Kloster-K. Anlage des 11. Jh., jetzt Halbruine. Regelmäßige Kreuzbasilika; im Lhs., das als Summe von 2 Quadraten erscheint, Stützenwechsel. Würfelkapitelle, Bogenfriese, alles ähnlich den Kirchen des Nordharzes.

MARBACH. K. Sachsen AH Döbeln.

Dorf-K. 1770. Breiter WTurm M. 13. Jh., glatte, torlose Mauermasse, oben frgot. Schallöffnungen in 1 : 2 Achsen. [Schnitzaltar im Altert.-Ver. Dresden.]

MARBURG. RB Cassel Kreisstadt.

Elisabeth-K. Gegründet 14. Aug. 1235 als K. der Deutschordensniederlassung und zugleich als Wallfahrts-K. zu Ehren der h. Elisabeth † 1231. Die Franziskaner-Kap., in welcher deren Grab stand, mußte dem Neubau weichen; sie lag im Bereich des jetzigen nördl. Querarms. — Neben der Liebfrauen-K. in Trier ist die Elisabeth-K. der früheste Bau Deutschlands in einheitlicher und abgeklärt gotischer Gedankenentwicklung. Die in jüngster Zeit für Wetzlar und Haina erhobenen Prioritätsansprüche haben keinen genügend festen Grund. Jedenfalls hat der Meister seine Kunstanschauungen nicht dort, sondern in Frankreich selbst sich erworben, (in Soissons, Reims u. Cambray) wodurch er zugleich in nahe Schulverwandtschaft mit dem Meister der Trierer Liebfrauen-K. tritt. Die Art, wie er den neuen Stil anwendet, ist sehr selbständig. Der Sondercharakter des Planes besteht in der Verbindung eines im Hallensystem aufgebauten Langhauses mit einem streng zentralisierenden Ostbau. Das Problem des Zusammenschlusses dieser beiden Bestandteile ist jedoch nicht vollkommen harmonisch gelöst. Von der Vierung ausgehend, entwickeln sich der Chor und die Kreuzarme genau symmetrisch; jeder dieser Teile hat 1 schmales Rechteckjoch, dann ein Halbjoch, an das sich, mit gemeinschaftlichem Schlußstein, ein halbes 10Eck anschließt. Das Lhs. hat 6 Joche, den durch die Ostpartie vorgezeichneten Abmessungen entsprechend. Dadurch entstehen, abweichend von den westfälischen Hallenanlagen, für die Sschiffe sehr schmale Joche und enger Querschnitt. Eine weitere Folge ist, dass die Sschiffgewölbe wie auch die Scheidbögen gegen das Msch. bedeutend gestelzt werden mußten, um die gewollte Gleiche der Scheitelhöhe zu erreichen (formal eine empfindliche Härte, die von nun ab auf längere Zeit in der hessischen Schule die Regel blieb). Die Wände des Chors und Qsch. sind in 2 Fenstergeschosse geteilt (nach dem Vorbild von St. Léger in Soissons und St. Yved in Braisne) und diese Anordnung dann auch auf das Lhs. übertragen, wo sie mit dem Hallensystem in Widerspruch tritt. Die Fenster sind in beiden Reihen von gleicher Größe und Form und dank der Abwesenheit von Sschiffsdächern von geringem Abstand, so daß die Auflösung der Wand schon weit gediehen ist. Das Maßwerk ganz einfach, großer von 2 Spitzbgg. getragener Kreis, bei kräftigem Profil von trefflicher Wirkung. [pg 253] Die Pfll. kreisrund mit 4 Diensten besetzt, im Durchmesser gut zur Höhe gestimmt, weniger