feinden des Bittenden Schaden zufügen oder diesem selbst Gutes erweisen sollen, was von der Macht des besonderen Fetisches abhängt, den man sich vom Medizinmann kauft. Auch Hexen beunruhigen die Leute, da sie die Macht besitzen, Unglück, Mißlingen ihrer Angelegenheiten, Krankheit und selbst den Tod über sie zu bringen. Gäbe es keine Hexen, keine Geister und keine Fetische, so behaupten die Kongoneger, dann würde es auch keinen Kummer, kein Unglück, keine Krankheit und selbst keinen Tod geben; die Menschen würden ohne Hexen ewig in einer Art Himmel auf Erden leben. Um den Machenschaften der Hexen zu begegnen, gibt es wieder zahlreiche Fetische und Hexendoktoren, denen die Aufgabe zufällt, jene bösen Mächte zu überlisten und die Menschen entweder vor deren Bosheit zu schützen oder diejenigen zu bestrafen, die sich lediglich aus Mutwillen und Bosheit zu Medien für die Verhexung von seiten der Geister hergeben.
Mit Erl. des Belgischen Kolonialministers.
Abb. 124. Haartracht der Sangoleute am oberen Mobangiriver.
Die Wirkung der eigenartigen Frisur wird noch erhöht durch Schnüre aus weißen Perlen und Kaurimuscheln.
Unter den Anwohnern des unteren Kongo gibt es mehr als fünfzig verschiedene Zauberdoktoren ([Abb. 128]), und jeder Stamm am oberen Kongo besitzt seine eigene, mehr oder weniger zahlreiche Gruppe von solchen. Sie stellen die Fetische her, mit deren Hilfe sich die Menschen vor Hexerei zu schützen und sich Gesundheit und Glück zu erhalten suchen. Manche Hexendoktoren besitzen Fetische, mit denen sie jegliche Krankheit sowohl herbeiführen als auch heilen können; andere wiederum vermögen damit ihre Kunden gegen jede Gefahr zu schützen, die man sich überhaupt denken kann. Manche Fetische verleihen beim Stehlen und Betrügen Glück, und andere wieder schützen den Besitzer vor Dieben; noch andere übertragen eine solche Geschicklichkeit zum Lügen und Stehlen, daß der Besitzer eines solchen Zaubermittels niemals entdeckt werden kann. Auch verspricht der Hexendoktor seinem Kunden, ihn bei anderen Menschen so beliebt zu machen, daß jeder Nachbar sich freundlich zu ihm stellen und ihm bei seinen Unternehmungen hilfreich zur Hand gehen müsse, sei es im geschäftlichen Verkehr oder im Kampf, bei Streitigkeiten oder in Liebesangelegenheiten. Versagt etwa das Mittel, dann liegt dies daran, daß der Gegner ein noch wirksameres Gegenmittel besitzt. Aber auch diesem Übelstand kann der betreffende Hexendoktor abhelfen; sein Kunde braucht nur noch mehr zu zahlen und erhält dafür einen einflußreicheren Fetisch von ihm angefertigt. Auf diese Weise kauft sich mancher an Zaubermitteln und Fetischen wirklich arm und bringt sich an den Bettelstab, nur um die Gebühren des Hexendoktors bezahlen zu können.
Mit Erl. des Belgischen Kolonialministers.