Kreuz-K. Gegr. gleichzeitig mit der Stadt um 1200; zweimal vollständig erneuert: 1491 und 1760. Vom spgot. Bau sind Grundriß und Ansichten erhalten: Hallenbau in der Richtung der Erzgebirgsschule. Der etwas ältere Chor war in seiner reichen Dekoration an Streben und Fenstern der Marien-K. zu Bernburg ähnlich und rührt von denselben Meistern her, Hanns [pg 81] und Matthias Kumoller. — Der jetzige Bau nach der Zerstörung des vorigen im 7j. Kriege erb. 1764-92. Langer Streit um den Plan zwischen dem Ratszimmermeister J. G. Schmidt (Schüler Bährs und dadurch Vertreter der deutschen Barocktradition) und dem Hofbaumeister und Akademiker Krubsacius (der dem eben aufkommenden Pariser Klassizismus zuneigte). Ein Gutachten Chiaveris verhalf Schmidt zum Siege. Die Anlage ein Kompromiß zwischen zentraler und longitudinaler Grundform. Von dem rechteckigen Umfang kommt der WBau für Turm und Emporentreppen in Abzug; ferner sind am OEnde die Ecken abgerundet; als Gemeindehaus verbleibt ein Quadrat, in dem aber doch wieder durch elliptischen Grundriß der Emporen die west-östl. Achse stärker betont ist. Die Emporen gestützt auf wenige schlanke, die Übersicht nicht hemmende Pfeiler. Ihretwegen kein massives Gewölbe, sondern nur ein verputztes Schalwerk gewagt. Der Außenbau nach Schmidts Tode (1774) von Chr. F. Exner. Der Turm erst 1788 von G. A. Hölzer, im einzelnen ohne Reiz, aber mit seinen wohlproportionierten Maßen ein sehr glückliches Element in der Stadtsilhouette. — Das Innere nach Brand 1897 von Schilling und Gräbner durchgreifend umgestaltet, in der Lichtführung verbessert und in der Dekoration mit frei modernen Einzelheiten.
Sophien-K. Die einzige K. Dresdens, von der noch wesentliche Teile ihrer ma. Gestalt erhalten sind. Erb. 1351 für das (1265 gegr.) Barfüßerklst. Hallenkirche von 2 Schiffen und 2 Chören. Um 1400 die Kap. der Familie Busmann angebaut, Gwb.Konsolen mit Bildnisköpfen. — 1421 Erweiterung der K. nach W. In Reformation profaniert, 1602 wieder als K. umgebaut. 1737 der protestantische Hofgottesdienst aus der Schloßkapelle hierher verlegt, wobei sämtliche Ausstattungsstücke mit übernommen. 1834 und 1864 Überarbeitung im Sinne akademischer Neugotik. Letzte Neueinrichtung 1910. — Von der alten Ausstattung im 19. Jh. vieles entfernt. Hauptaltar 1606 von dem Hofarchitekten Giovanni Maria Nosseni aus Lugano unter Mitwirkung von Sebastian Walther. Aufbau aus mehrfarbigem Marmor in schulmäßiger italienischer Hoch-Renss., nur das seitlich den Umriß belebende Schnörkelwerk aus der deutschen Formenwelt. [Das h. Grab der Busmann-Kap. aus A. 15. Jh. im Mus. des Altert.Ver.] Grabmal Nossenis († 1620) beg. 1616; wohl von ihm selbst seine knieende Bildnisstatue, ein Meisterwerk vornehmer Charakteristik, geringer seine drei Frauen. Von seinen Schülern Sebast. Walther und Hegewald der Schmerzensmann, eine Transposition von Michelangelos Christus in der [pg 82] Minerva zu Rom. Epitaphe: v. Osterhausen 1615 von Hans Reis; Marcus Gerstenberger 1613, wohl dazu gehörig das Marmorrelief der Grablegung, manieristisch falsches Pathos bei meisterhafter Durchbildung (von Nosseni?). Großes Alabasterrelief der Kreuztragung von einem Unbekannten aus A. 17. Jh. Epitaphe für Paul John 1631, R. v. Bünau 1643 (Stadtmuseum), Herzogin Sophie 1653, A. v. Schönberg 1688. Lange Reihe von Hofpredigerbildnissen; Engelschall von R. Mengs, Strauß und Hermann von A. Graff.
