Phot. Dr. Arnold Heim.

Abb. 156. Eskimo beim Zerlegen einer Robbe.

Der Robbenfang bildet eines der wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben. Im Hintergrunde links ein Kajak.

Die Kleidung der Eskimo ist für beide Geschlechter ziemlich dieselbe. Sie besteht aus einem Ober- und Untergewand; jedes dieser beiden ist aus einer Ärmeljacke, die aber nur eine Öffnung zum Hineinschlüpfen besitzt und daher über den Kopf gezogen werden muß, und Hosen zusammengesetzt. Diese sind beim weiblichen Geschlecht kürzer, gleichen sozusagen Badehosen. Die Männer Südgrönlands tragen an ihrer Jacke noch eine Kapuze, die Frauen ([Abb. 159]) einen hohen Kragen aus schwarzem Seehundsfell, über ihm ein buntes, breites Halsgeschmeide aus Perlen. Dazu kommen noch die Kamils, Strumpf und Stiefel in einem Stück, die bei den Frauen wegen ihrer kurzen Hosen weiter hinaufragen. Sie bestehen aus einer inneren Socke von Seehundsfell, dessen Haar nach innen gewendet ist, und einem äußeren Schuh aus haarlosem, wasserdichtem Fell. Die Eskimo lieben es, ihre Gewänder mit farbenprächtigen Lederstreifen zu benähen. Diese werden mit dem Weibermesser (Ulo) in Form geometrischer Muster (Kreise, Rauten, Quadrate) zurechtgeschnitten, bunt gefärbt und in geschmackvoller Anordnung auf die Kleider aufgenäht. Hierin bekunden die Frauen eine ganz besondere Geschicklichkeit und guten Geschmack. Auf diese Weise hergestellte Gürtel bilden sogar einen Gegenstand lebhafter Ausfuhr.

Phot. Dr. S. K. Hutton.

Abb. 157. Eskimo beim Robbenfang von schwimmenden Eisschollen aus.

Bisweilen treiben diese Schollen vom Lande ab und in die See hinaus; ihre Besatzung muß dann eines langsamen, qualvollen Todes sterben.

Das Haar der Eskimo läßt sich wegen seiner Straffheit nicht leicht geschmackvoll anordnen; dessenungeachtet verstehen die Frauen es doch hier und da, sich ein nettes Aussehen zu geben. Die Männer lassen ihr Haar meistens wachsen, wie es will, und schneiden es sogar vielfach überhaupt nicht; aus dem Gesicht wird es mit einem Band oder Riemen zurückgehalten. Die Frauen dagegen vereinigen ihr Haar in einem Knoten oben auf dem Scheitel und fassen es hier durch ein Band zusammen. Dieser Haarknoten ist Gegenstand großen Stolzes; das Hauptbestreben seiner Trägerin geht dahin, den Knoten so steif wie möglich in die Höhe ragen zu lassen. Interessant ist die verschiedene Farbe des Bandes, das den Schopf zusammenhält. Jungfrauen tragen es rot, uneheliche Mütter grün, verheiratete Frauen blau und Witwen schwarz oder im Alter weiß. Von Körperverzierungen kommen vor Tatauierung ([Abb. 160]), Unterlippenpflöcke, Backenknöpfe und Ohrgehänge.