Hazenbrook betrachtete seinen künftigen Egyptier mit Blicken der Freude und Liebe. Es fiel ihm schwer, sich von dem Gegenstande seiner Hoffnungen zu trennen, aber er mußte sich dem Gebote der Nothwendigkeit unterwerfen.

»Lebt wohl, theuerer Myn Heer!« sagte er, indem er van Vlietens Hand nahm und unbemerkt den Schlag des Pulses untersuchte. »Seyd heiter und guter Dinge! Lasset Euch nichts abgehn an leiblicher Ergötzlichkeit. Ihr habt eine gute Natur, die schon ein Gläschen Canariensect mehr vertragen kann, wie eine andere. Ich wünsche Euch Methusalems Alter, denn Gott behüte! daß ich selbst um der heiligen Wissenschaft Willen eines Menschen Tod ersehnen möchte. Solltet Ihr aber dennoch wider Verhoffen in eine schwere Krankheit verfallen, so bitte ich, mich sogleich davon zu benachrichtigen. Jetzt geht’s der Tochter nach! Finden wir sie, so wird sie Euch und Ihr werdet mir; finden wir sie nicht, so haben wir alle beide nichts. Cura ut valeas, amice dilectissime!«

Er ließ ihn los, er wandte sich zur Thüre. Ehe er aber diese erreichte, kam er, von einem glücklichen Gedanken ergriffen, noch einmal zurück.

»Noch Eins, Amice!« sagte er. »Zwei oder drei Zeilen an die Tochter, streng, ermahnend, väterlich! Ein Beglaubigungsschreiben für mich oder meine Commissarii!«

Der Alte sah sogleich ein, daß dieses Verlangen nicht anders, als billig und vernünftig sey. Er schrieb und übergab dem Professor den Zettel, in welchem er der Tochter mit Fluch und Enterbung drohete, wenn sie nicht sogleich zurückkehre in das väterliche Haus.

Kaum hatte Hazenbrook das Papier in Händen, so verließ er in großer Eile das Gemach, in dem Herr Tobias, von Zorn und Betrübniß erfüllt, zurück blieb. La Paix und Le Vaillant folgten dem Professor, während sie über diese Wendung der Angelegenheit, die sie zu Rittern und Beschützern der schönen Clelia zu bestimmen schien, einander ihre Freude und ihre vorläufig gefaßten Vorsätze mittheilten.

»Kinder!« sagte der Professor, als er mit ihnen unter den Bäumen am Canal hinstürmte, und jetzt eine der schönen, weißbemalten Zugbrücken überschritt: »wir müssen uns trennen. Ihr müßt der Jungfrau Clötje, oder wie sie sonst heißt, nachsetzen, sie schleunig inhaftiren und zur Stelle bringen. Der Alte macht es nicht lange mehr. Sein Puls trommelt zum Abmarsche und ich muß das Frauenbild beibringen, ehe er abfährt. Im Nothfall aber habe ich auch dafür Rath, doch darf ich nicht weichen noch wanken vom Platze und muß ihn bewachen mit Argusaugen. Ihr aber müßt seyn, wie die heilige Isis, als sie den verlorenen Gatten Osiris suchte; klug, wachsam, forschend und muthig. Gehet hin, Kindlein, Ihr Stützen der Wissenschaft! Wohl sollet Ihr die Musen lieben und ihnen dienen, aber hütet Euch, alle Weiber für Musen anzusehen. Da ist das Creditiv von Myn Heer van Vlieten! Geld tragt Ihr hinlänglich im Sack, denn Ihr habt erst gestern die Quartalwechsel erhoben. Fort, Söhne! Erobert Troja und bringt die Prinzessin Helena nach Griechenland zurück!«

»Sandis!« erwiederte Le Vaillant, indem er auf seinen langen Raufdegen schlug. »Das soll ein Seelengaudium seyn für unser einen und den Sire Cornelius wollen wir schon coramiren.«

»Alles in Höflichkeit und Frieden,« fügte La Paix sanft hinzu, »aber wir bringen Euch das Mädchen oder Ihr sollt uns nicht für würdig halten, dereinst den Doctorhut der Weltweisheit zu tragen, die ja auch mit der Weltklugheit nahe verwandt ist.«

Die Jünglinge flogen dem Haven zu. Hazenbrook eilte in den Gasthof zum Wappen von Rotterdam zurück, verließ ihn aber, in einen weiten Mantel verhüllt, nach kurzer Zeit wieder, um still und verborgen eine neue Wohnung in einer kleinen Matrosenherberge zu beziehen, die dem Hause des Herrn van Vlieten in schräger Richtung gegenüber lag.