Ausstattung. Chor. [Von den 1701ff. beseitigten Kunstwerken waren die wichtigsten gewesen: Hochaltar mit dem Standbild des Salvators unter einem von 4 Sll. getragenen Ciborium aus Salzburger Marmor, auf der Retabelwand ein Marmorsarkophag mit Reliquien, 1510 von Riemenschneider; von demselben 1494 ein bis zum Gewölbe reichendes [pg 438] Sakramentshäuschen. Ehernes Singpult von Hans Wurzelbauer aus Nürnberg jetzt in der Sepultur.] Die jetzigen Altäre gute Durchschnittsleistungen der Barockzeit. Sie enthalten Gemälde von Oswald Onghers (Enthauptung Johannis), Sandrart (Kreuzabnahme), Bueler (Grablegung), Merian (Drei Könige). Die Altäre des Langhauses an den Pfeilern aufgestellt; sie erhielten 1793 einheitliche Umrahmung. — Chorstühle von Jakob van der Auwera 1749 mit den Wappen der damals amtierenden Domherren. — Eisengitter von Gattinger. — Spgot. Bischofsstuhl jetzt in der Sakristei. — Im Langhaus Taufkessel, Erzguß, bez. Eckart von Worms 1279. — Kanzel von Mich. Kern 1609.
Grabdenkmäler. Neben denen des Mainzer Doms die großartigste Reihe, die Deutschland besitzt. Sie wurden im 18. Jh. an Wänden und Pfeilern aufgestellt. Die älteren bildeten Deckplatten von Tumben, die jüngeren sind Bildnisepitaphe; die zu den letzteren gehörigen Bodenplatten (über der wirklichen Grabstelle) sind teils untergegangen, teils an den Seitenschiffswänden aufgestellt. Im 16. Jh. kam das Ädikulaepitaph mit Reliefbild auf.
Im Querschiff: I. NFlügel. a) OWand. Über der kleinen, zur Krypta führenden Tür Epitaph des Dechanten J. C. Kottwitz v. Aulenbach † 1610; B. Konrad v. Bibra † 1544 im Stil des Peter Dell d. Ä. b) WWand. Grabstein des Grafen Bernhard v. Solms † 1553 im Stil des P. Dell d. J.; Grabstein des B. Gerhard von Schwarzburg † 1400, überlebensgroß, die Gewandung dekorativ sehr wirksam, dabei ist es wichtig, daß mit ihr auch das gesagt wird, was eigentlich Sache der Figur wäre; im Kopf könnte man ein fein gestimmtes Porträt zu sehen glauben, trüge nicht der von demselben Meister gefertigte Konrad von Weinsberg in Mainz auch ganz dieselben Züge. Epitaph des Dompropstes F. L. Faust v. Stromberg † 1673. Unter dem Durchgangsbogen zum nördl. Ssch. Erzplatten des Kottwitz v. Aulenbach (vgl. Epitaph oben) und des Erasmus Neustetter. — II. SFlügel. a) WWand: Ehernes Epitaph des C. F. v. Thüngen 1629. b) SWand: Kenotaph des B. Moritz v. Hutten † 1552 von Martin Hering, c) OWand: Epit. des B. Konrad v.Thüngen 1540 von Loy Hering aus Eichstätt; Kenotaph des Dompropstes Niedhard v. Thüngen, B. v. Bamberg, 1598.
