So trieb es der Zertrümmerte seinen Nächsten zum Ärgernis, und je näher der Tag der Abfahrt rückte, desto gieriger fahndete seine Lüsternheit danach, dem Lande, das er preisgeben mußte, allerlei letzte Genüsse zu entlocken.
Was fehlte ihm noch?
An einem Spätnachmittag bemerkte man von den Schiffen im Hafen, wie der Reisewagen der Häuptlingsfrau van Neß langsam die Höhe der Brokeburg hinaufknarrte. Da fuhr der Admiral wie gestochen mitten aus dringenden Anordnungen empor und winkte heftig einen der Schiffsjungen zu sich. Jähe Röte flackerte in seinen Zügen, denn er schämte sich fast, daß er gerade dasjenige unvernichtet zurücklassen sollte, was seine Flamme schon so nah umzüngelt.
»Geh,« befahl er ohne Rücksicht auf die Umstehenden, zu denen auch Licinius gehörte, »melde dem Häuptlingsweib, ihr Wunsch sei erfüllt. Die Flotte laufe aus. Darum lade sie der Admiral zu einem Abschiedstrunk auf die »Agile«. Sage, es solle ein ihr würdiges Fest werden.«
Ungeduldig warf er dem Boten ein Silberstück zu, dann schrie er dem Davonspringenden noch über Bord nach:
»Schone deine Lunge nicht, Bursche. Lobe und rühme mich. Es hat Eile.«
Schweigsam hatte die schöne Occa die Botschaft angehört. Jetzt saß sie an dem Ausguck ihrer Kammer, von wo sie die Lichter der Flotte durch die Dämmerung zucken und blinken sah, und ihr eitler Sinn überlegte, welchen Entschluß sie fassen sollte.
Die Einsamkeit tat ihr nicht wohl. Voller Dunkelheit hing der Raum, in dem sie weilte, und nur aus ihrer offenstehenden Schlafkammer schwamm der trübe Schein eines Öllämpchens herüber. Allein die spärlichen Strahlen trugen ihr noch etwas Besonderes herzu. Jetzt, da der Augenblick herannahte, wo der glänzende Freibeuter, der Mann des Zufalls und des Abenteuers in das Ungewisse seiner gefährlichen Laufbahn hinausgerissen wurde, jetzt, wo man den Sagenumwobenen leicht für immer verlieren konnte, mit dem ihre Einbildungskraft nicht allein oft gespielt, sondern dessen schicksalsgestaltende Mannheit sie sich bereits durch ihre Künste gefügig gemacht zu haben glaubte, da kam ein bitteres Erinnern, ein Vergleichen über die Verkaufte, und ihr bisheriges Dasein erschien ihr nicht mehr so spielerisch und harmlos wie früher.
Seltsame Gestalten tauchten aus dem matten Schimmer zu ihren Füßen. Zuerst glaubte die Verlassene, die flüchtigen Lichtflecke formten sich zu einem menschlichen Klumpen, und obwohl ihre Sinne unerschrocken und grobkörnig waren wie die der meisten Frauen ihrer Zeit, so rückte sie doch belästigt zur Seite, als sie der Täuschung unterlag, das Ferkel kröche auf sie zu, um sein Borstenhaupt tierisch an ihrem Knie zu reiben. Die dunstige Wärme wurde ihr zuwider.