Sie schüttelte den Kopf.

»Es fiel mir grad’ ein, wie meine Eltern immer beisammen sitzen. Bei der Lampe ist es so gemütlich, wenn es draussen ganz dunkel ist und die Theetasse auf dem Tisch steht. Man kommt dann gar nicht darauf, dass es anders sein könnte. Die beiden haben sich immer noch lieb trotz ihrer fünfzig Jahre, und da dacht’ ich, wie das erst sein muss, wenn ich Ihnen so gegenüber sitz’ …«

Brigitte war rot geworden. Sie wusste nicht, was sie erwidern sollte. Ein seltsames Gefühl, halb Jubel und halb Angst, stieg in ihr auf.

Da pochte es stossweise, dumpf und leise, mehrmals an das Fenster. Es waren drei Abendfalter mit grossen, dicken Köpfen, die, durch das Licht verlockt, hineinwollten. Ihre weichen Körper drängten sich dicht an das glatte Glas und die runden, rotglühenden Augen hingen gebannt an der leuchtenden Glocke.

Sie kamen Brigitte wie eine Erlösung. Hastig griff sie nach einer Serviette und schlug damit gegen das Fenster, um sie zu vertreiben.

»Die hässlichen Tiere,« sagte sie.

Aber da legte Otto Ehlers ihr seine Hand auf den Arm.

»Warum jagen Sie die Falter fort? Es sind keine hässlichen Tiere. Es sind Nachtschwärmer, Kinder des Dunkels, die auch einmal zum Lichte wollen.« –

Gehorsam liess sie das Tuch sinken.

»Vielleicht sind es Ihre Anbeter gar, Briggi! Ich glaube wirklich,« fuhr er dann fort, mit weicher, bewegter Stimme, »ich glaube wirklich, dass jeder Falter eine Sehnsucht ist. Wer Sie einmal gesehen hat, muss doch wieder zu Ihnen zurück. Näher können sie nicht, da wollen sie wenigstens durch die Scheiben spähn. Und ich weiss, wenn ich von hier fort bin, wird meine Sehnsucht auch unter den Faltern sein.« –