»So nenne deine Bedingungen,« rief sie beleidigt, während sie ihm ihre Hand entzog. »Bei solchem Handel gelten keine Geheimnisse.«
Der Störtebecker aber reckte sich, und mit ausgestrecktem Arm auf die Tafel des Giotto weisend, brach er von neuem in sein rücksichtsloses Gelächter aus.
»Meinst du wirklich, oh Königin, daß ich dir den da nur zum Beschauen brachte? Du irrst; weil er der einzige ist, der auf der weiten Erde mein Geheimnis erfassen könnte, wenn er nämlich lebte, darum lehnt er an der Mauer. Weil das sanfte Lämmlein nur halbe Arbeit leistete, deshalb stehe ich vor dir. Weil er sich fürchtete, Waffen anzulegen, deshalb trage ich sie an seiner Statt. Aber sei gewiß, wenn er mich hörte, er würde herabsteigen und mir folgen.«
»Lästere nicht,« rief Margareta ehrlich erblaßt, ihr grauste vor der mörderischen Wut gegen das große Unbestimmte, vor dem sie sich selbst abergläubisch oder doch beinahe überzeugt neigte. Und ihr Herz klopfte auch widerwillig gegen jenes Neue, das ihr der Frevler dort anvertrauen wollte.
»Komm zu Ende,« mahnte sie ihn daher ungeduldig, und sie schritt hinter den Tisch, wo sie sich gebieterisch aufstützte. Ihre Mienen trugen jetzt deutlich den Ausdruck der Verschlossenheit und der Kränkung. »Endige, damit ich erwäge, wie sich mein Vorteil mit dem deinen verträgt.«
Claus Störtebecker trat an das andere Ende der Tafel. Dann schlug er leicht auf die eichene Platte.
»Jetzt sprichst du endlich,« verurteilte er mit verhaltenem Tadel, »wie es dich deine Welt gelehrt. Dein Vorteil – mein Vorteil – Königin, und du fragst gar nicht, woher die Stimme dringt, die sich jetzt in nie wiederkehrender Stunde an dein Ohr wendet?«
»Ich weiß, woher sie stammt,« schnitt die Königin höhnisch dazwischen. »Meinst du, ich hätte mich nicht vorher über dich belehren lassen, du törichter Mann? Ein Bankert bist du,« stieß sie verbissen hervor. »Edelingsblut und Knechtsblut streiten in deinen Adern. Aber die Abstammung von den Unfreien sitzt dir tiefer, da du dich nicht scheust, mit einer Schar von Dieben und Mördern den Richter gegen unser besseres Blut zu spielen.«
Oh, es tat ihr wohl, als sie die Beschimpfung gegen den schönen, fürstlich geschmückten Mann geschleudert hatte, erst jetzt glaubte sie sich wieder im Besitz ihrer Hoheit und Macht zu befinden, da sie das tödlich erblaßte Antlitz ihres Gegners von einer wilden Verzerrung zerrissen sah. Und sie hätte es bejubelt, wenn sich noch in diesem Augenblick der Freibeuter zu irgendeinem schamlosen Ausbruch gegen sie hätte hinreißen lassen. Erwartend hielt sie schon das Hämmerchen in der Hand.
Allein nur in den dunklen Augen ihres Gastes stäubte es wüst auseinander, seine hohe Gestalt jedoch klammerte sich mit beiden Fäusten an den Tisch, um in erschütternder Bändigung und fast flüsternd die bittere Entgegnung zu finden.