»Fürst Fergussow kommt eben durch das Tor,« meldete Marianne, als ob es sich um einen längst ersehnten Befreier handle, »welch einen schönen Schimmel er reitet.«
»Arabische Zucht,« murmelte von seinem Sofa Leo Konstantinowitsch, obwohl er sich seinem Dämmerzustand nicht mehr entwinden konnte. »Zarengeschenk – verwünschte Bande!«
»Komm, Johanna,« drängte Marianne noch einmal und winkte lebhaft mit dem Finger, »denke nur, Durchlaucht hat mich schon bemerkt und ist schon vom Pferde herunter. Jetzt wirft er die Zügel einem anderen zu und nähert sich direkt unserem Fenster. Willst du ihn nicht begrüßen?«
Von der Lagerstatt des Kranken drang ein Schnauben herüber. Die Blonde aber regte sich nicht, sie sank nur noch tiefer in ihren Stuhl zurück, als könnte sie sich auf diese Weise vor den Blicken des jungen Mannes verbergen, der sich soeben mit einem höflichen Gruß in die Fensterhöhlung hineinbeugte.
»Guten Morgen,« rief die wohlklingende Stimme, indem sich der elegante Reiter über die glatte Mädchenhand neigte, die ihm ohne Zögern überlassen wurde; in demselben Augenblick jedoch erfaßten seine scharfen Augen auch schon die hohe Gestalt in dem Dunkel des Zimmers. »Ah, ich sehe, die Damen betätigen sich bereits in ihrem schönsten Metier, Sie bringen Trost und Hilfe ohne Ansehung der Person. Ich bin Ihnen zu größtem Danke verpflichtet, weil Sie sich um den armen Kameraden so sorgsam bemühen.«
»Ja, ausgezeichnet, fabelhaft,« rief der Verwundete vom Sofa aus dazwischen, und man wußte nicht, ob seine Wut oder sein Dankbarkeitsgefühl überwog, »fühle mich wie im Himmel.«
»Das ist gut, Leo Konstantinowitsch, das ist gut,« begrüßte ihn der schlanke Oberst nun mit einem lebhaften Winken der Hand, »Sie sehen schon viel besser aus, lieber Kamerad.«
»Ganz sicherlich,« schrie der andere, »Wohlbefinden steigert sich mit jeder Minute.«
»Das freut mich, Leo Konstantinowitsch, das freut mich wirklich ungemein.« Auf seinem schönen Gesicht strahlte es auf, die Besserung in dem Ergehen des Kameraden bedeutete offenbar für ihn eine Erleichterung. »Denken Sie, lieber Freund,« fuhr er eifrig fort, indem er sich mit der Hand auf das Fensterbrett stützte, »ich habe auch endlich einen Stabsarzt aufgetrieben, einen vortrefflichen Mann, Korsakow mit Namen, den ich von einem Aufenthalt in der Krim her kenne, wo er sich merkwürdigerweise mit der Züchtung junger Haifische abgab.«
»Gut, gut,« stöhnte Sassin, »dann ist er gerade für mich der passende Mann.«