»Der Conaer Abt, Herrin,« entgegnete er ohne jedes Zaudern, »wird Euch auch gemeldet haben, daß eine höhere Hand meine Rechnung durchstrich. Gräfin Linda ist tot und verschollen, Königin.«
»Ihr irrt, mein Freund.«
Die braunen ausdrucksvollen Augen des Weibes überschatteten sich so mitleidig, wie wenn es ihr wirklich ernst wäre, dem Tod ein schon gezeichnetes Opfer zu entreißen. Um ihren Besuch aber krachte die Erde. Jetzt verlor er jede Vorsicht.
»Was wißt Ihr von ihr?«
Da sprudelte es in Margaretas ausführlich malender Schilderungskunst hervor, wie sich der Seeräuber die Ohnmächtige über die Schulter geworfen, um sie in schlimmer Absicht von dannen zu tragen. Und in der unehrlichen Vornahme, zu trösten oder zu entschuldigen, setzte sie hinzu:
»Sie konnte sich nicht wehren. Er mißt sieben Fuß.«
In dem Antlitz des Bürgermeisters stritt sich die grünliche Blässe des Todes mit der eigenen unrächbaren Entwürdigung. Ein Paar kreisrunde Blutkugeln erschienen auf seinen Backenknochen, bevor er heiser hervorstieß:
»Aber seitdem hat die Unglückliche, wie nicht anders zu erwarten, die Erde verlassen. Am jüngsten Tag wird auch ihr Gerechtigkeit widerfahren.«
Die Königin schüttelte das Haupt.
»Herr Nikolaus Tschokke, hier täuscht Ihr Euch abermals.«