Im Langhaus. — Nördliche Reihe. 1. Pfl. NSeite: B. Gottfried III. v. Hohenlohe † 1322 (mit neuer falscher Inschrift), das Schwert führen die Würzburger Bischöfe als Herzöge von Franken; trotzdem die Rechte zum Segnen erhoben. [pg 439] SSeite: B. Otto v. Wolfskeel † 1345, ausgezeichnetes Beispiel für den Stil des 14. Jahrhunderts; die große Schleppfalte von der linken Hüfte zum rechten Fuß im Schema der Apostel des Kölner Doms. Rundfigur. — 2. Pfl. NSeite: Domdechant Peter v. Aufseß † 1522, flacher Erzguß, wohl aus der Vischerschen Hütte. OSeite: B. Albert v. Hohenlohe † 1372, die Sförmige Schwingung so trefflich in die Charakteristik einbezogen, daß sie kaum noch als konventionell wirkt. — 3. Pfl. NSeite: Epit. des Erasmus Neustetter 1594 (Grabplatte s. oben). — 4. Pfl. O. Seite: B. Johann v. Eglofstein 1411, Standbild unter Baldachin, Porträtkopf. B. Wolfram v. Grumbach-Wolfskehl † 1333. Kein Kissen mehr, die Auffassung als Standfigur zum ersten Male konsequent durchgeführt, überhaupt bedeutende Arbeit. — 5. Pfl. NSeite: Dompropst v. Frankenstein 1789 vom Bamberger Mutschelle. OSeite: B. Johann v. Grumbach 1466, Standbild unter Baldachin, fein, vornehm, geschmackvoll; vom Würzburger Meister Leonhard Strohmeier. — 7. Pfl. OSeite: B. Adam Friedrich v. Seinsheim 1779 von J. P. Wagner nach dem Entwurf des Hofmalers Christoph Fesel. — 8. Pfl. SSeite: B. Philipp Adolf v. Ehrenberg † 1631, ausgeführt 1664. — Südliche Reihe. 1. Pfl. NSeite: B. Mangold v. Neuenburg † 1303. Keinesfalls wesentlich jünger, wichtig für den Übergang vom Stil des 13. Jh. zu dem des 14. Jh. (Pinder glaubt an einen in Sachsen geschulten fränkischen Künstler); der merkwürdig individuelle Kopf im 18. Jh. übergangen. SSeite: B. Gottfried v. Spitzenberg † 1190 auf dem Kreuzzug; der Stein, trotz der jüngeren Inschrift, gleichzeitig, ältestes Zeugnis der Monumentalplastik in Würzburg, — 3. Pfl. NSeite, neben der Kanzel: B. Gottfried Schenk v. Limburg 1455. — 4. Pfl. OSeite: B. Johann v. Brunn 1440; die Gesichtszüge sind individuell, verraten aber nicht einen 80jährigen Greis. NSeite: B. Rudolf v. Scherenberg 1493 von Riemenschneider, dessen Stil von seiner besten Seite zeigend. — 5. Pfl. NSeite: B. Lorenz v. Bibra 1519; bei Lebzeiten bestellt; das Beiwerk zeigt, wie sich der alternde Meister Riemenschneider mit den eindringenden Renss.-Formen auseinandersetzte; vielleicht jedoch unter Mitwirkung eines jüngeren Gehilfen; die Putten haben auch in den Köpfen mit dem bekannten Engeltypus Riemenschneiders nichts gemein; übrigens ist das Verhältnis der Figur zur tektonischen Umgebung vorzüglich abgewogen und die Verbindung verschiedenfarbiger Steine mit zartem Geschmack durchgeführt. — 6. Pfl. NSeite: B. Melchior Zobel zu Gutenberg, ermordet 1558, Hauptwerk des vielbeschäftigten aber unerfreulichen P. Dell d. J. — 7. Pfl. NSeite: B. Friedrich v. Wirsberg [pg 440] 1573 von W. Sarder aus Eichstätt. OSeite: B. Franz Ludwig v. Ertal 1795. — 8. Pfl. NSeite: B. Julius Echter v. Mespelbrunn 1617 von M. Kern; Architektur gut, Figur nicht bedeutend. SSeite: Ritter Sebastian Echter, des Bischofs Bruder, 1577. OSeite: das umgestürzte Wappen des letzten Echter † 1665. — 9. Pfl. NSeite: B. Joh. Gottfr. v. Aschhausen † 1622. — Die Form des Renss.Epitaphes, Ädikula mit Relief. An der südl. Sschiffswand eine Reihe bronzener Grabplatten, ehemals in der Nähe der entsprechenden Epitaphe zu denken. Von ihnen gehören der Gießhütte Peter Vischers: Dompropst Georg v. Giech † 1501, Dompropst Albert v. Bibra † 1511, B. Lorenz v. Bibra † 1519, letztere vielleicht nach Riemenschneiders Entwurf in Nürnberg gegossen.
Sonstige Skulpturen. — Vom Triumphbogen herabhängend überlebensgroßes Holzkruzifix von 1478. — Auf 3 Pfll. der NSeite verstreut Maria und die h.h. drei Könige, interessante, stark bewegte Standbilder aus A.14.Jh., durch moderne Rest, und Bemalung entstellt; ähnliche Pfl. Aufstellung in der Lorenz-K. in Nürnberg; trotzdem vielleicht ursp. für ein Portal gedacht, wie in Freiburg. Zu Beginn des Lhs. Taufkessel, Erzguß, bez. Eckart v. Worms 1279; die zu dieser Zeit in Süddeutschland wenig geläufige Technik erklärt die Roheit der Formen. — Kanzel von Mich. Kern 1609. — In einer Kap. am WEnde des südl. Ssch. große Gruppe des Marientodes, um 1470-80, hervorragend durch Wahrheit und Stärke des Ausdrucks; am Eingang in die Kap. ein Diakon mit Lesepult in einem zugleich an Riemenschneider und Backofen erinnernden Stil, dann die 2 Säulen »Booz« und »Jachim« vom ehemaligen Paradies. — Die spgot. Standbilder an den ersten Pfll. des Lhs, von den Strebepfll. der Marienkap., wo sie zu verwittern drohten, hierher geborgen. — In der Vorhalle Madonna um 1420.
