Phot. W. L. Forfeitt.

Abb. 151. Totentanz der Bopoto,

an dem alle Freunde und Verwandten beiderlei Geschlechts teilnehmen. Je nach der Bedeutung des Verstorbenen und nach der Freigebigkeit der Hinterbliebenen im Spenden von Zuckerrohrwein an die Teilnehmer dauert die Feier bis zu mehreren Tagen.

Das Begräbnis eines vornehmen Mannes ([Abb. 146] und [151]) ist ziemlich kostspielig. Mancher macht schon bei Lebzeiten Ersparnisse, um sich ein vornehmes Begräbnis zu sichern. Monate hindurch bemüht sich die Familie, alle Hühner, Ziegen und Schweine auf den Märkten der Umgebung zu einem annehmbaren Preise aufzukaufen. Ist genügend Vieh auf diese Weise angesammelt worden, dann werden Einladungen versandt, und einer jeden Einladung wird ein Geschenk in Gestalt eines Huhnes bis zu zwei Ziegen, je nach der Stellung des Eingeladenen, beigefügt. Jeder, der eine solche Einladung erhält, bringt so viel Frauen, Sklaven und sonstiges Gefolge mit, als er nur kann; denn je größer sein ganzer Troß, um so höhere Achtung genießt er unter seinen Mitmenschen. Sind in Wirklichkeit nur etwa vierzig bis fünfzig Personen eingeladen worden, so finden sich doch zu dem Begräbnis mehrere Hunderte ein, die alle auf Kosten der Familie des Verstorbenen bewirtet werden. Außerdem aber bringt jeder Eingeladene für die trauernde Familie ein Geschenk mit, das unter Umständen wertvoller sein kann als die Ziegen, die die Einladung begleiteten; die Größe desselben hängt von dem Ansehen, das der Gast im Dorfe genießt, und von seinem Rang ab. Trotz dieser Geschenke kommen die Angehörigen bei den Feierlichkeiten, die mehrere Tage dauern und wegen des reichlichen Essens und Trinkens viel Geld verschlingen, nicht auf ihre Kosten.

Eine Häuptlingsleiche wird in allen Straßen und Wegen der Stadt und an allen Häusern vorbeigetragen, damit der Geist des Verstorbenen von einem jeden noch Abschied nehmen könne; jeder Hausbesitzer feuert dann noch Salut, wenn der Leichenzug an seinem Haus vorüberkommt.

Das Begräbnis findet ungefähr um Sonnenuntergang statt; für diese Tagesstunde ist der Aberglaube maßgebend, daß der Geist, der sich bis zur Beerdigung im Körper aufhält, erst am späten Nachmittag in die Geisterwelt, einen großen geheimnisvollen Wald, einziehen kann, weil die dort schon vorhandenen Geister nicht eher Zeit haben, ihn bei seiner Ankunft zu empfangen; sie müssen geradeso wie bei Lebzeiten am Tage ihrer gewohnten Beschäftigung nachgehen und kehren erst gegen Sonnenuntergang in die Geisterstadt heim. Der Empfang, den der Tote im Geisterreich zu erwarten hat, hängt von seinem Stande beziehungsweise von dem Prunk ab, den seine Angehörigen beim Begräbnis entfaltet haben. Diese tun hierin auch schon aus dem Grunde, was sie nur können, weil sie auf diese Weise den Geist gut zu stimmen glauben; sonst müßten sie fürchten, daß er wieder zurückkommen und Krankheit oder Unglück mitbringen werde. Auch aus Eitelkeit wünscht man sich nach seinem Tode einen großartigen Empfang in der Geisterwelt, den man sich mit viel Lärm, Trompetenblasen, Wehklagen und Kanonendonner ausmalt; je glänzender man dort auftritt, um so großartiger, glaubt man, werde sich dann auch der Empfang gestalten.

Phot. Prof. Fred Starr.

Abb. 152. Negerkind beim Fadenspiel.

Fadenspiele sind unter den Kongonegerstämmen sehr beliebt und in zahlreichen Arten verbreitet.