Kugel-K. Gest. 1477 für die Brüder vom gemeinsamen Leben, gew. 1482. 1sch. mit 7 Joch und Schluß aus 8 Eck. Reiches Netzgwb. mit ursp. Bemalung. Großes Sakramentstabernakel um 1482 (von gleicher Hand wie das Fritzlarer). — Das Fraterhaus rck. mit 3 Stockwerken, einfach spgot.
Gottesacker-Kap. S. Michael. Einfach frgot.
Luth. Marien-Pfarr-K. Chor gew. 1297, Sch. gew. 1356, Turm 1447-1473. Hallenkirche mit gestrecktem aus 8 Eck geschlossenem Chor. Letzterer hat nach innen gezogene, keilförmige, an der Stirn mit starken Diensten besetzte Strebepfll. Die Fenster in jüngerer Zeit überarbeitet. Das Äußere des Lhs. verhältnismäßig reich. Im S ein Doppelportal, das mit dem darüber befindlichen 6teiligen Fenster ein Ganzes bildet. Die Streben mit Blenden und Kragsteinen für (jetzt fehlende) Statuen. Das Dachsims reich gegliedert. Der Turm hat mächtige ins Kreuz gestellte Streben, Abschluß mit Gruppen größerer und kleinerer Fialen, Zinnenkränzen, schlankem von 4 Holzgiebeln umgebenem Holzhelm. Altaraufsatz 1625 mit vielen Alabasterskulpturen, letztere mit Zusätzen nach 1667. Messingtaufkessel um 1590. Wandtabernakel um 1350 mit Stifterwappen, 2 Prophetenhalbfiguren, Weinrebenumrahmung, Zinnenkrönung 2-1/2 m hoch. Das schmiedeeiserne Gitter 1503. Wandgrab des Landgrafen Ludwig III. † 1604 und seiner Gemahlin Hedwig von Württemberg † 1590, lebensgroße Bildnisfigg. in Alabaster, reiche architektonische Umrahmung. — Desgleichen für Ludwig IV. † 1626 und Magdalena v. Brandenburg † 1616, errichtet
1628, dem vorigen in der Anlage ähnlich. Schöne Abschlußgitter 1592 und 1831.
Siechenhaus-Kap. Einfach got. E. 13. bis A. 14. Jh.
Rathaus. 1512-24. Bruchstein auf rck. Grundriß, hoher 3stöckiger Aufbau mit Staffelgiebeln. Die Langseitfassade erhält einen kräftigen Akzent durch den Treppenturm mit originellem Renss.-Aufsatz 1586. Sehr fein die Nebenakzente [pg 257] der Erkertürmchen an den Ecken. Ein hübsches Detail die spgot. Tür mit Relief der h. Elisabeth von Ludwig Jupe 1524. Getäfelter Saal.
Fürstl. Kanzlei (Regierungsgebäude). Einfacher Renss.Bau von 1575.
Deutsches Haus. Der nur teilweise erhaltene und wechselnden Zwecken adaptierte Gebäudekomplex (jetzt zum Teil für Universitätsinstitute) bildet die Umgebung der Elisabeth-K., früher mit einer hohen Mauer klösterlich abgeschlossen. Seit der Aufhebung des Ordens 1809 wieder gefallen. Erhalten ist, jedoch nicht unverändert, das älteste Bruderhaus mit dem vorgekragten Chorerker der Hauskapelle im Übergangsstil. Als Komturwohnung der spgot. Bau mit Treppengiebel und Erker. Ausgedehnt waren die landwirtschaftlichen Gebäude, davon erhalten der Fruchtspeicher von 1515 und die Mühle von 1513.
Wohnhäuser. Ecke Marktplatz und Steingasse, got. um 1580. Nikolaistr. 133 spgot., am steilen Walmdach 5 polygone hölzerne Türmchen mit Spitzhelmen. Ecke Markt und Wettergasse 296 stattliches Haus des Vizekanzlers Vultejus um 1600, Erdgeschoß spgot. Mehrere gute Fachwerkhäuser und Portale der Sp.Gotik und Renss.
