Moritz-K. Hallenkirche von 8 schmalen Jochen bei breitem Msch.; Schluß mit 3 Polygonalchören in gleicher Flucht. Die 4 OJoche und der Chor 1388 ff.; die westl. Hälfte (an Stelle des bis dahin bestandenen rom. Sch.) M. 15. Jh. Die beabsichtigten westl. Doppeltürme nicht ausgebaut. Die Gwbb. 1557 rest. Im Äußeren sind die Strebepfeiler der östl. Hälfte mit Stäben, Giebeln und blinden Fialen überreich dekoriert; die westl. einfach; die Fenster mit Eselsrücken und Scheitelblumen. — Im Innern mehrere Steinskulpturen von Konrad v. Einbeck (welcher auch die äußere Dekoration der östl. Teile geleitet hat, von ihm hier vor allem figurierte Konsolen über den Chorfenstern z. B. auf 6 Konsolen verteilt, Anbetung des Kindes, nur das Kind in ganzer Figur, alles andere in Kopfdarstellungen): an einem Pfl. S. Moritz v. 1411, derbe Figur in genauer Zeittracht; in der SOVorhalle Eccehomo von 1416, im Nackten aufmerksame Naturbeobachtung, klagende Maria und Christus an der Martersäule und ein Relief mit der Anbetung der drei Könige — alles mit Künstlerinschrift. Eine Büste im nördl. Nebenchor, von höchst bmkw. Energie der Individualisierung, gilt für Konrads Selbstbildnis, ist aber erheblich jünger. — Altar: Mensa mit rom. Ornament, großes und wertvolles Retabel mit 3fachen Flügeln, im Mittelschrein Schnitzfiguren, die Gemälde 1511 von Georg Jhener von Orlamünde. — Steinerne Kanzel mit ausgedehnten Reliefs [pg 169] in konventionell italisierendem Stil, 1592 von Zacharias Bogenkrantz; Schalldeckel 1604.
Ulrichs-K. Zum ehemaligen Kloster der Marienknechte (Serviten). Spgot. unsymmetrische Halle; es fehlt das südl. Ssch.; beg. 1339, Gwb. in Netzform 1510. Tympanon (Marientod) 14. Jh. — Einfaches modern ergänztes Chorgestühl E. 14. Jh. Taufkessel v. 1430, ähnlich dem der Markt-K. und von denselben Meistern. — Altar: Mensa mit blindem got. Maßwerk bald nach 1339, der Schrein mit Doppelflügeln 1488. — Sakramentshäuschen um 1525, für die barocke Strömung dieser Zeit sehr bezeichnend; eine Ädikula in den FrRenss.formen des Doms wird getragen von dem Stamm und umspielt von den Ästen eines Baumes in spgot. Stilisierung. — Kanzel, Holzschnitzerei von 1588, Schalldeckel von 1645. — In der Sakristei wertvolle Gefäße, darunter Weinkanne und Hostienbüchse 1580, emaillierter Kelch 1654.
Neumarkt-K., 15. und 17. Jh. mit wenigen rom. Resten. Sandstein-Taufstein von 1478.
Glauchaische K., 1740, Gr. griech. Kreuz, Emporen.
Der »rote Turm«, freistehender selbständig gebauter Glockenturm 1418-1506. Erstes Geschoß Rechteck, die 2 folgenden verzogenes 8Eck. Schlanker Helm, die Ecktürmchen vielleicht erst aus M. 16. Jh. Der Sockelumbau aus Backstein neugot. 1825.
Betsäule 1455 auf dem Riebeck-Platz, rohes Relief der Kreuzigung.
Moritzburg, 1484-1503 erb. von Erzbischof Ernst v. Magdeburg, beendet durch einen Ostturm v. 1517 durch Erzb. Abrecht v. Brandenburg; durch einen Brand im 30j. Kriege schwer entstellt; von Kunstformen wenig übriggeblieben, zum Teil Ruine. Die Fenster im NFlügel bezeichnende Beispiele der sich auflösenden Spätgotik.
Rathaus, unregelmäßige Anlage aus 15. und 16. Jh. Die »neue Laube« von 1558 würde als Renss.Versuch des Spätgotikers Nickel Hofmann interessieren, ist aber, wie alle älteren Teile, deformiert. Die Backsteingiebel zeigen die Maßwerkbekleidung in ödester Entartung. — Der »kühle Brunnen«, Haus des erzbischöflichen Günstlings H. Schönitz, vollständig verbauter Frührenss.Bau nach 1522 mit ehemals reicher Innenausstattung. Im selben Charakter die Residenz seit 1530, ursp. als Kollegiengebäude für die vom Kardinal geplante Universität bestimmt. — Wage vor 1575, mit gutem Portal. — 2 Täfelungen 1594 und aus 17. Jh. aus dem Talhaus jetzt im städt. Museum in der Moritzburg eingebaut.
Stadtgottesacker auf dem Martinsberg, östlich vor der alten [pg 170] Stadtmauer. Nach innen offene Arkaden mit Grabkammern, einen verschoben vierseitigen Begräbnisplatz umgebend. 1558 von Nickel Hofmann begonnen, mit dem 94. Bogen erst 1594 vollendet, Pilaster u. Bogenzwickel dekorativ skulptiert mit Benutzung von Aldegrever Stichen.
Leipziger Turm, letzter Rest der alten Stadtbefestigung vor dem Leipziger Tor im Osten der Stadt. Hoher Rundbau, 15. Jh., Haube 16. Jh.