gut zu den sehr eng genommenen Arkadenöffnungen, wie denn überhaupt das Lhs. im Verhältnis zu der hohen Raumschönheit der Zentralpartie einen unfreien Eindruck macht. — Das Äußere ergibt sich in seiner Gliederung unmittelbar aus dem Innenbau, doch stört hier nichts mehr die Harmonie; die Komposition ist in hohem Grade klar, die Formensprache voll schlichter Kraft; sie beschränkt sich, wie im Gegensatz zum rom. Stil zu beachten ist, streng auf tektonische Formelemente; freies Ornament, wesentlich Laubwerk, kommt nur an den Portalen vor. Die Strebepfll. steigen senkrecht auf, um erst in der Höhe der oberen Fensterbögen einen starken Rücksprung zu machen; Wasserschläge, entsprechend den Hauptteilungen des Fenstersystems, gliedern sie; ihr oberer Abschluß ist wagerecht, mit dem Kranzgesimse verkröpft, so daß sich Raum zur Anlage von Wasserkesseln ergab, die ihren Inhalt durch einfache Speier entladen. Besonders wuchtig sind die Gesimse geraten, nicht nur das Kranzgesims, sondern auch die beiden Kaffgesimse; letztere vermögen dadurch zugleich als Umgänge (80 cm br.) zu dienen und es haben demgemäß die Strebepfll. Durchlässe erhalten. — Trotz der nur mittelgroßen Abmessungen (innere L. ohne Turmhalle 56 m, Br. des Langhauses 21,55, Querschiff 39, H. der Gewölbe 20,2) die Bauführung langsam. Der nördl. Kreuzarm beg. 1249, die zwei ersten Joche (von O gerechnet) beg. 1255, das Langhaus und der Unterbau der Türme bis zum ersten Gesims beendigt 1270, Wölbung der OTeile und feierliche Hauptweihe 1283. Fortführung und Vollendung der Türme 1314-60. In den Stilformen bis E. 13. Jh. wenig Wandel. Dagegen können wegen der Einheitlichkeit des Planes Zweifel nicht unterdrückt werden. Mehreres spräche dafür, daß ursp. ein Zentralbau geplant war: die Herrschaft der älteren Ritterorden, die Bestimmung als Grabkirche, der Schulzusammenhang mit Trier, die sehr erkennbaren Unsicherheiten im Anschluß der OTeile an die WTeile, besonders zwischen dem ersten und zweiten Joch. Wenn auch der OBau dem Bau in Haina m. E. vorangeht, so dürfte doch die Idee der Hallen-K. von dort entlehnt sein. — Die Fassade ist sehr einfach gehalten, wesentlich auf die ausdrucksvolle und harmonische Führung der großen Linien vertrauend. Wenig stimmt nur das von der Cölner Schule beeinflußte große mittlere Prachtfenster, noch weniger der überreich geschmückte westl. Staffelgiebel. Das WPortal gehört wohl der Bauzeit kurz nach 1270. Es ist besonders zu beachten, als eine von französischen Vorbildern unabhängige, die rom. Portalidee in [pg 254] got. Formen übersetzende Lösung. Die Portale der Langseiten (um 1255) noch rundbg. — Die Rest. M. 19. Jh. ist ohne feineres Stilgefühl durchgeführt und hat manche baugeschichtlich wichtige Einzelzüge verwischt. Ihr gehört u. a. der Dachreiter aus Zinkguß über der Vierung, an Stelle eines einfachen älteren, und die Umgestaltung der Dächer.

