Der Fürst mußte lachen, und Johanna, die noch immer unbeweglich in ihrem blauen Samtsessel verharrte, entdeckte mit einigem Unbehagen, wie unglaublich frisch und unberührt das Antlitz des Aristokraten leuchtete, sobald er offen seine Freude äußerte. Es wollte zu ihrem Bilde nicht stimmen. Und sie schüttelte sich leicht. Dann lauschte sie gespannt weiter.
»He, Korsakow,« rief der Fürst inzwischen laut über den Hof, »hier ist Ihr Patient.«
Und als sich aus dem Getümmel der zum Teil abgesattelten, zum Teil vor einer Brunnentränke sich erfrischenden Pferde eine kugelrunde schwarzbärtige Gestalt mit einer ungeheuren zerbeulten Schirmmütze abgelöst hatte, da eilte ihm der Oberst elastisch entgegen, um den Arzt ohne weiteres an der Achselklappe bis dicht vor das Fenster zu ziehen.
»Hier drinnen, lieber Doktor,« erklärte er, »finden Sie Ihren Patienten. Machen Sie schnell, daß Sie hereinkommen.«
Allein zu Johannas Verwunderung rührte sich die dicke Kugel nicht. Der Mann zupfte vielmehr an seinem verworrenen schwarzen Bartgekräusel, rückte sich die merkwürdig großen Horngläser auf der plumpen Nase zurecht und starrte den Verwundeten auf dem Sofa unverwandt an.
»Was wollen Sie?« schrie Sassin wütend.
»Wundfieber,« murmelte der andere und zog sich von dem Fenster ein wenig zurück, als ob er sich vor einer ansteckenden Krankheit zu hüten hätte. »Der Einschuß sitzt zwei Zentimeter rechts von der Lunge, und die Kugel behindert die Atmung.«
»Herr,« sagte Dimitri, ihn verblüfft musternd, »Ihr Kombinationstalent auf diese Distanz ist erstaunlich. Aber hegen Sie nicht das Verlangen, sich etwas dichter in die Nähe meines verletzten Freundes zu begeben? Ich bitte um Verzeihung, wenn ich mich in fremde Angelegenheiten mische, aber mir scheint, in einem solchen Fall pflegt von Ihren Kollegen die Sonde angewendet zu werden.«
»Ganz recht, die Sonde, ganz recht,« stotterte der Schwarzbärtige und tastete nach einem Instrumententäschchen, das ihm quer über den Bauch herabhing; als es jedoch drinnen klirrte, erschrak er sichtlich. »Sie müssen nämlich wissen, Durchlaucht,« offenbarte er sich endlich, während ihm der Schweiß unter der großen Mütze hervorlief, »daß ich bisher nur auf dem Katheder stand. Es ist nicht mein Wunsch, mich so plötzlich in die Praxis versetzt zu sehen. Aber immerhin, immerhin,« setzte er sich zusammenraffend hinzu, »es wird gehen, man wird sich Mühe geben. Schließlich« – er zuckte die Achsel – »eine gute Natur muß uns unterstützen, sonst vermögen wir alle nichts. Ich werde den Kranken untersuchen.«