Abb. 138. Die zum Begräbnis hergerichtete Leiche einer Bopotofrau.

Der Körper ist mit Perlen behängt, die der Verstorbenen im Jenseits als Geld dienen sollen.

Mit Erl. der Baptisten-Missionsgesellschaft.

Abb. 139. Szene aus den Reifezeremonien der Zombo von Kibokolo.

Die jungen Leute müssen monatelang in ihren Verschlägen zubringen, suchen aber von Zeit zu Zeit vermummt die Dörfer und Märkte heim, wo sie die Weiber erschrecken, damit diese ihnen Nahrungsmittel und Perlen geben.

Wenn sich Sternschnuppen zeigen, dann schließen die Mütter ihre Kinder schleunigst in den Hütten ein, aus Furcht, die Sternschnuppen, die sie für am Firmament spielende Geister halten, könnten auf die Kinder fallen und in sie hineingehen, wodurch die Kinder natürlich von einem bösen Geiste, dem Ndoki, besessen würden. Der erste Zahn, den ein Kind verliert, wird gegen die aufgehende Sonne geworfen und dabei die Bitte ausgesprochen: „Bring mir einen neuen Zahn, wenn du wiederkommst.“ Außerdem wird ein Stück Holzkohle gegen Westen geworfen mit der Bemerkung: „Nimm meinen alten Zahn fort; ich will ihn nicht wieder haben.“ Wenn sich dann mit der Zeit ein neuer Zahn einstellt, wird dies dem Einfluß der Sonne zugeschrieben. — Wenn ein Kind sich sehr eigensinnig oder ungehorsam gebärdet, dann schneidet sein Vater ein Stück von seinem eigenen Zeug ab, wickelt von seinem Haar etwas hinein und verbrennt das Bündel mit dem Fluche: „Du sollst niemals reich werden, sondern Gegenstand des Unglücks sein.“ Die Kinder haben eine schreckliche Angst vor einem solchen Fluch; jedes Unglück, das sich daraufhin einstellt, etwa eine Wunde, ein Unfall, eine Krankheit oder etwas derart, wird ihm schuld gegeben. Manchmal ändert ein Knabe in solchem Fall sein Betragen und erweist sich den Wünschen seiner Eltern zugänglicher; er bittet dann auch darum, daß der Fluch wieder von ihm genommen werde. Der Vater tut dies, indem er drei kleine Staubhäufchen auf jedes Knie legt, den Knaben vor sich niederknien und ihn die Häufchen hinwegblasen läßt, wobei der Vater zu ihm sagt: „Ich vergebe dir. Ich habe dir nicht mit dem Herzen, sondern nur mit meiner Zunge geflucht, und nun werde fortan reich.“ Sollte der Vater sterben, bevor er seinen Sohn von seinem Fluche befreit hat, dann sucht dieser einen Namensvetter seines Vaters, mit dem letzterer auf freundschaftlichem Fuße stand, auf, bringt ihm ein Huhn und bittet ihn, ihn von dem Fluch in der geschilderten Weise zu erlösen. Der Kongoneger kennt auf der anderen Seite auch wieder Segenswünsche für seine Kinder, die er aus besonderen Anlässen, entweder wenn sie eine längere Reise antreten oder der Familie ganz besondere Freude bereitet haben, über sie ausspricht. Dies geschieht in der Weise, daß der Vater oder auch die Mutter auf das Kind ausspeien und dabei feierlich ausrufen. „Mögest du besitzen alles, was ein Mensch besitzen soll; möge dir Segen und Glück zuteil werden und mögen deine Worte Anerkennung bei den Menschen finden.“ Ein solcher Segen wird von den jungen Leuten sehnsüchtig begehrt.

Kongoknaben und -mädchen müssen auch gewisse Familientabus beobachten, die ersteren ihr ganzes Leben lang, die letzteren nur bis zu ihrer Verheiratung; denn dann nehmen sie die Verbote ihrer Männer an. Diese anererbten Tabus bestehen zum Beispiel in dem Verbot des Genusses aller Vögel und Fische, die Flecke oder Zeichen haben. Wird ein solches Familientabu verletzt, dann glaubt man, daß als Strafe der Übertreter von einer bösen Hautkrankheit befallen werde. Außer diesen ständigen Tabus kommen auch vorübergehende vor. So legt zum Beispiel ein Medizinmann einem kranken Kinde ein Tabu auf und nimmt es ihm später wieder ab. Der verbotene Genuß kann eine Schweineschnauze, ein Ziegenkopf, ein bestimmter Fisch oder eine besondere Pflanzensorte sein; der Gegenstand solchen Verbotes ist rein willkürlich und steht außer Zusammenhang mit der Krankheit.

Phot. R. H. Kirkland.