Die Leiche wird in eine Unmasse Stoffe gehüllt und dann in das Grab gelegt ([Abb. 142]). Auf dieses werden als Erinnerungszeichen alle möglichen Dinge des Verstorbenen gelegt: Kannen, Schüsseln, Trinkbecher, Flaschen, Pfannen, Schemel und dergleichen; sie sollen gleichzeitig den Reichtum des Mannes anzeigen, mit dem er sein Dasein in der anderen Welt beginnt. Alle diese Sachen müssen aber zertrümmert sein, damit ihre Geister dem des Verstorbenen folgen können.
Amerika
Phot. Dr. Arnold Heim.
Abb. 153. Eskimofrauen vor ihrer Hütte,
die aus Stangen und Häuten hergestellt ist. Die Mütter tragen ihre Kinder in einer Art Kiepe auf dem Rücken, ohne dadurch in ihrer Arbeit behindert zu sein. Wenn sie sich setzen, fällt die Kiepe nach vorn und mit ihr das Kind, das die Mutter geschickt auffängt.
Das arktische Amerika.
Das arktische Amerika umfaßt in der Hauptsache die Eskimo und einige nordamerikanische Indianerstämme, die sich ihnen in ihrer Kultur zum Teil angeschlossen haben.
Die Eskimo oder, wie sie sich in ihrem Selbstbewußtsein nennen, die Innuit, das heißt Menschen, stellen in ihrem Äußeren einen ganz bestimmten Typus ([Abb. 155]) dar. Sie sind von mittlerer Körpergröße (Männer etwa hundertsiebenundfünfzig, Frauen hundertneunundvierzig Zentimeter) und von kräftigem Bau, der ihnen ungeheure Stärke und Ausdauer verleiht. Die unteren Gliedmaßen sind kurz, Hände und Füße recht klein, aber gut gebildet. Ihre Hautfarbe ist ein helles Braungelb, die unbedeckten Körperstellen weisen einen dunkleren Ton auf. Die üppigen Kopfhaare sind dick, grob, straff, von schwarzer Farbe. Der Bart der Männer ist meistens recht spärlich und beginnt erst in verhältnismäßig späten Jahren zu sprossen. Der Schädel ist ziemlich hoch, das Gesicht rund und breit, die Nase sehr flach mit breiten Flügeln. Der Unterkiefer zeichnet sich durch eine besonders mächtige Entwicklung seiner Masse, wenig vortretendes Kinn und sehr breite Äste aus. Die Wangenbeine springen weit vor; die dunklen Augen sind mongolenähnlich geschlitzt. In dieser ihrer äußeren Erscheinung lassen die Eskimo deutliche Beziehungen zu den nordamerikanischen Indianern, anderseits auch, und zwar noch augenfälliger, zu gewissen nordasiatischen Völkern erkennen; in kultureller Hinsicht zeigen sie einen ganz ausgesprochenen Zusammenhang mit ersteren. Auf Grund dieser Tatsache hat Boas die Behauptung vertreten, daß als ihre Heimat die Gebiete östlich der Beringstraße, anscheinend die Gegend zwischen Hudsonbai und Südalaska, anzusehen seien, von wo aus sie sich nach Westen, Osten und Norden verbreitet hätten. Bei Aufstellung dieser Vermutung hat man aber zu wenig der körperlichen Eigenart Rechnung getragen, die frühere Forscher veranlaßte, die Eskimo zu den sibirischen Völkern in Beziehung zu setzen. Vielleicht lassen sich beide Ansichten miteinander vereinigen, wenn man annimmt, daß die Entstehung der Eskimo überhaupt in den Gebieten um den Nordpol vor sich gegangen ist und daß sie möglicherweise die Überreste einer Urrasse vorstellen, die in dieser Gegend entstand und vielleicht auch der gelben Rasse den Ursprung gegeben hat. Diese Annahme schließt nicht aus, daß vor einigen Jahrhunderten ein neuer Nachschub von Amerikaeskimo nach Nordasien erfolgte, was geschichtlich festzustehen scheint.