»Nun, dann pack dich,« befahl der Jäger dunkelrot und gereizt.
»Gut, Herr, gut, das kann ich tun,« stimmte der Vogt immer mit derselben Bedächtigkeit zu, »warum nicht? Gehabt Euch wohl.«
Ehrbar, als wäre nichts weiter geschehen, lüftete er seine Kappe und strebte dann weiten Schrittes den Dünen entgegen. Allein, kaum hatte er den Saum der Weidenbüsche erreicht, so ließ er sich auf eine Sandwelle niedergleiten und duckte seinen ungefügen Leib vorsichtig hinter die übrig gebliebenen braunrostigen Blätter der Ruten. »Potz Velten,« dachte er bei sich, »die Art meint immer, sie sei allein auf der Welt. Wie lange läßt man sie wohl noch den Rahm von der Milch schöpfen?«
Damit stieß er seinen Stab in den Boden und lauerte.
Vor der Katenhütte jedoch hatte unterdessen die Sucht des Besitzergreifens den Streit entschieden. Zwischen Bitte und Befehl war der Jäger in den halbdämmrigen Raum gedrungen, ja, er mochte es nicht einmal hindern, daß seine beiden Doggen ihm schnuppernd voranliefen. Jetzt spürten sie in der düsteren Engnis umher, bis die Tiere plötzlich, wie auf einen Schlag, vor einem traurigen Bettgestell Halt machten. Lechzend wiesen sie ihre roten Zungen einem wächsernen Menschenbilde entgegen, das mit geschlossenen Augen und wehenden Atems tief in einem groben Strohsack eingekratzt lag. Es war ein schreckhafter Anblick, als der Eindringling zuerst dieses fieberzuckende Menschenhäufchen gewahrte, und vor den schwarzen Höhlen der Wangen und der spitz hervorstoßenden Nase wich der Unvorbereitete zuvörderst zurück.
»Gott gebe Euch einen guten Tag, Frau,« ermannte er sich allmählich zu einem Gruß, wobei er nichtsdestoweniger die unerbetene Zeugin seiner tollen Leidenschaft nach Kräften verwünschte. »Wie geht's? – Was treibt Ihr?«
Allein aus der Lade drang keine Antwort; nur ein rasches Keuchen vermischte sich mit dem Lechzen der Hunde, und statt der Hingestreckten erteilte endlich die Tochter die Auskunft. Am Kopfende des Bettes stand sie, und während Haupt und Arme ihr schlaff herabhingen, sagte sie leer und geistesfern:
»Sie weiß von nichts.«
»Teufel ja,« nickte der Junker.
Ungemütlich und von der drückenden Stickluft unter dem niedrigen Gebälk benommen, ließ der junge Mensch einen raschen Blick über das kahle Elend seiner Umgebung wandern, über die Holzwände voll Rauch und Spalten, über den geringen Hausrat, und sein Geruchsinn empörte sich heftig gegen den Dunst eines Haufens von Binsen, der wohl in besseren Tagen zum Knüpfen der Matten benutzt werden sollte. Jetzt lag er zum Trocknen geschichtet auf dem Fachwerk unter der Decke. In all dieser hoffnungslosen Armut gab es nur einen Schimmer, eine Helligkeit, so dünkte es wenigstens den immer heftiger Gespannten, die strömten von den langen Flechten des Mädchens aus. Weißblond glommen sie durch den Dämmer, gleich einem feingesponnenen Netz jungen Flachses, und an jene seidigen Fäden klammerte sich jetzt der unbeherrschte Wille des vornehmen Gastes fest. Unruhig ließ er sich auf den einzigen Stuhl am Tisch nieder, und da er seine Befangenheit vor dem Wachsbild in dem nahen Bett doch nicht ganz bezwingen konnte, so versuchte er seine Absichten vor den verdorrten Ohren der Lauscherin wenigstens möglichst zu verbergen.