Epitaphe am Äußeren. Meist sehr beschädigt. Historisch interessant dasjenige Tilman Riemenschneiders, wohl von seinem Sohne Jörg.
Schönborn-Kap. am nördl. Qsch. 1721-36 von J. B. Neumann. Kreisrunder Kuppelraum mit elliptischen Exedren nach O und W, Eingang N, Hauptaltar S. Vier Grabmäler von Kirchenfürsten aus der Familie Schönborn. Das Innere, als Grabkap. in grauem und schwarzem Marmor, kommt infolge nicht glücklicher Lichtführung nicht nach seinem Werte zur Geltung; das Äußere zeigt Neumanns Formensprache in aller Vollendung.
Kreuzgang. NFlügel 1424-28, SFlügel 1428-31, WFlügel nach 1431, OFlügel 1449-53. Die 3rippige Wölbung, [pg 441] deren mit Wappen geschmückte Schlußsteine im Gr. eine Zickzacklinie bilden, wohl später. Stattliche Abmessungen, etwa 35 : 50 m bei 4 m Tiefe der Gänge. Die im O liegende Sepultur 1461. 2sch. Halle von 35 : 11 m, an der OWand 8 Kapp., deren Öffnungen in den Pfeilerachsen liegen, eine ]L: 5] Konsequenz der sternförmigen Teilung des Gwb. Das Erdgeschoß diente als Sepultur des Kapitels. Unter den überaus zahlreichen Denkmälern im Kreuzgang seien hervorgehoben: Heinrich v. Seinsheim † 1360, schlanke Ritterfigur in engem Lederpanzer; Paul Fuchs † 1540 wohl von Peter Dell; Martin v. Wiesenthau † 1554, bez. T K (Thomas Kistner), Dompropst Markgraf Friedrich v. Brandenburg † 1536; Oberst Baur v. Eisenberg, bez. Mich. Kern 1623. In der Sepultur Bronzeepitaph Alb. Schenk v. Limpurg, bez. Jörg Straubinger (Nürnberg) 1680.
S. Burkard. K. des 751 gegr. Benedikt.-Klst. Neubau 1033, eingreifende Rest. 1168, Erweiterung der östl. Teile 1494-97. — Kleine flachged. Basilika ohne Qsch. An den östl. Enden der Ssch. quadr. Türme, aus deren Mauermasse rundbg. Altarnischen ausgespart sind; jetzt durch neue Einbauten verdeckt. Der Hauptchor setzte sich zwischen den Türmen fort und schloß voraussetzlich mit rundbg. Apsis. Außerdem waren WTürme vorhanden, die 1677 abgetragen wurden; damals auch die WEmpore eingebaut. 6 Arkaden mit regelmäßigem Stützenwechsel. Sll. mit Würfelkaptt. und eckblattlosen att. Basen. — Äußeres ganz schmucklos, der Gesimse beraubt. Interessant nur das Portal an der NSeite mit geschlossener Vorhalle; dieselbe hat den Eingang im O und eine Altarnische im W, an der NWand 2 gekuppelte große Lichtöffnungen. Das Portal (nachträglich) durch seitwärts vorgeblendete Säulengruppen geschmückt; reiche und originelle tektonische Gliederung bei fast völligem Mangel an Ornament. Die Türme quadr. bis zur Firsthöhe des Msch., dann ins 8Eck umsetzend; diese Teile 1241 in anmutig ernsten frgot. Formen. — Der spgot. OBau in erheblich größerem Maßstab; das Qsch. so breit, daß zwischen Vierung und Flügeln je eine Stütze eingeschoben; ursp. flachgedeckt; modernes Netzgwb. im Monniersystem. — Chorstüle 1693 aus got. und bar. Teilen zusammengesetzt. — Im nördl. Qsch. bmkw. Opferstock mit Reliefs E. 13. Jh. — Votivrelief aus dem Leprosenhaus, Kreuzigung ca. 1370. — Großer Flügelaltar, noch in got. Anordnung, 1589-91; die Gemälde vom Würzburger Bürger Alexander Müller (die von demselben ausgeführte Wand- und Deckenbemalung zerstört). — Grabsteine der Äbte Hermann Lesch † 1408, Eberhard Lesen † 1436, Johann [pg 442] v. Waldenfels † 1427. — An der Wand Gemälde der Grablegung von Osw. Onghers 1676. — In der Pfarrei Holzmadonna von Riemenschneider aus seiner Frühzeit.
[Augustiner-Klst. Gew. 1302. Abgebrochen 1824. Interessante Reste von dekorativer Plastik, oberrheinischen Schulzusammenhang bekundend, im Museum.]