Ausstattung. Sie ist von seltener Vollständigkeit und Stileinheit. — Mausoleum der h. Elisabeth im nördl. Kreuzflügel. Der das Grab übersteigende steinerne Baldachin ist wohl erst um 1290 hierher versetzt und stand vermutlich früher über dem Hochaltar. Das Gemälde der Rückwand (Tod der Elisabeth) durch Übermalung des 19. Jh. entwertet. Der Sarkophag jetzt in der Sakristei, an der Vorderseite des Untersatzes Relief. — Hochaltar um 1290, in der Entwicklungsgeschichte des Altars ein wichtiges Dokument. Hinter der aus Steinplatten zusammengefügten Mensa erhebt sich eine Retabelwand; sie enthält 3 gleich hohe Nischen, darüber Wimperge und Fialen, letztere schon übereck gestellt; das Ornament von vollendetster Meißelarbeit; in den Nischen je 3 Statuetten; es scheint, daß die Nischen ursp. durch auf- und niederschiebbare Holztafeln, welche bemalt zu denken sind, verschlossen werden konnten; an der Rückwand Ansätze zu einem nicht ausgeführten Kreuzgwb., welches vermutlich den metallenen Reliquienschrein tragen sollte. — 4 Seitenaltäre an den östl. Querschiffswänden; Katharinen- und Elisabeth-Altar im NFlügel, Johannes- und Martins-Altar im SFlügel. Im 13. Jh. gestiftet, scheint ihr Retabelschmuck nicht zur Ausführung gekommen zu sein. Jetzt tragen sie mit Schnitzwerk gefüllte Schreine, auf den bemalten Flügeln bez. 1511, 1512, 1514. — Lettner unter dem westl. Vierungsbg. um 1330-40. An ihm ist vieles erneuert und verändert, namentlich die Mittelpartie über dem Laien-(Kreuz-)Altar, welche ursp. auf das Weltgericht bezügliche Figg. enthielt Der jetzt aus der Mitte aufsteigende hölzerne Bogen aus E. 13. Jh. gehörte zum alten Kreuzaltar; neben ihm ursp. die jetzt in die Sschiffe verwiesenen Kredenztische. Von Interesse die kleine Emporbühne an der Rückseite (welche 1860 den Restaurator Lange verleitet hat, nach dem Schiff zu eine Predigtkanzel auszubilden). — An der SSeite des Chors Celebrantenstuhl 2. H. 14. Jh., in Holz den Formen des Steinstils nachgehend. Die reizende Statue der h. Elisabeth aus sp. 15. Jh., die Nebenfigg. neu. — Hinter dem Hochaltar Piscina. — An der NSeite Wandtabernakel aus 15. Jh. — Unter der Vierung die Chorstühle [pg 255] der Ritter, einfach, E. 13. Jh. — Grabdenkmäler. Die Mehrzahl im südl. Kreuzflügel (»Landgrafenchor«) vereinigt, Aufstellung nicht ursp., die Tumben ganz oder überwiegend neu. I. östl. Reihe: 1. Konrad von Thüringen, Deutschordensmeister † 1241, Ausführung jünger; 2. Aleydis † nach 1333 und ihr kleiner Sohn; 3. Heinrich † 1308 (früher irrig für eine Frau gehalten!) und sein Sohn Heinrich † nach 1297; 4. Johannes † 1311; 5. Ludwig I. † 1458, ausgeführt 1471. II. Westl. Reihe: 6. Ludwig II. † 1471, ausgeführt 1478, und Mechthild 1495; 7. Heinrich III. † 1484; 8. Wilhelm II. † 1509, unter der von Arkaden getragenen Platte der von Schlangen benagte Leichnam; 9. Heinrich und Elisabeth, Kinder Hermanns des Gelehrten. Am Chorschluß Margarethe von Nürnberg. Die künstlerisch bedeutendsten sind Nr. 3 und 4, ausgeführt ca. 1315-30 von demselben ausgezeichneten, in Frankreich gebildeten Meister, dem das Stifterdenkmal in Cappenberg (Westfalen) und das Ravensbergdenkmal in Bielefeld gehört. Zu beachten ist, daß Landgraf Otto, in dessen Zeit die Ausführung fällt, die Tochter des in Bielefeld bestatteten Grafen von Ravensberg zur Gemahlin hatte. — Die an der Wand aufgestellten Grabsteine ohne Bedeutung. — Von den in diesem Bauteil aufgehängten Trauerschilden, Wappen, Fahnen ist nur ein kleiner Teil erhalten; bmkw. die Schilde Konrads und Heinrichs aus 13. Jh. — Im nördl. Kreuzflügel 3 gravierte und niellierte Platten des Hans von Dörnberg und seiner zwei Frauen, E. 15. Jh. — Ornamentale Gewölbemalerei im Chor spgot. — Glasmalerei. Jetzt nur in den Chorfenstern zusammengestellt aus den Teilen einer ursprünglich größeren Folge. Das nordöstl. und südöstl. Fenster der oberen Reihe 2. V. 14. Jh. Alles übrige noch 13. Jh. Genauere Zeitbestimmung nicht leicht. Haseloff entschied sich für Beginn bald nach 1249. Der Stil würde dieser Datierung nicht widersprechen, allein es ist sehr fraglich, ob die Bauführung damals schon weit genug vorbereitet war. Sicher ist aber der Stilcharakter unfranzösisch, aus der byzantinisierenden Epoche der deutschen Monumentalmalerei zu erklären. Kunstwert vom Besten. Ikonographisch besonders interessant die Szenen aus dem Leben der h. Elisabeth. — Schrein der h. Elisabeth in der Sakristei, rck. Kasten mit steilem Dach, Material vergoldetes Kupfer, Statuetten Christi, Maria, der hl. Elisabeth u. der zwölf Apostel, am Dach Reliefs aus dem Leben der hl. Elisabeth, der Schmuck der Perlen und Edelsteine von den Franzosen 1810 gestohlen; zu den allervorzüglichsten Exemplaren der Gattung gehörend. Kruzifix auf dem Kirchhof südl. vom Chor 16. Jh.

Dominikaner-K. (Universitäts-K.) A. 14. Jh. Unsymmetrische Hallenkirche, Rundpfll. mit runden Gesimsen, flache Decke. Die Strebepfll. an der SSeite wegen des anstoßenden Kreuzgangs nach innen gezogen. Der gestreckte aus 8 Eck geschlossene Chor höher als das Sch.

Barfüßer-Klst. zur Bibliothek umgebaut.

Karner bei der Pfarr-K. Gr. Rck. Im Erdgeschoß 2 frgot. Kreuzgwbb. Das höhere Obergeschoß, eine ursp. flachgedeckte Kap., 1684 als Pfarrwohnung umgestaltet.

S. Kilians-Kap. 1sch. rom. Gwb.-Bau, 1584 als Speicher eingerichtet, jezt Schule.