Der behäbige Herr hob nachdenklich seine linke Hängebacke ein wenig in die Höhe und gab ihm dann einen Rat.
– »Wissen Sie, Jansen,« sagte er ihm, »Sie müssen heiraten! Sie haben hier weder Freunde noch Verwandte, und das drückt. Die Einsamkeit schadet Ihnen. Denn sonst,« er schnüffelte dabei behaglich umher, »muss ich sagen, dass die Luft hier sehr angenehm ist. Durchaus angenehm!« –
Jansen beugte sich der geistlichen Autorität.
Unter den breiten Hauben des Dorfes war eine, deren Trägerin ihm besonders gefallen hatte. Zu der ging er, und sie sagte nicht nein. Im Herbst sollte es Hochzeit geben.
Den dumpfen Druck wurde er dadurch aber nicht los. Die wilde, prächtige Romantik des Seelebens wurde in seinem einfältigen Herzen übermächtig, seitdem das Rauschen der Wellen und der Schrei der Möwen nicht mehr an sein Ohr schlugen.
In der Nacht, wenn ein toller, übermütiger Wind die alten Fichten in dem nahen Gehölz bog, dass sie ächzten und stöhnten, richtete er sich oft im Bette auf, und es schien ihm, als müssten es Maste sein. Als ob er wieder wie einst an der See lebte, schlürfte er mit durstigen Atemzügen dann die Luft ein. Aber vergebens suchte er den herben, prickelnden Geschmack. Die fette Erde spürte er nur, und seine Lungen schlossen sich wieder, soweit es nur möglich war.
Auch am Tage brütete er oft stundenlang vor sich hin. Seine beste Freundin dabei war die Geneverflasche. Unaufhörlich schenkte er sich daraus ein. Beim zehnten oder zwölften Glas biss es ihm dann in der Nase, als ob ein Seewind hineingeblasen hätte, und seine Träume wurden immer lebhafter, bis er mit schwerer Faust auf den Tisch schlug und in die Kammer ging, seinen Rausch und seine Sehnsucht miteinander zu verschlafen.
Sein Hochzeitstag war trübe und stürmisch. Ein kräftiger Wind sprang ihm in den Nacken, als er in die Kirche ging, und als er mit seiner jungen Frau Hand in Hand wieder hinaustrat, verfing sich derselbe Wind so heftig in ihren weiten, bauschigen Röcken, dass sie für einen Augenblick von ihm lassen musste und es kalt und gell zwischen sie hindurch pfiff. Des jungen Ehemanns Nüstern öffneten sich weit und gierig. Nein, der roch nicht nach fetter Erde! Der kam von der See. Von der endlosen, rauschenden See! –
In der darauf folgenden Nacht schlug der Regen unaufhörlich gegen die Scheiben, und der Sturm hörte nicht auf zu blasen. Er blies durch die in der Mitte gehöhlten Dachziegel, die Hunderte von Pfeifen bildeten, und wüst und phantastisch klang es bis in das Schlafzimmer hinab.
In später Stunde, als sein Weib schon eingeschlafen war, richtete sich Henrik Jansen plötzlich jäh empor.