Profanbauten
Königl. Schloß. Große unregelmäßige Baugruppe, deren Bestandteile infolge vielfacher Veränderungen sich nicht mehr leicht historisch scheiden lassen. Vom ma. Bau (letzte Erweiterung 1471-76) sind einzelne Mauerteile (Flügel an der Schloßstr.), doch keine Kunstformen erhalten. Das 16. Jh. wandelte die Burg zum Schloß um. 1701 wütete ein schwerer Brand. Nur das Innere wurde von August dem Starken mit Pracht neu eingerichtet, das Äußere in unscheinbarer Weise eilfertig instand gesetzt. Der König trug sich längere Zeit mit dem Plane eines neuen Schloßbaues an anderer Stelle. — Mit dem Georgenbau 1533 (nach der Überlieferung von Hans Schickentanz) hielt die Renss. ihren Einzug in Dresden. Beim Brande 1701 nur das Erdgeschoß erhalten. Das eine der beiden Portale beim Umbau 1899 in den Winkel gegenüber der kath. Hof-K. versetzt; der reiche Dekor in ausgeprägt lombardischem Stil; die ursp. Bekrönung war höher, ein zu ihr gehöriges Relief in der Durchfahrt zum Jagdtor. Fries mit Totentanz im Mus. des Gr. Gartens. — Moritzbau. Ein vollständiger Um- und Vergrößerungsbau begann 1548. Entwurf von Caspar Vogt, Oberaufsicht von Hans Dehn. Unter den folgenden Regierungen weitere Um- und Zubauten. Den Zustand E. 17. Jh. zeigt das bmkw. große Modell im Grünen Gewölbe. Als Hauptfassade hat die WSeite des großen Hofes zu gelten. In der Mitte erhebt sich der mächtige, aus dem ma. Bau herübergenommene Hausmannsturm, überhöht und mit Bar.Helm versehen 1674 von Klengel. Vor ihn legte sich der große Altan in 3 Geschossen offener Bogenhallen; er sollte, da der Turm keine Türen hatte, die Verbindung zwischen den beiden Hälften vermitteln (1896 wurde er um 2 m vorgerückt). Das jetzt das Erdgeschoß des Hausmannsturms durchbrechende Grüne Tor nach 1691. Aus der Zeit Moritzens stammen die in die Winkel des Hofes verlegten großen Treppentürme (»Schnecken«) aus dem 8Eck mit rundem Oberbau, und die ihnen zunächst liegenden Zwerchhäuser. Nur die Schnecken [pg 83] und der Altan haben architekt. Gliederung; die sonstige Fassade ist glatter Verputzbau; die sie schmückende sehr reiche Sgraffitomalerei (von den Italienern Ricchini und de Thola) ist verschwunden. Am Altan die erste Brüstung mit Reliefs, wohl von Hans Walther. — Das Tor an der Schloßstraße 1589; kräftige Rustikasäulen dorischer Ordnung tragen einen Metopenfries; der Aufsatz umgestaltet. Der Kleine Schloßhof 1592 von Paul Buchner in derber deutscher Renss. Der Durchgang zum Großen Hof nebst Portal in vornehmeren Barockformen 1682. — Von der inneren Einrichtung der älteren Teile ist infolge von Bränden und Umbauten wenig übrig: Die Deckenmalerei im sog. Wettinzimmer von Hans Willkomm und Gg. Fleischer; dagegen von Italienern die Decke des sog. Porzellanzimmers im Hausmannsturm; zartes Groteskenornament in Stuck auf farbigem Grunde in der Art der raffaelischen Loggien, speziell an dessen in Genua tätigen Schüler Perino del Vaga erinnernd (vielleicht aus der genuesischen Künstlertruppe, die 1538 nach Prag berufen war). — Aus der ersten Zeit August des Starken stammt die Ausstattung der Chambre de lit und des Thronsaals. — Von den 7 Räumen des Grünen Gewölbes besitzen das »Silberzimmer« und der »Preziosensaal« Stuckdecken aus 16. Jh.; andere haben 1721-24 ihre Dekoration erhalten, als August der Starke in ihnen den unvergleichlichen Schatz von Edelmetallarbeiten, der noch heute dort bewahrt wird, aufstellen ließ. — Aus letzterer Zeit auch der »Gardesaal« nahe der »englischen Treppe«; diese ist älter, von 1669. — Verschiedene Nebengebäude, wie das Ballhaus und das Komödienhaus, sind verschwunden. — Die Schloßkapelle, im Moritzbau im S des Hausmannsturms, wurde 1602 und 1662 umgebaut, nach dem Übertritt des Kurfürsten Friedr. August I. zur kathol. Kirche 1737 dem Gottesdienst entzogen und zu den Wohnräumen geschlagen. Der erste Bau unter Moritz folgte dem Typus der Schloßkapelle zu Torgau. Davon hat sich das (an den Jüdenhof versetzte) herrliche Portal erhalten, bez. 1555, Formen und Verhältnisse in rein italienischem Geist, doch von einem Deutschen (Hans Walther ?, Christoph Walther?) Der Altarbau von 1602, von einem der Walther, ist in die Schloßkapella zu Torgau übergeführt. Der Taufstein jetzt in der Sophienkirche, um 1555, mit Veränderungen 1602. Ebendahin gelangten die wertvollen Altargeräte.
