Spürend hielt sie das Antlitz ein wenig geneigt und zuckte jetzt fast feindselig die Achsel. Sie begriff im Grunde den Reiz nicht, den das frömmelnde Nonnengesicht ihrer früheren Hofdame auf den nüchternen Stadtbürger ausübte. Noch weniger freilich vermochte sie zu ermessen, welch' verdorbene Lust den Heiland aller Mordbrenner gerade zu jener Himmelsbraut geführt haben mochte. Und in dieser Stimmung verkündete sie rücksichtslos, was ihr selbst von den Flüchtlingen des »Connetable« über den Aufenthalt des Mädchens auf dem Seeräuberschiff zugetragen worden war.

»Ihr sollt alles erfahren. In Männerkleidern, in engen Beinlingen und in der gepreßten Schecke geht sie dort unter den Vitalianern herum. Sie wartet dem Unhold bei Tisch auf, und er herzt und streichelt sie dafür. Was weiß ich, was er ihr sonst noch erweist?«

So wenig vermochte die Königin bei den letzten Worten eine Art ferner, sie quälender Eifersucht zu unterdrücken, daß sogar ihr hindämmernder Kanzler vieldeutig die Lippen spitzte. Der Mann aber, auf den die niederträchtige Schilderung allein wirken sollte, er blieb zuvörderst ganz still.

Endlich brach es aus Herrn Nikolaus Tschokke starr, trotzig, überzeugt hervor:

»Dies ist nicht Gräfin Linda.«

»Wer sonst?«

»Kenn' ich alle Dirnen auf der ‘Agile’? Aber Linda ist es nicht. Könnt Ihr meinen, Königin, eine nur dem Himmelslicht sich öffnende Seele, sie könnte plötzlich zu einem Pfuhl zerfließen?«

»Doch, doch.«

Margareta sprach diesmal mehr zu sich selbst. Sie hatte die Hände auf dem Rücken gebettet und schritt, nur mit sich beschäftigt, im Zimmer auf und nieder. Deshalb klang auch wahrer, was sie in die Tiefe ihrer eigenen Brust hinabsandte.

»Doch, doch, lehrt mich die stirnkühlen, schoßheißen Weiber kennen?! Die da stehen sind andere, als da auf weichem Pfühl liegen. Tag und Nacht wechseln schnell unter unseren Zöpfen.«