»Ich bin's, Junker,« erklärte er ohne sonderliche Furcht. »Laut rentmeisterlicher Verfügung muß ich – – «

Allein ehe der Satz zu Ende gelangte, wurde von innen der Querbalken zurückgeschoben, und spähend, kaum notdürftig bekleidet, beugte sich Anna Knuth über die Schwelle. Vor dem Morgennebel verzog das Mädchen ihre nur durch ein Linnenhemd geschützten Schultern, und unter dem kurzen Rock fröstelten die nackten Füße. Ihre reichen, blonden Haare fielen ihr noch ungeordnet weit über den Rücken. Statt einer Anrede legte sie nur bittend den Finger vor die Lippen, zum Zeichen, daß vor allem die Ruhe nicht gestört werden möge; dann glitten ihre noch immer kindlichen Augen scheu und bittend zu dem Grafen hinüber, und ihre ganze Gestalt begann zu zittern wie ein Tier, das den Schlachthieb erwartet. Die Bewegung erzählte von unentrinnbarer Armut, von Verfolgung und Umstricktwerden und dem jammervollen Elend des nahen Erliegens. So sprechend war die Gebärde, daß selbst dem Junker von Cona ein unnatürliches Lachen entfloh.

»Da bin ich,« rief er gepreßt, obwohl der Gruß munter klingen sollte, und ohne daß der Jäger begriff, wie ein Aufmerksamer leicht das abgekartete Einverständnis hinter diesem Ausruf entdecken könnte. Eine Weile blickte daher auch der Vogt schweigsam von einem zum anderen, dann jedoch verzog er die struppigen Augenbrauen, zuckte die Achseln und wandte seine wuchtige Bedrängergestalt wiederum dem Mädchen zu. »Ja, das hilft nichts,« beharrte er, »die Frist ist abgelaufen. Wie steht's?«

Auf die brummige Forderung lief ein erneuter Schauder um die Schultern der Gemahnten, die Farben auf ihren Wangen wechselten, und während sie halb willenlos in die Hütte zurückwies, stotterte sie, um doch irgend etwas zu erwidern:

»Wahr und wahrhaftig, Mutter liegt krank.«

Der Vogt griff sich an die Bartkrause, er schien an die Ehrlichkeit des Einwandes zu glauben.

»Ich weiß,« gab er zu, »wo fehlt's?«

Jetzt hielt sich die Blonde an dem Pfosten fest.

»Das Feuer schlägt ihr aus,« stammelte sie, von der Aussicht getäuscht, ihr Ungemach könne ihr vielleicht doch Mitleid werben. »Sieht und hört nichts.«

»Schlimm,« murmelte der Vogt, »die schwarzen Nebel sind schuld.« Aber gleich darauf schlug er an seine Ledertasche, und in Ausübung seines harten Berufes fragte er weiter: »Hat sie dir den Wehrpfennig ausgehändigt?«