Palais am Taschenberg. 1707 ff. unter starkem Anteil von Pöppelmann. Die 48 m breite Front hat 19 Fensternischen und 4 Geschosse. Das Mittelrisalit springt wenig vor, ist aber durch reichen Fensterschmuck ausgezeichnet. Im Innern eine großartige [pg 84] (nur zur Hälfte erhaltene) Treppenanlage. 1756 ff. die seitl. Erweiterungsbauten unter Leitung von Schwartze. Die köstlichen Brunnen und sonstigen plastischen Arbeiten von Gottfr. Knöffler. Von der alten Einrichtung erhielt sich nur die Kapelle.
Kanzleihaus (jetzt Hofapotheke), 1567 von Hans Irmisch; die Sgraffitomalerei, von Benedikt de Thola, zerstört; einige Mobilien aus der Erbauungszeit.
Stallhof (heute Johanneum und Gewehrgalerie). 1. Der kurfürstl. Stall, 1586 ff. von Paul Buchner; nach Ausweis alter Zeichnungen eine nicht nur sehr ausgedehnte, sondern auch überraschend glänzende Anlage, Sgraffitomalerei an den Wänden, reich dekorierte Zwerchhäuser am hohen Dach; jetzt ganz verunstaltet. 2. Der »lange Gang«, seit 1731 als Gewehrgalerie benutzt; die 53 Fürstenbildnisse (meist von Heinrich Göding ca. 1570-80) haben nur dekorativen Wert, die 29 Turnierbilder nur kulturgeschichtlichen. Außen das derbkräftige »Jagdtor«, die Bildwerke von Andreas Walther. 3. Der »Stallhof« selbst; im 18. Jh. für die Gemäldegalerie umgebaut; seither weiter verändert. Zwei prachtvolle bronzene Säulen (1588) auf dem Hofe dienten beim Ringelrennen.
Zeughaus (heute Albertinum) 1559-63 von Paul Buchner, gebürtig aus Nürnberg, bis dahin in den Niederlanden tätig, von wo er die reiferen Renaissanceformen einführte. 4 Flügel umgeben ein gestrecktes etwas verschobenes Rechteck. Das Erdgeschoß (das sich allein in ursp. Gestalt erhalten hat), wird durch toskanische Säulen rundum in zwei Schiffe geteilt; erhalten ferner 2 Tore gegen W in Rustikaarchitektur.