Schloß. Großenteils 13.-15. Jh. Drei Flügel sind so geordnet, daß sie einen schmalen trapezoiden Hof zwischen sich lassen. Der Verteidigungszweck wog nicht ausschließlich vor, so daß einem großartigen Saalbau (voll. 1311) und einer ansehnlichen Kapelle (gew. 1288) Raum gegeben wurde. Diese beiden Bauten sind das Bedeutsamste, was die deutsche Schloßarchitektur der früheren Gotik im Sinne des Kunstbaues geleistet hat. Der Saalbau hat über dem hohen Keller zwei Hauptgeschosse. An der gegen den Abhang liegenden W- und NSeite ist er durch starke Wandpfll. verstrebt, die sich an den Ecken turmartig verstärken und über dem Dachgesims in freistehende 8eckige Türmchen mit Wendeltreppen auslaufen. (Die Spitzdächer neu, vorher welsche Häubchen.) In der Mitte der NSeite ein Risalit mit Staffelgiebel. Künstlerisch der wichtigste Bestandteil ist der das ganze Obergeschoß einnehmende sogenannte Rittersaal (33,5 l., 14 br., 7,8 h.). Seine Anlage nahe verwandt derjenigen der Klosterrefektorien. Eine mittlere Reihe von 4 Pfll. teilt den Raum in 2 Sch., die von 2 × 5 quadr. Gwbb. überspannt werden. Die kräftigen, unter sich gleichen Rippen (im Profil geschärfter Rundstab, begleitet von 2 sehr kleinen Kehlen; ähnlich im Schloß Rauschenberg) wachsen ohne Vermittelung durch Kaptt., nur durch ganz kleine Kragsteine im Ansatz markiert, aus den Kanten der [pg 258] 8eckigen Pfll. heraus, welche demgemäß übereck gestellt sind. An den Wänden einfache Kragsteine. Die mit Laub geschmückten Schlußsteine sind das einzige Ornament. Der räumliche Rhythmus erhält seinen Charakter durch die tiefe Lage der Kämpferpunkte (2,6 m über Boden bei 7,8 Scheitelhöhe). An jeder Schildwand je 2 enge zusammengerückte 2teilige Fenster, mit einer oberen kreisförmigen Öffnung Gruppe bildend, alle 3 von spitzbg. Blende eingerahmt (also verglichen mit der Elisabeth-K. eine Rückbildung des Maßwerks). — Die 3 in den Saal führenden Türen wurden 1572 mit üppigem Renss. Täfelwerk umkleidet (neuerdings durch C. Schäfer willkürlich verändert, der auch den großen Renss.Kamin durch einen neugot. ersetzte). — Kapelle. Zweistöckig, mit größter Raumausnutzung den engen Ortsverhältnissen angepaßt. Die eigentliche Kap. im Obergeschoß. Der Gr. verschmilzt in eigenartiger Weise longitudinale und zentrale Anlage. An ein mittleres querrechteckiges Kreuzgwb. schließen sich im O und W symmetrisch Gwbb. aus 5 Seiten des 8Ecks, im N und S flache, trapezförmig sich verengende Nischen, für die der Raum durch erkerartigen Ausbau über der stärkeren Mauermasse des Unterbaues gewonnen ist. Aus dem östl. Polygon führt ein Durchgang in die über dem Burgtor liegende Sakristei. Die Durchbildung des Innern gibt den stilgeschichtlichen Moment des Überganges von der Frügotik zur Hochgotik in klassischer Formenreinheit. Der Meister steht zu der Schule der Elisabeth-K. in keiner näheren Beziehung. Von Einzelheiten sind hervorzuheben die schlanken, mit abgebrochenen Laubbüscheln besteckten Dienstkaptt. und die eigenartige Zeichnung des Maßwerks, in dem Kleeblattbgg. mit mehrfach gebrochenem Vierpaß verschmolzen werden. Fußbodenmosaik aus farbig glasierten Tonplättchen. Die Polychromie des 15. (16.?) Jh. wurde durch C. Schäfer entfernt und durch schematische Quadermuster ersetzt, nur ein kolossaler S. Christoph whgest. Am Äußern Strebepfll. von 3eck. Gr., auf dem Rücksprung des Unterbaues ruhend. Der letztere hat im Innern zwei rippenlose Kreuzgwbb.; der Gebrauchszweck des Raumes ist nicht überliefert. 1572 ihm vorgelegt eine Renss.Laube, die zur malerischen Belebung des Schloßbildes günstig beiträgt. — Der südl. und westl. Flügel wurde in den 60er und 70er Jahren des 16. Jh. renss. verändert. — Abgesondert steht der neue Bau, 1489 ff. — Von der Schloßbefestigung, die noch im 18. Jh. das ganze Plateau umfaßte, sind einige Türme erhalten; dazu die bis zur Kugelkirche reichende Verbindungsmauer mit der Stadtbefestigung.