Hochaltar; Mensa mit Arkatur aus der Erbauungszeit; Retabulum, große in 5 Giebel ausgehende Tafel, jetzt des figürlichen Schmucks, wohl Gemälde, beraubt und verstellt durch einen großen Schnitzaltar von ca. 1470-80 (der bedeutendste Erfurts; die gemalten Flügel nicht »Wolgemut ähnlich«, überhaupt nicht fränkisch). Hinter der Mensa ein steinerner Zierbau in Laternenform, 5seitig auf schlankem Fuß, hinten mit einer steinernen Wand verwachsen und durch eine Treppe zugänglich gemacht; wohl Sakramentshaus; in dieser Anordnung sonst nicht bekannt; entstanden [pg 108] gleichzeitig mit dem Lettner (1410), während die steinerne Umrahmung für einen Celebrantensitz älter ist; in der Nische gutes Fresko, etwa M. 14. Jh. — In die innere Schranke eingelassen ein Tafelbild, figurenreiche Kreuzigung, nach M. 14. Jh. — Im Chor Marienstatue um 1350, eine von den manieriertesten, aber fesselnd durch die delikate Behandlung. — Grabsteine. Dieser Zweig der Plastik ist in Erfurt, vgl. auch die übrigen Kirchen, reich und gut vertreten und läßt u. a. die Entstehung des Epitaphs neben der Grabplatte lehrreich beobachten. Die beiden Typen noch nicht deutlich gesondert am Ehegrabstein des Rudolf Vitztum † 1365, der Schriftrand für Erfurt frühestes Beispiel gotischer Minuskeln. Am Lettner Gf. Günther v. Schwarzburg als Mönch, † 1345, kniend in Profilansicht, die ganze Erscheinung individuell; sehr flaches Relief, Bemalung neu. Theodorich v. Lichtenhayn † 1366, ebenfalls kniend und mit Absicht auf Bildniswahrheit; Farbe verschwunden. Gottschalk Legat † 1422, Epitaphform, Mann und Frau in starkem Gefühlsausdruck betend vor dem Schmerzensmann. Friedrich Rosenzweig † 1450, ähnliche Anordnung. Über dem SEingang Gethsemanerelief bez. 1484; der Künstler Joh. Wydemann zugleich Donator; sein Stil von Nürnberg abhängig. Wandepitaph für Paul Mues von Friedemann d. Ä. 1579. Bildnisgrabstein des Superintendenten Aurifaber † 1575. Großes Steinepitaph des Jakob Neffzer † 1586, elegante Arbeit eines Unbekannten. Bildnisepitaph des Kriegsrats Burchard † 1632, Von derselben Hand Senior Silberschlag † 1635 (vgl. Epit. Mohr in der Barfüßer-K.). — Prächtige Abendmahlskanne 1618 von Erasmus Wagner.

Barfüßer-K. (Franziskaner). Erste Niederlassung 1221; jetzige K. voll. 1285; Brand; 1326 der langgestreckte 1sch. Chor hinzugefügt; Einwölbung des Lhs. A. 15. Jh. — Querschifflos. Die 6 Arkaden des Lhs. sehr weit gestellt, auf je 1 von ihnen fallen im Hochschiff 2 schmale Kreuzgewbb. auf abwechselnd kurzen, vorgekragten und vollständig bis zur Erde reichenden Diensten; die Pfll. im W zierlich gebündelt, die drei östl. einfacher. Chor 4 Joche und 5/8 Schluß, Lhs. 6 Doppeljoche, ganze L. 78. Formencharakter von edler Einfachheit, weniger herb als in der Prediger-K. Der in der zweiten Bauperiode hinzugefügte Turm in verwegener Übereckstellung über dem letzten Joch des nördl. Ssch.

Hochaltar ehemals doppelflügelig, in neugot. Rahmenarchitektur falsch zusammengesetzt, die interessanten, stilgeschichtlich noch nicht genügend gewürdigten Gemälde [pg 109] nach 1400, die Holzskulpturen altertümlicher, aber nicht notwendig älter. Frühester Schnitzaltar Erfurts. — Im südl. Ssch. reiche Schlußsteine mit dem Zeichen i (vgl. Epit. Legat in der Prediger-K. und Chorstatuen am Dom). — Chorstühle um 1325-50 sehr einfach. — Grabmäler: in der sog. Saalfeldschen Kapelle südl. am Chor Cinna v. Vargula 1370, wohl Deckel einer ehemaligen Tumba; vorzügliche Arbeit, die den Stil der Zeit von seiner besten Seite zeigt; Saalfeldsche Platte, Schmerzensmann mit 6 Porträtfigg.; Margarete v. Mila 1494, dem Gegenstand nach, Madonna auf der Mondsichel, ein Epit., der technischen Form nach Grabstein. Am Ende des nördl. Ssch. Albert v. Beichlingen † 1371, von derselben Hand (»Meister der Barfüßer-K.«) wie der Grabstein der Cinna und gleich vortrefflich, die Auffassung durchaus statuarisch. Grabstein Berld v. Vitztum 1478. Epit. Balth. Hirschbach 1583 von H. Friedemann d. Ä. Epit. Nacke 1587. Epit. Mohr 1626. — Gemälde: in der Saalfeld-Kap. Flügelaltar A. 15. Jh. — Abendmahlskannen von Erasmus Wagner 1621 und Andr. Jörg 1679.