Zwinger. 1711-22 von Matthäus Daniel Pöppelmann (1662 bis 1736). Die monumentale Gestaltung eines Renn- und Festspielplatzes, dergleichen um jene Zeit in Florenz, Wien und Paris öfters, in Dresden selbst im Jahre 1709, in provisorischer Holzkonstruktion zur Ausführung gekommen waren. Etwas von der phantastischen Pracht der Bühnenarchitektur ist auf die Anlage übergegangen, aber gemäßigt durch eine hohe, klare und für den gegebenen Zweck überaus glückliche Grundrißdisposition. Den Zwinger von der SWHauptpforte betretend, hat man vor sich einen Hof von 106 m Tiefe und 107 m Breite; aus den Langseiten treten Flügel mit Segmentbogenschluß hervor, wodurch das Ganze kreuzförmige Gestalt erhält, mit Erweiterung der Querachse auf 204 m. Die dem Eingang gegenüberliegende Seite (wo jetzt Sempers Galeriegebäude steht) blieb offen und man weiß nicht genau, mit welchem Programm Pöppelmann hier zu rechnen hatte. (Vor der Eingangseite zog sich der breite Stadtgraben [jetzt Ostraallee] [pg 85] hin und links schlossen sich die hohen, schon damals mit Bäumen bepflanzten Wälle an). Den großen Hof umgibt eine Pfeiler- und Bogenhalle auf hohem Sockel. Aus ihr erheben sich mehrere Pavillons, 4 an den Langseiten des Mittelhofs und 2 am Schluß der Kreuzflügel. Von ihnen aus schaute die Hofgesellschaft den Spielen zu, während die Arkadengänge eine Orangerie enthielten; mit diesem Zweck hängen die vor jeder Arkade angeordneten Konsolen zusammen. — Über der genialen Phantastik der Behandlung darf der Wert der Gesamtanlage nicht übersehen werden: der wundervolle Rhythmus des Grundrisses und die hohe Angemessenheit der Proportionen des Aufbaues. Der Stil der Zwingerarchitektur hat mit dem Rokoko historisch nichts zu schaffen, ist ihm auch nicht stimmungsverwandt; er ist aus umfassenden italienischen Studien hervorgegangen; selbst Palladio dürfte mit seinen Villenentwürfen nicht ohne Einfluß gewesen sein. Charakteristisch für den Zwingerstil ist die enge Verbindung von Architekturformen mit figürlicher Plastik. Je einer der 4 Saalbauten ist in seiner Dekoration Jupiter, Neptun, Vulkan und Apoll gewidmet. Von Permoser der Atlas auf dem Wallpavillon, die vier Jahreszeiten am Eingangspavillon, die Entwürfe zu den Faunen unter den Konsolen vor den Arkaden; anderes z.T. spät; so die Statuen am Uhrpavillon von J. B. Dorsch 1785. — Außerhalb des Hofes im nördl. Winkel das Nymphenbad; das im südl. Winkel gelegene große Opernhaus ist nach Brand 1849, das kleine 1841 abgebrochen.
Palais im Großen Garten. Der Garten beg. 1676 unter Johann Georg II.; schnurgerade Alleen, Rennbahn für Reiterspiele, Naturtheater, Irrgarten, Wasserkünste, zahlreiche Pavillons (im heutigen Bestande aber nur in einzelnen Andeutungen noch zu erkennen). In der Mitte das Palais, 1679 von Oberlandbaumeister J. G. Starke. Es sollte »italienisch« gebaut werden. Anklänge speziell an die Gartenpaläste Genuas (durch das Buch von Rubens sehr bekannt) nicht zu verkennen. In der Verbindung des Monumentalen mit dem Anmutig-Heiteren eine ausgezeichnete Leistung. Gr. gestreckter Mittelbau mit kurzen, nach beiden Seiten vorspringenden Querflügeln. Im Aufriß folgen sich: Erdgeschoß in Rustika; Hauptgeschoß mit Pilastern und großen Fenstern; Attika als Halbgeschoß. Der Mittelbau hat auf beiden Seiten eine weitläufige Freitreppe in der Höhe des Erdgeschosses und ein Mittelrisalit mit gekuppelten Sll., toskanisch im Erdgeschoß, jonisch im Hauptgeschoß. Die Mauerflächen neben ihr und über den Fenstern sind mit Festons und Draperien [pg 86] geschmückt; ferner spielen Nischen mit Statuen und (im Attikageschoß) Büsten eine Rolle. Auf dem mittl. Dachfirst eine Balustrade mit Vasen. Im ganzen herrschen gerade Linien, wie überhaupt der Bau mehr renaissancemäßigen als barocken Charakter hat. Der den ganzen Mittelbau einnehmende Saal in seinem gravitätischen Prunk sehr eindrucksvoll; Gliederung der Wand durch Nischen mit überlebensgroßen Standbildern antiker Göttinnen (vom Niederländer Dierks), Buntmarmorsäulen, schwerem verkröpftem Hauptgesims, Spiegelgewölbe — alles kraftvoll mit Stuck und Farbe dekoriert. — Die Marmorstatuen und Vasen des Gartens (einst 150) in Rom und Venedig bestellt, von Baratta, Balestra, Corradini und angebl. auch Bernini, von dem aber heute nichts mehr nachzuweisen. Die in entfernteren Teilen zerstreuten Sandsteinbildwerke meist von deutschen Künstlern; bmkw. die Apotheose eines Fürsten (Eugen v. Savoyen?) von Permoser (ursp. an anderem Ort). —