Japanisches Palais in der Neustadt. Hieß ursp. »holländisches«. Erster Bau 1715 von Pöppelmann für Gf. Flemming. Dann vom König angekauft und 1729-41 umgebaut und vergrößert von Pöppelmann († 1733) und Longuelune unter Oberleitung des Generalintendanten Jan de Bodt. Pöppelmann gehört der Elbflügel und der Arkadenhof. — 4 Flügel im Rck., außen 74 : 56 m. Jede Langseite durch Eck- und Mittelvorlage, jede Vorlage durch Pavillondach herausgehoben. Die kräftigste wagerechte Teilungslinie über dem Erdgeschoß; es folgen Hauptgeschoß und Mezzanin, durch senkrechte Streifen zusammengehalten; das Mittelrisalit hat einen Giebel, getragen von 4 Paaren gekuppelter Säulen. Die eigenartig geschwungenen Linien des Kupferdachs sollen an Japanisches erinnern. Augusts Plan, das ganze Innere einheitlich mit Porzellan zu dekorieren, kam nur zum kleinsten Teil zur Ausführung. — Die dekorative Plastik, vornehmlich im Hof, von J. Ch. Kirchner. Die Gartenanlage von Pöppelmann, früher reichlicher mit Vasen und Statuen dekoriert.
Kurländer Palais. Erster Bau für Gf. Wackerbarth 1718, Umbau 1728 wahrscheinlich durch Joh. Christoph Knöffel. Die Anlage gruppiert sich unregelmäßig, doch mit trefflicher Raumausnutzung, um mehrere Höfe. Die nicht sehr ausgedehnte Fassade erreicht monumentale Wirkung; Erdgeschoß und Hauptgeschoß mit fast verborgenem Mezzanin. Im Innern hat der Gobelinsaal seine Einrichtung fast vollständig erhalten; die Ölgemälde über den Türen von Silvestre und Casanova, die Bildwebereien mit Darstellungen aus dem Bauern-, Schiffer- und Hirtenleben von dem Brüsseler [pg 87] van dem Borcht nach David Teniers d. J. Der Festsaal von Joseph Deibel in der Zeit als der Chevalier de Saxe Besitzer war (um 1761).
Landhaus. An der Stelle des in der Belagerung von 1760 beschädigten Flemmingschen Palais 1770 von F. A. Krubsacius. Die 77 m lange Schauseite auf die Wirkung in enger Straße berechnet. Die Hofseite gab Gelegenheit zu einem kräftig vortretenden Mittelbau mit riesigem Treppenhaus. Die Einzelformen sehr einfach, auf eigentliches Ornament ganz verzichtend.
Regimentshaus 1710.
Hotel de Saxe und British Hotel. Ursp. vornehme Adelshäuser, um 1720 von George Bähr. Geistvolle und prächtige, lebhaft bewegte Kompositionen bei recht derber Detailbildung.
Hoymsches Palais (Harmonie). Die Front gegen die Landhausstraße von Knöffel, die gegen die Rampische Str. von Krubsacius, Lisenengliederung von guten Verhältnissen, sparsames Zierwerk. Im Hofe reizender Brunnen von Gottfr. Knöffler.
Coselsches Palais. Gleich dem vorigen für das sächsische Spätbarock besonders bezeichnend. Der hohe Mittelbau 1744 von Knöffel in der bei ihm beliebten Lisenenarchitektur mit schwachen Gruppierungskontrasten. Die vorspringenden niedrigen Flügel 1762 hinzugefügt.
Palais des Chevalier de Saxe (Palais Prinz Johann Georg) 1764-70 von F. A. Krubsacius. 1855 umgebaut. Es hatte ursp. ein einziges Hauptgeschoß, darüber ein Halbgeschoß und die in dem hohen Dach angebrachten Mansardenzimmer. Charakter: vornehme Einfachheit. Die Trophäen und Putten von Gottfr. Knöffler. Im Park Zierbauten — Ruine, Tempel, Einsiedelei (1799) und dergl. — von Weinlig (?), Vorahnungen der Romantik in klassizistischem Gewande. Gartenplastik.
Ministerpalais in der Seestraße. 1753 als Privatgebäude, in der Art Knöffels. Fassade von 9 Achsen in schlichter Lisenenarchitektur; 4 Geschosse, von denen nur das erste und das letzte durch Gurtgesimse abgesondert, so daß doch wieder ein Dreiklang entsteht.
Palais des Grafen Brühl, später Marcolini (jetzt Stadtkrankenhaus) 1746. Langgestreckter Bau (200 m) in einfacher Lisenenarchitektur. In der Achse kleiner Ehrenhof. Die Hermen an den Torpfeilern von Wiskotschill, die wunderlichen Löwen (nach chinesischen Mustern?) von J. B. Dorsch. Von der Inneneinrichtung blieb wenig intakt, so der chinesische Saal und ein pompejanisches Zimmer. Im Garten der großartige Neptunsbrunnen nach Longuelunes Entwurf von Lorenzo Mattielli 1741-44, eine Fels- und Grottenarchitektur [pg 88] mit plastischen Kolossalfiguren in meisterhaftem Gruppenbau. [Eine reizende Brunnengruppe mit Amphitrite von Knöffler jetzt im neuen Ständehaus; die einst im Garten zerstreuten Vasen und Einzelstatuen auf der Bürgerwiese.]