Regler-K. (Augustiner-Chorherren) M. 14. Jh. Vom rom. Bau die 2türmige WFassade (alt indes nur der südl. Turm). Ganz schlichte Anlage. Unvollständige Flachdeckbasilika; das nördl. Ssch. zum Kreuzgang geschlagen, darüber eine gegen das Hauptschiff sich öffnende Empore. Gestreckter platt geschlossener Chor. — Großes doppelflügeliges Altarwerk um 1480, an dem besonders die gemalten Teile bmkw.; früher irrig Wolgemut zugeschrieben; wohl von Erfurter Lokalmeistern (an Außentafeln, Innentafeln und Predella drei verschiedene Hände). An der Außenwand und sehr verwittert: Epitaph des Heinrich Frimar 1417, Kreuzigungsgruppe, darunter 2 kleine Adoranten, geleitet von 2 Heiligen.

Augustiner-K. (Augustiner-Eremiten; das Kloster M. Luthers). 1289-1325; 1435 das ursp. 1sch. Gebäude zu einer Basilika mit sehr hohen Ssch. erweitert, dazu langgestreckter Chor; in allen Teilen Holzdecke. Der 8eckige Turm sitzt über einem Pfl., an ihm hoch oben 3 Standbilder, gut, von einem Nachfolger des Meisters i. — Kreuzgang aus 15. Jh. Über dem NFlügel eine nach der K. sich öffnende Empore. Die Lutherzelle nach Brand 1872 erneuert.

Im Innern der K. die Steinumrahmung eines Levitensitzes A. 14. Jh. — Glasmalereien im Chor 2 H. 14. Jh. — Grabsteine der Adelheid v. Amera † 1298, gravierte und mit schwarzer Paste gefüllte Umrißzeichnung. Grabst. der Titularbischöfe Joh. v. Lepanto † 1316 und Ludwig v. Marronia † 1323 und des Professors Heinrich v. [pg 110] Frimar † 1354, alle drei ausgeführt ca. 1370-80 von derselben, geschmackvoll und eigentümlich arbeitenden Hand (Meister der Barfüßer-K.), neu bemalt. Heinrich v. Meiningen † 1382 (Art des Joh. Gehart); Theodor Brun † 1462 (vom Meister des hl. Michael in S. Severi??).

Ursulinerinnen-K. E. 13. Jh. Sehr einfacher, 1sch. Bau, dem später ein nördl. Ssch. hinzugefügt wurde. Im O rck. geschlossen mit 3 hohen Fenstern. Im W Nonnenchor. Holzgwb. mit hübschem leichtem Rokokoornament. Über dem Eingang Steinrelief mit der Anbetung der Könige. — Zahlreiche Grabsteine: mit eingeritzter Figurenzeichnung 1313-1445, mit reliefierter 1436-1540. Hochaltar mit gemalten Doppelflügeln 2. H. 15. Jh. Auf einem Nebenaltar Pietas (Holz) um 1420. Eine ältere desgl., überlebensgroß, im Klst. Ebendort Wandteppiche aus 14. Jh.

Kaufmanns-K. Schlichte Basilika des 13. und 14. Jh., Msch. rom., Sschiffe got. Die Türme zu Seiten des polyg. Chors erneuert, der nördl. 1684, der südl. 1859. — Taufstein 15. Jh. mit 7 sitzenden Prophetenfigg. — Gut kennen zu lernen die Erfurter Renaissancemeister Friedemann Vater und Sohn: Kanzel 1598, Hochaltar 1625, Epitaphe Ziegler 1584, Tettau 1585, v. d. Sachsen 1592.

Allerheiligen-K. Kleiner einfacher Bau, das Schiff in origineller Weise der Straßengabelung angepaßt, Turm 2. H. 13. Jh. — Hochaltar 1757. Pietas E. 14. Jh. Grabplatten mit geritzter Zeichnung 1381, 1405, mit Relief 1418, 1422, 1536; des Dr. Eberbach 1547 bez. AB; des G. Hupolt 1619 von Friedemann d. J.

Martins-K. vom ehem. Cisterc.-Nonnen-Klst. Turm 1303 1sch. Langhaus 1483, 1755 mit flachem Tonnengewölbe versehen. — Ausstattung bar. Monstranz von C. X. Stipeldey in Augsburg 1780.