Hier riß der Vogt gewaltsam die Senkel seiner Tasche zusammen und brach in einen schweren Wolfshusten aus. Das Mädchen jedoch, ohne auf die Anwesenheit des anderen noch weiter Bedacht zu nehmen, spannte beide Arme gegen die Pfosten der Tür, so daß der Eingang gewehrt wurde, und indem sie ihre hellen Augen an den stattlichen Menschen hing, rief sie in hoher Angst, aber zugleich auch wie in wirrer andringender Neigung:
»Bedenkt, Herr, das könnt Ihr nicht wollen. Meine Mutter – sie sieht und hört nichts.«
Da lachte der Jäger halb vor Trotz und halb vor Scham, weil ihn ein Dirnlein von ihrer Schwelle treiben wollte. Hastig umspannte er ihren Arm und drückte ihn zur Seite.
»Mach keine Männlein,« redete er ihr zu, »was braucht mich die Alte zu sehen, wenn ich bei dir bin?«
Schon setzte er seinen Fuß auf die Schwelle. Das schwache Geschöpf aber, im Gefühl, wie es jetzt von jeder äußeren und inneren Hilfe verlassen würde, lehnte beide Fäuste gegen seine Brust und hauchte ohne Widerstand noch Zorn:
»Habt Erbarmen, lieber Herr, habt Erbarmen.«
Wäre jetzt ihr Bedränger mit ihr allein gewesen, vielleicht hätte er scheltend und schimpfend von ihr abgelassen, denn die schlichte Sauberkeit ihrer Magdschaft verfehlte nicht ganz ihren Eindruck auf sein herrisches und nur arg verwöhntes Gemüt. Allein zum Unglück sahen die beiden Fremden dem Spiele zu, wie konnte da der Grafensohn die Zurückweisung einer solchen Katendirne hinnehmen? Spöttisch verzog er die vollen Lippen und stieß einen gellenden Pfiff aus, so daß die beiden Tiere hoch an ihm in die Höhe strebten.
»Vogt,« rief er mit seinen dunkel sprühenden Augen, die in ihrem Jähzorn denen von Claus Beckera so sehr glichen, »wie ist das? Gehören hier nicht längst ein paar Fischerknechte her? Wie wäre es, wenn wir das Nest ausräumten und die Weiber auf den Hof brächten?«
Die Drohung war wohl nur darauf berechnet, das Sträuben der Blonden vollends zu überwinden, auf den Vogt blieb sie jedenfalls ohne Wirkung. Ruhig schloß der breitschultrige Mann seine Tasche, packte seinen Kronenstab fester und schüttelte endlich bestimmt das wuchtige Haupt.
»Dazu habe ich keinen Auftrag,« lehnte er die Zumutung ohne eine Spur von Entgegenkommen ab. »Ich tue, was meines Amtes, nicht mehr.«