»Macht ein Ende, damit wir zum Nachtimbiß kommen.«

Giftigsüß greinte die Quade. Sie wußte, wie schmal es bei ihr zuging. Auch war es ein entzückendes Vergnügen, wie spöttisch und hochmütig der Mensch in dem blauen Wappenrock bisher ihre lieben Nachbarn behandelt hatte. Nur durch eines wurde sie selbst in Verlegenheit gesetzt. Warum mochte wohl der Fremde seine großen schwarzen Augen so begehrlich über das Haupt der Fölke hinweg auf die hintersten Deckenbohlen des Saales richten? Flammend, schwärmerisch züngelte es dann aus den unheimlichen branderfüllten Sternen, und so zwingend war die Kraft dieses Blickes, daß sich die Hausherrin nach vergeblichem Widerstand selbst umwenden mußte, um verständnislos die geborstenen Balken am Saalende zu mustern.

Nichts!

Nur ein paar lange Spinnweben schaukelten dort, getrieben von der Flamme der Fackeln. Seltsam, was suchte der mächtige Geselle dort, warum vergaffte er sich nicht lieber in ihre lüsterne Tochter?

Dort hinten aber in Dämmer und Dunkelheit tanzten die ungestümen Wünsche des herumgetriebenen Mannes. Wuchtig fühlte er seine Pulse hämmern, schmerzhaft fast dehnte sich die breite Brust, denn er stand nur noch einen Schritt vom Ziel. Dort oben drängte sich ein Getümmel unwesenhafter, gebückter, gestriemter Leiber, schwielige Fäuste streckten sich nach ihm aus, heisere, gequälte Stimmen riefen ihm zu, lauter und lauter, ohne sich übertönen zu lassen:

»Gib uns – gib uns, was uns gebührt.«

Unwillig warf der Riese die Hand gegen den Raum, denn selbst von seinen Hirngespinsten war der Herrschsüchtige nicht gewohnt, sich drängen zu lassen. Dann aber schüttelte er aufatmend die Schatten von sich und trat dicht vor den Stuhl der Fölke hin.

»Was willst du wissen?« rief er ohne Rücksicht. »Denn beim Henker, es fehlt nur noch, daß ihr mir ein Armsünderbänklein hinsetzt.«

»Friede, Friede, mein Sohn,« murmelte der Propst besorgt und kreiselte auf seinem schmerzenden Knie herum.

»So sage mir zuerst,« begann die Fölke, sich auf ihr übergeschlagenes Bein stützend, »warum liefst du allein und ungeleitet in unseren Hafen? Wo blieben deine Genossen? Der Wichmann, der Michael und der Wichbold? Und wo liegen deine übrigen Schiffe?«